Klimapolitik im Wahlkampf: Wähler wollen oft mehr Klimaschutz

Analyse

Klimapolitik im Wahlkampf:Wähler wollen oft mehr Klimaschutz

von J. Brase, E. Miebach und N. Niedermeier

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Die meisten Wähler erwarten mehr Einsatz für den Klimaschutz von den Parteien, die sie wählen. Das zeigt eine Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von ZDF frontal.

Windräder im Wald

Man müsse sich "unbedingt darum kümmern", denn Klima gehe durch "Verschweigen ja nicht weg", so der Klimaforscher Professor Niklas Höhne über das Thema Klima im Wahlkampf.

19.02.2025 | 4:49 min

Die meisten Menschen wünschen sich von den Parteien, die sie wählen möchten, mehr Einsatz für Klimaschutz - Ausnahme sind die Anhänger der AfD. Das zeigt eine aktuelle Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag von ZDF frontal.

Forscherin: "Menschen wollen mehr Klimaschutz"

Demnach ist unter SPD-Anhängern die Erwartung an mehr Einsatz für Klimaschutz am höchsten, gefolgt von den Wählerinnen und Wählern der Parteien die Grünen und die Linke. Bei der Union wünscht sich noch jeder zweite Wähler, dass die Partei mehr für den Klimaschutz tut. Die Partei mache bereits genug, finden 40 Prozent - bei SPD, Grünen und der Linken sieht das nur etwa jeder Dritte so.

Nur unter den AfD-Anhängern findet eine Mehrheit (59 Prozent), dass sich die Partei gerade richtig für den Klimaschutz einsetzt.

Sollten sich Parteien für Klimaschutz einsetzen?

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Stamm: Klima-Thema unattraktiv im Wahlkampf

Trotz Grundkonsens könnten die Parteien beim Thema Klimawandel "keine Wähler gewinnen", erklärt ZDF-Umweltexperte Stamm. Deswegen halte man das Thema eher aus dem Wahlkampf raus.

11.02.2025 | 2:06 min

Die Psychologin Cornelia Betsch forscht an der Universität Erfurt dazu, wie die Bevölkerung Klimaschutzmaßnahmen und Klimapolitik akzeptiert. Die Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen passe zu den Ergebnissen ihrer Forschung und auch zu denen anderer internationaler Studien, sagt Betsch gegenüber ZDF frontal:

Die Ergebnisse zeigen uns, und das sehen wir auch in vielen anderen Studien, dass Menschen eigentlich mehr Klimaschutz wollen, als sie bei ihren bevorzugten Parteien sehen.

Prof. Cornelia Betsch, Psychologin, Universität Erfurt

Außerdem sei bei der aktuellen Befragung der Forschungsgruppe Wahlen auffällig, "dass kaum einer sagt, ich möchte weniger Klimaschutz," so Betsch. Der Anteil derer, die weniger Klimaschutz wollen, ist laut der Umfrage tatsächlich sehr klein: Bei der Union sind es gerade mal 6, bei der AfD 7 und bei den anderen Parteien wünschen sich 0 Prozent der Wählerinnen und Wähler weniger Engagement für Klimaschutz.

Salwa Houmsi steht mit ihren sechs Gästen auf dem 13-Fragen-Spielfeld.

Was können wir als Individuen gegen die globale Erwärmung tun? 13 Fragen zum Thema Klimaschutz

27.11.2024 | 34:24 min

Mit einem Team aus verschiedenen Forschungsbereichen erhebt Cornelia Betsch im Rahmen der sogenannten PACE-Studie regelmäßig die Bereitschaft der Bevölkerung, gegen den Klimawandel vorzugehen. In der jüngsten Erhebung Ende Oktober 2024 wurden die Teilnehmenden auch zur Klimapolitik der Regierung befragt. Im Ergebnis zeigte sich: Die Befragten wünschen sich von der Regierung, mehr für Klimaschutz zu unternehmen als bisher. Für eine künftige Regierung war diese Erwartung sogar noch größer.

