Freiburg-Star im sportstudio:Vincenzo Grifo: Mal Kabinenclown, mal großer Bruder
von Andreas Morbach
Vincenzo Grifo war schon in Freiburg, als die Breisgauer noch nicht regelmäßig im Europacup gastierten. Bald wird er 33 - und schwankt im Team zwischen Fürsorge und Konkurrenzkampf.
Vincenzo Grifo, Freiburgs Rekordtorschütze, spricht über das Spiel gegen den FC Bayern, Italiens Aus in der WM-Qualifikation, den SC Freiburg und seine Familie.
04.04.2026 | 25:09 minDer dritte und mutmaßlich letzte Durchgang beim SC Freiburg startete für Vincenzo Grifo im Spätsommer 2019. Vier Jahre zuvor war der gebürtige Pforzheimer erstmals in den Breisgau gewechselt - in eine, wie er beim Besuch im aktuellen sportstudio erwähnte, noch ganz andere Zeit.
"Wenn wir damals mal gewonnen haben, haben wir uns gefreut wie kleine Kinder, wie Bambini", erzählte der 32-Jährige von seinen Anfängen beim Sport-Club und stellte beim vergleichenden Blick auf die Gegenwart fest: "Inzwischen kommt das immer häufiger vor."
Beim 2:3 am Samstag gegen die übermächtigen Bayern stand Freiburg sogar kurz vor einem Überraschungscoup. Mit drei Treffern in der Schlussphase bogen die Münchner die Partie aber noch um, die richtige Motivationsspritze vor dem ersten Duell mit Real Madrid im Viertelfinale der Champions League am Dienstag.
Sehen Sie hier die Sendung das aktuelle Sportstudio vom 4. April 2026.
04.04.2026 | 86:32 minLeicht pikiert auf der Ersatzbank
Grifo, seit gut zwei Wochen Freiburger Rekordtorschütze, verbrachte den kompletten Nachmittag auf der Ersatzbank. "Enttäuscht bin ich dann immer. Erst mal, wenn ich nicht von Anfang an spiele, vor allem gegen die Bayern. Und auch, weil ich in den letzten Wochen gute Leistungen gebracht habe", kommentierte Grifo leicht pikiert.
Dass er als grundsätzlich offensiv denkender Fußballer gerade im System der Freiburger, das auf einem stabilen Abwehrverbund und hoher Laufbereitschaft basiert, an seinem Defensivverhalten arbeiten muss, ist dem Mittelfeldakteur mit italienischem Pass bewusst. Das habe er, sagt Grifo, "in den letzten zwei, drei Jahren" auch erkannt. Sozusagen zwangsläufig.
Mithalten mit den Jungen
Denn Grifo weiß längst: "Die Jungen sind heutzutage einfach sehr, sehr gut. Schnell, dynamisch. Da will man mithalten." Mit zwölf Pflichtspieltreffern in der laufenden Saison gelingt ihm das momentan bestens. Doch dank seiner Erfahrung und seiner lebenslustigen Art fallen Freiburgs Standardkönig noch weitere Rollen zu.
"Er ist unser Kabinenclown", verrät etwa Verteidiger Lukas Kübler (33). Dem zehn Jahre jüngeren Stammkeeper Noah Atubolu dagegen war bei Grifo wichtig:
Als ich zu den Profis kam, war er meine Bezugsperson. Er ist wie ein älterer Bruder, für alle jungen Spieler. Er ist ein Leader, eine Legende.
Noah Atubolu, Torwart des SC Freiburg
Der SC Freiburg gewinnt mit 1:0 gegen Maccabi Tel Aviv und steht kurz vor dem Achtelfinale. Der sportliche Erfolg wurde von einem Fanboykott begleitet.
23.01.2026 | 0:49 minPokal-Highlights im April gegen Vigo und Stuttgart
Mit den Südbadenern spielt die Klublegende im April gegen Celta Vigo um ein Halbfinalticket in der Europa League. Ebenfalls noch in diesem Monat steht das Halbfinale im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart an. Und mit Blick auf das Berliner Endspiel am 23. Mai betont Grifo:
Ich hoffe, die Saison dauert für uns noch sieben Wochen. Das ist jetzt quasi wie ein Turnier.
Vincenzo Grifo
Das größte Turnier des Jahres, die WM, gerade frisch verpasst haben die Italiener. Schon wieder. Zum dritten Mal in Folge erlebte die einst so stolze Squadra Azzurra diese Apokalypse, entsprechend kleinlaut schlägt ihr Landsmann aus Freiburg vor: "Wir dürfen gar nicht so viel reden." Das habe die Nation sich einfach nicht verdient.
Dass Italien zum dritten Mal in Folge die WM verpasst, schockiert die stolze Fußballnation. Die Probleme sind tiefgründig, Politik und Presse fordern weitreichende Konsequenzen.
02.04.2026 | 1:26 minNotfalls zu Fuß zum Nationalteam
"Wir Italiener sind ja meistens die mit einer großen Klappe, haben auch immer gerne provoziert. Und jetzt hat es uns einfach dreimal bitter getroffen", seufzt Grifo. Und auch wenn er am Dienstag 33 wird und das letzte seiner neun Länderspiele drei Jahre zurückliegt, will er einen erneuten Ruf zum Nationalteam nicht ganz ausschließen.
"Sag’ niemals nie", fällt dem dreifachen Familienvater zu diesem Thema ein. Und dass er sich gewünscht hätte, die für die Nationalmannschaft zuständigen Trainer hätten ab und zu auch mal ein Spiel des SC Freiburg besucht. Wobei für Vincenzo Grifo völlig klar ist:
Wenn der nächste Trainer mich braucht, laufe ich zu Fuß nach Italien.
Vincenzo Grifo
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