Waffenruhe laut Ex-US-General "nicht wirklich eingetroffen"

Interview

Iran-Krieg:Ex-US-General: Waffenruhe "nicht wirklich eingetroffen"

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Die von Iran und den USA vereinbarte befristete Waffenruhe ist nach Auffassung von Ex-US-General Ben Hodges "nicht wirklich eingetroffen". Scharfe Kritik übt er an Trump.

Ex-US-General Ben Hodges

Nicht die Nato habe im Iran-Krieg versagt, sondern die US-Regierung habe kein strategisches Ziel definiert, so Ex-US-General Ben Hodges. Zudem sei die Waffenruhe nicht wirklich eingetreten.

09.04.2026 | 20:48 min

Die Lage im Konflikt mit Iran bleibt angespannt. Die vereinbarte Waffenruhe ist brüchig und US-Präsident Donald Trump setzt die Nato unter Druck. Ex-US-General Ben Hodges sieht vor allem strategische Versäumnisse in Washington.

Sehen Sie das Gespräch oben im Video in voller Länge und lesen Sie es hier in Auszügen. Im Interview mit ZDFheute live spricht Haupt über zentrale Aspekte des Konflikts.

Waffenruhe im Nahen Osten "nicht wirklich eingetroffen"

Auf Grundlage einer zweiwöchigen Waffenruhe wollen die USA, Israel, Iran und weitere beteiligte Staaten eine Einigung treffen. "Aber die Waffenruhe, die ist jetzt nicht wirklich eingetroffen", so Hodges. Er verweist auf anhaltende Angriffe sowie Unsicherheiten rund um die Straße von Hormus.

Frederick Benjamin Ben Hodges III, US-Militärexperte
Quelle: Imago

… ist Generalleutnant a. D. der United States Army und war zuletzt von November 2014 bis Dezember 2017 Commanding General der US Army Europe, der Oberkommandierende der US-Landstreitkräfte in Europa. Er absolvierte seine Offiziersausbildung bis 1980 in West Point und war daraufhin unter anderem als Zugführer in Deutschland und als Commander Regional Command South in Afghanistan im Einsatz, bis er 2017 seinen Ruhestand ankündigte. Seit Juni 2022 arbeitet Hodges für die Menschenrechtsorganisation Human Rights First.


Einen großen Erfolg der USA sieht Hodges also nicht, denn sonst "würden sich Hunderte von Öltankern durch die Straße von Hormus bewegen, es gäbe kein angereichertes Uran mehr in Iran und keine Raketen, die von Iran aus auf arabische Staaten geschossen werden".

Die unklare Lage führt Hodges auch auf Streitpunkte zurück, etwa die Frage, ob der Libanon Teil der Vereinbarung ist. Insgesamt sei für ihn "nicht ganz klar", welchen Status die Waffenruhe tatsächlich habe. Auch ob Iran Schiffe künftig ohne Einschränkungen passieren lasse, bleibe offen.

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09.04.2026 | 1:33 min

Kritik an Trumps Kurs im Iran-Krieg

Deutliche Kritik übt Hodges an der US-Regierung. Die Aussage Donald Trumps, die Entscheidung zum Angriff auf Iran persönlich getroffen zu haben und sich grundsätzlich mehr auf sein Bauchgefühl als auf Geheimdienstinformationen zu verlassen, hält Hodges für valide. Die Erfolgsaussichten der Operation habe Trump jedoch überschätzt:

Es scheint, dass der Präsident glaubte, dass ein Enthauptungsschlag gegen den obersten Führer in Iran einen völligen Kollaps des Regimes bringen würde.

Ben Hodges, ehemaliger US-General

Tatsächlich habe die Tötung der Führung nicht zum Zusammenbruch des iranischen Regimes geführt, vielmehr sei es auf ein solches Szenario vorbereitet gewesen.

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09.04.2026 | 1:35 min

Zurückhaltung der Nato-Partner "verständlich"

Vor dem Hintergrund der Lage in Nahost spricht Hodges auch über die transatlantischen Beziehungen, insbesondere das Verhältnis der USA mit der Nato. Dieses befindet sich nach Einschätzung von Hodges zwar in einer schwierigen Phase, allerdings stellt der Ex-US-General klar: Auch die USA profitierten von den Alliierten, etwa durch nachrichtendienstliche Erkenntnisse und Militärstützpunkte im Ausland.

Mit Blick auf Trumps Ärger über die mangelnde Unterstützung der Nato-Verbündeten bei der Sicherung der Straße von Hormus sagt Hodges: "Es ist verständlich, warum unsere Bündnispartner sehr zurückhaltend sind, einem amerikanischen Präsidenten wieder einmal zu folgen, der sich selber einen Krieg aussucht, der kein Verteidigungskrieg ist."

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Wirtschaftlicher Druck durch Nato-Staaten als Lösung

Scharf kritisiert er zudem Trumps Drohung, die iranische Zivilisation zu zerstören. "So wird Amerika nicht mehr großartig." Stattdessen plädiert Hodges für eine diplomatische Lösung, bei der auch die Bündnispartner Druck auf Teheran ausüben.

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Etwa im Falle der Freigabe der Straße von Hormus könnten Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien seiner Ansicht nach durch wirtschaftlichen Druck Einfluss nehmen.

Die Straße wird geöffnet, wenn die Führung in Teheran mitbekommt, dass es in ihrem eigenen Interesse ist.

Ben Hodges, ehemaliger US-General

Entscheidend sei, trotz aktueller Spannungen im Nato-Bündnis, eine langfristige Perspektive einzunehmen, betont Ben Hodges.

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Über dieses Thema berichtete ZDFheute live am 09.04.2026 ab 19:30 Uhr.

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