Gaza-Deal:Geisel-Familien zwischen Hoffen und Bangen
Israel hat dem Gaza-Deal zugestimmt, das Bangen der Geisel-Familien dürfte jedoch vorerst weitergehen. Auch die Menschen im zerstörten Gazastreifen sind erschöpft vom Krieg.
Demonstration zur Freilassung der Geiseln in Gaza vor der Residenz von Regierungschef Netanjahu in Jerusalem.
Quelle: ddpAuch nach der Einigung auf eine Waffenruhe im Gaza-Krieg bangen die Familien der Geiseln weiter. Sie sehnen sich nach Klarheit über das Schicksal ihrer Angehörigen, die am 7. Oktober 2023 von der islamistischen Hamas in den Gazastreifen verschleppt wurden.
Geisel-Familien: Endlich wissen, ob sie zurückkommen
"Die Tage sind schrecklich für uns", sagt Jafit Zailer und bricht in Schluchzen aus. Sie bangt um vier Angehörige, darunter zwei kleine Kinder, in der Gefangenschaft der Hamas. Sie wünsche sich nichts mehr, als endlich zu erfahren, ob sie zurückkommen. "Ich möchte jetzt wissen, ob es ihnen gut geht oder nicht", sagt Zailer. Sie äußerte sich, noch bevor erste Berichte über eine Einigung auf eine Waffenruhe die Runde machten.
Doch selbst wenn die Waffen endlich schweigen, könnte sich das Leid der Geisel-Angehörigen und der Palästinenser im Gazastreifen hinziehen. Die Familien der Geiseln wissen nicht, ob ihre Angehörigen noch am Leben sind. Viele werden auf eine spätere Phase des Abkommens warten müssen, die noch ausgehandelt werden muss.
Gaza: Große Gebiete unbewohnbar
Im kriegszerstörten Gazastreifen haben viele vertriebene Palästinenser keinen Überblick darüber, ob ihre Häuser noch stehen. Viele Menschen sind unter Trümmern begraben und Dutzende werden nach Zusammenstößen mit israelischen Streitkräften vermisst. Große Gebiete scheinen unbewohnbar, und der Wiederaufbau könnte Jahrzehnte dauern.
Nun aber hoffen alle auf eine Waffenruhe. Israel hat gerade eine Liste palästinensischer Häftlinge veröffentlicht, die freikommen sollen. Sie umfasst die Namen von 69 Frauen, 16 Männern und zehn Minderjährigen.
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Krieg könnte jederzeit wieder aufflammen
Sollten allerdings die Gespräche über die zweite - und schwierigere - Phase des nun ausgehandelten Waffenruhe-Abkommens scheitern, könnte der Krieg wieder aufflammen und noch mehr Tod und Zerstörung in das Küstengebiet bringen.
Dann müssten auch die Familien der Geiseln länger auf Aufklärung warten. Etwa 100 Geiseln werden noch immer im Gazastreifen vermutet, darunter Zivilisten und Soldaten sowie etwa ein Dutzend Ausländer aus Thailand, Nepal und Tansania. Das Militär geht davon aus, dass mindestens ein Drittel der verbleibenden Geiseln, möglicherweise auch die Hälfte, nicht mehr am Leben ist.
Männliche Gefangene kommen erst in Phase zwei frei
Soldaten und andere männliche Gefangene sollen in der zweiten Phase freigelassen werden. Herut Nimrodis Sohn wurde am 7. Oktober aus seinem Militärstützpunkt verschleppt. Der jetzt 20-jährige Soldat wird in der ersten Phase des Abkommens nicht berücksichtigt.
Die Mutter befürchtet, dass der Druck zur Freilassung der verbleibenden Geiseln nachlassen wird, wenn der Waffenstillstand nicht hält. Die Hamas will die verbleibenden Geiseln nicht freilassen, wenn Israel den Krieg nicht vollständig beendet. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat aber angekündigt, die Offensive fortzusetzen, bis die militärischen Fähigkeiten der Hamas zerstört seien.
Wut, Verzweiflung und häufig auch offener Hass herrschen in Israel und Gaza. Jahrzehntelange Versuche, den Nahost-Konflikt einzudämmen, liegen in Trümmern.
09.11.2023 | 43:24 minAuch Palästinenser ersehnen Ende der Angriffe
Für Hunderttausende vertriebene Palästinenser, die in Zeltlagern leben, kann das Ende der israelischen Angriffe nicht schnell genug kommen. Diese kosteten in dem Küstengebiet nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums, das von der Hamas kontrolliert wird, mehr als 46.000 Palästinenser das Leben.
Israels Offensive hat große Teile des Gazastreifens in Schutt und Asche gelegt und rund 90 Prozent der 2,3 Millionen Einwohner vertrieben. "Wir haben keine Kraft mehr", sagt Rami Abu Shera, der aus seinem Haus in Chan Junis vertrieben wurde. "Es reicht."