Trump bittet Israel um Mäßigung:Netanjahu kündigt direkte Verhandlungen mit dem Libanon an
Israel hat direkte Verhandlungen mit dem Libanon angekündigt. Dabei soll es um die Entwaffnung der Hisbollah und die Etablierung friedlicher Beziehungen gehen.
Kurz nach Verkündung der Feuerpause fliegt Israel schwere Angriffe auf Hisbollah-Ziele im Libanon. Hunderte Tote und scharfe Reaktionen aus Teheran zeigen, wie brüchig die Lage ist.
09.04.2026 | 1:33 minIsrael plant offiziellen Angaben zufolge, direkte Verhandlungen über friedliche Beziehungen mit dem verfeindeten Libanon aufzunehmen. Nach den wiederholten Bitten des Nachbarlandes habe der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Mittwoch das Kabinett angewiesen, die Gespräche "so bald wie möglich" zu beginnen, hieß es in einer Mitteilung seines Büros.
Die Verhandlungen sollen sich demnach auf die Entwaffnung der Hisbollah und die Aufnahme friedlicher Beziehungen zwischen Israel und dem Libanon konzentrieren. In einer Videobotschaft am Donnerstagabend sagte Netanjahu, Ziel der direkten Verhandlungen sei "ein historisches, dauerhaftes Friedensabkommen zwischen Israel und dem Libanon".
Libanons Präsident Joseph Aoun hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach die Bereitschaft zu Verhandlungen mit Israel signalisiert.
Trotz vorläufiger Waffenruhe ist unklar, ob das Abkommen auch langfristig hält und wie sich die innere Lage im Iran entwickelt. Nahost-Experte Cornelius Adebahr ordnet die Situation ein.
09.04.2026 | 4:04 minMit der plötzlichen Verhandlungsbereitschaft beseitigt Netanjahu eine zentrale Hürde bei den Verhandlungen der USA mit Iran. Teheran hatte erklärt, die israelischen Angriffe auf die Hisbollah-Miliz im Libanon verletzten die mit den USA vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe. Dadurch würden die für Samstag in Pakistan geplanten Verhandlungen mit den USA sinnlos.
Trump: Israel wird Angriffe zurückfahren, keine Bestätigung von Netanjahu
Israel werde die Angriffe im Libanon nun nach Angaben von US-Präsident Donald Trump zurückfahren. Er habe mit Premierminister Benjamin Netanjahu gesprochen und dieser habe eine Reduzierung der Attacken zugesagt, sagte Trump dem US-Sender NBC in einem Telefoninterview.
Aus libanesischen Regierungskreisen hieß es, dass mögliche Verhandlungen nur unter den Bedingungen einer Waffenruhe stattfinden sollten. Netanjahu erteilte der Forderung eine Absage. "Es gibt keine Waffenruhe im Libanon", sagte er am Abend in einer Videobotschaft. Die von Trump verkündete Reduzierung der israelischen Angriffe bestätigte er nicht. Israel werde die libanesische Hisbollah-Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und nicht aufhören, ehe es keine Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe.
Trump sagte NBC auch, dass er "sehr optimistisch" in Bezug auf eine mögliche Friedensvereinbarung mit Iran sei. Die aktuelle iranische Führung verhalte sich hinter verschlossenen Türen "viel vernünftiger" als in der Öffentlichkeit: "Sie stimmen all den Dingen zu, denen sie zustimmen müssen." Wenn Teheran keinen Deal mit den USA eingehe, "wird es sehr schmerzhaft", drohte Trump.
"Das ist jetzt der zweite Krieg, den die Hisbollah allein angefangen hat, gegen den Willen der Mehrheit hier im Land", berichtete ZDF-Korrespondentin Golineh Atai vor wenigen Tagen aus dem Libanon.
06.04.2026 | 1:34 minBericht: Israel-Libanon-Gespräche schon kommende Woche
Wie ein "Axios"-Reporter auf dem Kurznachrichtendienst X außerdem schrieb, sollen die Verhandlungen schon kommende Woche beginnen. Das erste Treffen solle im US-Außenministerium in Washington stattfinden, hieß es in dem Post.
Die Bundesregierung zeigte sich erleichtert über die Bereitschaft Israels zu Verhandlungen mit dem Libanon. "Wir begrüßen die Ankündigung der israelischen Regierung von Direktgesprächen mit der libanesischen Regierung", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Angriffe der Hisbollah auf Israel müssen aufhören. Gleichzeitig ist die Härte der israelischen Schläge im Libanon sehr besorgniserregend."
Trotz Waffenruhe: Israel greift Ziele im Libanon an
Die Ankündigung Israels folgt auf die schwersten israelischen Bombardements im Libanon seit Kriegsbeginn. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden dabei mehr als 300 Menschen getötet. Israels Verteidigungsminister Israel Katz sprach am Donnerstag von "mehr als 200 Terroristen, die gestern eliminiert wurden".
Trotz verkündeter Feuerpause im Iran-Krieg bleibt die Lage angespannt: Teheran meldet eine erneute Sperrung der Straße von Hormus und warnt Schiffe vor der Durchfahrt.
09.04.2026 | 0:22 minLibanons Regierungschef Nawaf Salam erklärte den Donnerstag zum nationalen Trauertag. Die Hisbollah ihrerseits feuerte nach eigenen Angaben wieder zahlreiche Raketen auf Israel ab und begründete dies mit den israelischen Angriffen vom Vortag.
Nach Ansicht Israels und der USA erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte Waffenruhe nicht auf den Libanon. Dagegen pochen die Islamische Republik und das als Vermittler agierende Pakistan darauf, dass die Feuerpause auch für den Libanon und damit für die mit Iran verbündete Hisbollah-Miliz greift.
Der Iran-Krieg hatte Ende Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Anfang März weitete er sich auf den Libanon aus.
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