Gefährlicher Kaufrausch in England?:Wie die Premier League den Transfermarkt bestimmt
von Ralf Lorenzen
Vier Milliarden Euro für Transfers - die Premier League ist weiter im Kaufrausch. Doch das Geld bleibt zunehmend auf der Insel. Das könnte für die Bundesliga zum Problem werden.
Die Premier League hat zuletzt etwa vier Milliarden Euro ausgegeben, mehr als die anderen europäischen Topligen zusammen. Was heißt das für den Transfermarkt und den europäischen Fußball?
17.09.2026 | 14:15 minDie neuesten Transferzahlen aus der Premier League lassen kaum noch aufhorchen. So sehr hat man sich an deren finanzielle Übermacht gewöhnt. Dabei sind die Dimensionen enorm: Rund vier Milliarden Euro wurden im vergangenen Transfersommer auf der Insel für neue Spieler ausgegeben - mehr als in den anderen Top-5-Ligen zusammen.
Aufsteiger Ipswich Town etwa investierte rund 220 Millionen Euro - mehr als Bayern München und Borussia Dortmund zusammen.
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16.04.2026 | 15:28 minPremier League funktioniert als globale Marke
Die Ursachen für dieses Auseinanderdriften sind seit Langem bekannt. Allen voran steht der gewaltige Vorsprung der Premier League bei den Medien-Einnahmen, insbesondere bei der internationalen Vermarktung.
Die Premier League versucht ja, als Liga in einem Wettbewerb der Ligen im Grunde genommen die globale NBA oder NFL zu sein.
Oke Göttlich, FC-St.-Pauli-Präsident, im "Bolzplatz"
"Der größte Konkurrent der Premier League ist nicht etwa die Bundesliga oder La Liga in Spanien, sondern die Champions League", so Göttlich weiter. Einnahmen aus Vermarktung, Sponsoring und Spieltagen vergrößern den Abstand zu den anderen nationalen Ligen zusätzlich.
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19.02.2026 | 13:39 minWeniger Transfereinnahmen für die Bundesliga?
Bei aller Gewöhnung an die finanziellen Dimensionen lässt eine Zahl dennoch aufhorchen. "69 Transfers haben in diesem Sommer innerhalb des Landes stattgefunden, so viel wie noch nie", sagt Moderatorin Lili Engels.
Und damit flossen mehr als zwei Milliarden Euro allein zwischen englischen Klubs.
Lili Engels, "Bolzplatz"-Moderatorin
Die Vereine hätten sich damit gewissermaßen darauf verständigt, dass das Geld im eigenen Kreislauf bleibe, ergänzt Transferexperte und Sky-Reporter Patrick Berger.
Für die Bundesliga könnte genau das zum Problem werden. Denn längst ist die Kaufkraft der Premier League Teil ihres Geschäftsmodells geworden: Deutsche Klubs bilden Spieler aus und verkaufen sie anschließend für hohe Ablösesummen nach England. Beispiele gibt es zahlreiche - von Florian Wirtz über Nick Woltemade bis hin zu Johan Manzambi. "Das höre ich oft in Telefonaten: Dann kommt irgendein Engländer und wird schon seine 70, 80 Millionen hinlegen", sagt Berger.
Göttlich fordert Obergrenzen für Kader und Gehalt
"Wenn dieser Geldregen aus der Premier League ausbleibt, dann haben wir natürlich hier Kaderkosten, teilweise in Deutschland oder in anderen Ligen, die nicht refinanziert werden", warnt Göttlich. Der FC-St.-Pauli-Präsident begrüßt deshalb die Neuregelung des europäischen Financial Fairplay, nach der Klubs höchstens 70 Prozent ihrer Einnahmen für Kaderkosten aufwenden dürfen.
Aber das sei natürlich ein prozentualer Satz, der die Ungleichheit in der Liga nicht verkleinere. Göttlich plädiert deshalb für zusätzliche Regulierungen - etwa Kader- und Gehaltsobergrenzen.
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20.05.2026 | 0:48 minBerger sieht einen weiteren Ansatzpunkt bei der Auslandsvermarktung der Bundesliga. Die Medienverträge gingen derzeit noch am Nutzerverhalten der TikTok-Generation vorbei: "Die guckt ja immer weniger über 90 Minuten ein Fußballspiel und will dann vielleicht die kurzen Clips schnell zu Gesicht bekommen."
Viele Stars zieht es auf den Kontinent
Sportlich hat sich die finanzielle Übermacht der Premier League bislang allerdings nicht im gleichen Maß niedergeschlagen. Von den vergangenen zehn Champions-League-Siegern kamen lediglich drei aus England. Topstars wie Dembélé oder Mbappé sind nicht in der Premier League gelandet. Andere wie Bellingham oder Kane entschieden sich für den Wechsel auf den Kontinent. Auch weil sie dort, so Berger, "gemerkt hätten, dass sie fußballerisch noch mal einen Schritt nach vorne machen" könnten.
Auch bei Erling Haaland sieht Berger das so: "Ich würde fast meine Hand dafür ins Feuer legen, dass er bis zum Ende seiner Karriere noch mal bei Real Madrid spielen wird." Das würde dann wohl nicht nur sportliche Gründe haben. Die vier umsatzstärksten Vereine Europas kommen nicht aus England, sondern aus Madrid, Barcelona, München und Paris.