Diskussion um Heizungsgesetz hat geschadet

Doch im Wahlkampf spielt das Thema kaum eine Rolle. Das dürfte auch an der Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz liegen, die habe der ganzen Debatte um Klimaschutz geschadet, sagt Psychologin Betsch. Für die Akzeptanz von Klimapolitik sei wichtig: "Der Nutzen für sich und die Gesellschaft, dass es fair ist, und auch, dass es effektiv ist."

Klima

Was hat die Ampel-Koalition in der Klimapolitik geleistet? Der Expertenrat für Klimafragen stellt sein Zweijahresgutachten vor.

05.02.2025 | 2:19 min

Werden diese Faktoren berücksichtigt, ist bei der Diskussion um das Heizungsgesetz einiges schiefgelaufen. Der Kommunikationswissenschaftler Pablo Jost hat die mediale Debatte um das Gesetz untersucht. Insbesondere in Boulevardmedien, allen voran in der "Bild"-Zeitung, seien die meisten verkürzten und emotionalen Darstellungen zu dem Gesetz zu finden.

Das heißt, es wird eben behauptet, dass Heizungen ausgebaut werden müssen und das Wirtschaftsministerium quasi in Person von Robert Habeck die Heizungen aus dem Keller entfernen wird.

Prof. Pablo Jost, Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft, HMTMH

Die Debatte habe zu einem bleibenden Imageschaden für das Wirtschaftsministerium und den Wirtschaftsminister geführt, sagt Jost. Das würden auch andere Parteien sehen und entsprechend in ihrer Kommunikation berücksichtigen.

Prof. Dennis Eversberg | Umweltsoziologe

"Wie muss ein Klimaschutz eigentlich aussehen, der für die Breite der Leute eine Verbesserung an Lebensqualität bedeutet", fragt der Umweltsoziologe Prof. Dennis Eversberg.

05.02.2025 | 5:47 min

Klima und Energie nur noch auf Platz 3 der wichtigsten Themen

Tatsächlich ist das Thema Energieversorgung und Klimaschutz seither im dauerhaften Sinkflug in der öffentlichen Diskussion. Das zeigt jedenfalls die Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen zu den wichtigsten Problemen in Deutschland. Bei dieser Frage werden die Teilnehmenden offen gefragt, welche Probleme aus ihrer Sicht derzeit am wichtigsten sind - dabei dürfen sie nur zwei Dinge angeben. Bei der Auswertung werden die Antworten dann Kategorien zugeordnet.

Der Themenbereich "Energie, Versorgung, Klima" rutschte bei der Befragung seit der Bundestagswahl 2021 vom wichtigsten Thema ab zum drittwichtigsten Thema nach der "Wirtschaftslage" und der Kategorie "Ausländer, Integration, Migration".

Wahrgenommene Probleme

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Klimawandel bleibt Dauerthema - auch nach der Wahl

Woher kommt also der Gegensatz zwischen deutlich geringerer Aufmerksamkeit für das Thema als noch im letzten Wahlkampf und zugleich die weiterhin hohe Erwartungen an die Politik, noch mehr für den Klimaschutz zu unternehmen als bisher? Cornelia Betsch sieht hier auch die Medien in der Verantwortung: "Wenn Fragen nicht gestellt werden, werden sie auch nicht beantwortet", sagt sie mit Blick etwa auf die Wahlsendungen.

Die hohe Handlungsbereitschaft hingegen begründe sich in den zunehmend spürbaren Folgen der Klimakrise in Deutschland. "Was wir sehen, ist, dass 17 Prozent sagen, dass sie schon mal Lebensentscheidungen anders getroffen haben aufgrund von Klimawandelfolgen, und das ist nicht wenig. Also es kann ein Hochwasser sein oder eine Hitzesituation."

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Jenseits der Aufmerksamkeit im Wahlkampf wird das Thema nach der Wahl wieder kommen, davon geht Hans-Martin Hennig aus, Vorsitzender des Expertenrats für Klimafragen der Bundesregierung:

Der Klimawandel schert sich jetzt wenig darum, was gerade in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht. Und wir werden wieder Extremwerteereignisse haben.

Prof. Hans-Martin Hennig, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Der Expertenrat sieht für die kommende Regierung dringenden Handlungsbedarf besonders in den Bereichen Verkehr und Gebäude - also auch beim Gebäudeenergiegesetz.

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Quelle: dpa

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