Westjordanland: Palästinensische Ernte im Schatten der Angst

Siedlergewalt im Westjordanland:"Sie jagen uns": Olivenernte im Schatten der Angst

Thomas Reichart

von Thomas Reichart

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Nach dem Anschlag bei Hebron vertreibt Israels Armee Palästinenser im Westjordanland - kurz vor der Wahl. Wie gefährlich dort selbst die Olivenernte ist, erlebt das ZDF vor Ort.

Ein Palästinenser räumt am 24. Oktober 2026 Trümmer vor einem Geschäft weg, das von der israelischen Armee am nördlichen Kontrollpunkt in der besetzten Westjordanland-Stadt Hebron abgerissen wurde.

Im Raum Hebron werden wohl Hunderte palästinensische Familien vertrieben. Die Autonomiebehörde nennt die Maßnahmen eine Kollektivstrafe, die nur weitere Spannungen schürt.

24.10.2026 | 1:33 min

Seit Freitag sind Hebron und das benachbarte Halhul im Westjordanland abgeriegelt. Rund 2.000 Palästinenser seien vertrieben worden, erklärte Israels Verteidigungsminister Israel Katz. "Sie dürfen erst dann in ihr Viertel zurückkehren, wenn wir alle Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst haben", so Katz.

Zwei Palästinenser hatten am Morgen dieses Freitags bei einem Angriff auf einen Kontrollpunkt nordwestlich von Hebron zwei israelische Soldaten getötet und drei weitere verletzt. Die Täter wurden nach einem etwa 20-minütigen Feuergefecht erschossen.

Netanjahu will mehr Siedlungen im Westjordanland

Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte noch am Tatort den größten Militäreinsatz im Westjordanland seit 1967 an - und mehr Siedlungen:

Wir werden die Infrastruktur des Terrors zerstören und die Infrastruktur der Besiedlung aufbauen.

Benjamin Netanjahu, Premierminister Israel

Über hundert neue Siedlungen und Farmen würden legalisiert. Einen Tag später gab der Siedlerrat der südlichen Hebron-Berge acht neue Siedlungspunkte bekannt, einen davon nahe dem Tatort. Netanjahu und sein Block zielen bei der anstehenden Wahl am Dienstag auf Stimmen aus dem Siedlerlager.

Israel baut Wohneinheiten in einer Siedlung im Westjordanland

Israel plant im sogenannten E1-Gebiet mehr als 1.200 Wohneinheiten. Das Vorhaben stößt auf scharfe Kritik. Großbritannien fordert einen umgehenden Stopp des Vorhabens.

20.08.2026 | 0:27 min

Härte gegen die Palästinenser, Entgegenkommen für die Siedler - und das in einer Lage, die gerade wegen der Siedlergewalt angespannt ist. Es ist die Zeit der Olivenernte im Westjordanland. Ein Moment, der für Palästinenser sehr wichtig ist. Und der in den letzten Jahren immer gefährlicher wurde.

Das UN-Nothilfebüro Ocha zählte bis Mitte Oktober 199 Siedlerangriffe im Zusammenhang mit der Olivenernte, mehr als in der ganzen Erntesaison 2025. Insgesamt kommt Ocha für dieses Jahr auf mehr als 2.000 Angriffe gegen Palästinenser mit Verletzten oder Sachschaden.

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Die Abriegelung des Westjordanlands ist eine "extreme Einschränkung der Lebensqualität der Palästinenser und zeigt, dass die israelische Seite extrem nervös ist", so Nahost-Experte Daniel Gerlach.

23.10.2026 | 4:18 min

Olivenernte in Deir Istiya unter Drohungen

Wie groß die Angst auf Seiten der Palästinenser inzwischen ist, können wir selbst bei einem Dreh vor einer Woche im Westjordanland erleben. Ein enger Feldweg führte steil hinab zu den Olivenbäumen von Deir Istiya, wo die Männer des Dorfes Oliven ernten - angespannt und sorgenvoll. "Sie jagen uns", sagte Nazmi Abu Ali. "Ich möchte nicht, dass sie jemanden erwischen."

westjordanland

Im Dorf Dayr Jarir berichten Bewohner von Angriffen durch israelische Siedler. Während die Regierung von Einzelfällen spricht, dokumentieren UN-Zahlen so viele Übergriffe wie nie zuvor.

16.07.2026 | 2:28 min

Er meint die israelischen Siedler, die auf dem gegenüberliegenden Hügel Wohncontainer aufgestellt haben. Die sogenannten Outposts der Siedler sind ein erster Schritt bei der illegalen Landnahme. Und sie sind oft Ausgangspunkt für brutale Angriffe.

Plötzlich steht vor uns ein weißer Geländewagen. Ein Siedler filmt uns mit seinem Smartphone. Die Geste: einschüchternd, drohend. Die Erntenden im Olivenhain kennen das. Sie arbeiten geübt und schnell, als hätten sie nicht viel Zeit.

Wir ernten wie Diebe.

Nazmi Abu Ali

Einige Israelis unterstützen die Palästinenser an diesem Tag. "Es hilft manchmal, wenn wir mit anwesend sind und so eine Art Pufferzone darstellen", sagte Helga Biermanns, Deutsch-Israelin aus Jerusalem.

Israels Armee verlangt Abzug des Filmteams

Nach einer knappen Stunde bei den Erntenden ein Anruf: Israels Armee verlangt, dass wir den Olivenhain sofort verlassen. Es sei militärisches Sperrgebiet - auch für internationale Medien.

"Wir sichern die Palästinenser gegen die israelischen Siedler, wenn es ein Problem gibt. Und wir wissen, dass es manchmal Probleme gibt", sagte einer der Soldaten zu uns. Aber Journalisten könnten nicht hier sein. Wie mit dieser Maßnahme die Palästinenser geschützt werden sollen, können die Soldaten uns nicht erklären.

Die Angriffe der Siedler gehen derweil auch an diesem Wochenende weiter - unter anderem auf Olivenpflücker bei Jerusalem. Und - trotz Abriegelung durch die Armee - auf palästinensische Bauern bei Hebron.

Thomas Reichart ist Leiter des ZDF-Auslandsstudios Tel Aviv.

Über das Thema berichtete das ZDF mehrfach, zuletzt am 24.10.2026 in den heute Nachrichten ab 19 Uhr.

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