Wahl in Israel: Ex-Ministerpräsident Olmert setzt auf Eisenkot

Interview

Wahl in Israel:Ex-Ministerpräsident: Netanjahu kann keine Regierung bilden

|

Ehud Olmert glaubt nicht, dass Netanjahu in der Knesset eine Mehrheit findet. Die Opposition um Eisenkot solle sich daher mit den arabischen Parteien zusammenschließen.

Ehud Olmert im Gespräch mit Christian Sievers

"Ich bin mir sicher, die arabischen Parteien sind dazu bereit, wenn gesagt wird: Kommt doch zu uns und seid Teil der israelischen Regierung", so Ehud Olmert.

28.10.2026 | 4:00 min

Wer regiert Israel zukünftig? Diese Frage ist auch am Tag nach der Wahl eines neuen Parlaments, bei der Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Herausforderer Gadi Eisenkot derzeit beinahe gleichauf liegen, völlig offen. Beide signalisierten am Dienstagabend Bereitschaft, eine Regierung zu bilden.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Olmert - ein starker Kritiker der Netanjahu-Regierung - ist sich im Gespräch mit heute journal-Moderator Christian Sievers sicher:

Netanjahu hat eine bedeutsame Menge an Unterstützung in seinem Bündnis verloren und er wird nicht in der Lage sein, eine Regierung zu bilden unter den aktuellen Umständen.

Ehud Olmert, Ex-Ministerpräsident Israels

Das starke Abschneiden der arabischen Parteien - sie könnten Stand jetzt 19 der 120 Sitze in der Knesset erreichen - nennt Olmert einen "unglaublichen historischen Erfolg", das sei "wirklich bedeutsam".

Thomas Reichart im Gespräch mit Christian Sievers

Für viele in Israel sei es gerade eine paradoxe Situation, sagt ZDF-Korrespondent Thomas Reichart: Netanjahu sei eigentlich abgewählt, erstmal bleibe er aber an der Macht.

28.10.2026 | 3:11 min

Olmert: Arabische Parteien bereit zur Zusammenarbeit

Sollte sich Eisenkots Lager mit den arabischen Parteien zusammentun, könnte es eine Mehrheit in der Knesset erreichen. "Ich hoffe, das wird der Fall sein, aber ich habe ja nicht das Sagen", so Olmert. "Das ist die Hauptfrage, ob sie [die Oppositionsparteien] den Mut haben werden und auch die Führungsqualitäten haben werden, um zuzugehen auf die arabischen Parteien."

28.10.2026, Israel, Jerusalem: Der israelische Ministerpräsident und Vorsitzende der Likud-Partei, Benjamin Netanjahu (M), spricht nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der Wählerbefragungen zur israelischen Parlamentswahl zu seinen Anhängern bei der Wahlnachtveranstaltung der Likud-Partei im Internationalen Kongresszentrum in der Teddy Hall.

Nach der Parlamentswahl in Israel dürfte sich die Regierungsbildung schwierig gestalten. Eine Gruppe könnte besonders wichtig werden, damit eine Mehrheit zustande kommt.

28.10.2026 | 0:58 min

Er sei sich sicher, dass die arabischen Parteien bereit seien, sich an der Regierung zu beteiligen. Eisenkot selbst hat sich zu der Frage am Mittwoch nicht geäußert.

Auch Neuwahlen in Israel sind denkbar, wenn sich die Parteien nicht einigen können. "Aber ich denke, das wäre nicht gut für das Land und das wäre sicherlich auch nicht gut für das Oppositionsbündnis", sagt Olmert. Deshalb müsse es sich zu einer Entscheidung durchringen.

Wollen sie in den nächsten Wahlen untergehen oder wollen sie das tun, was sie gesagt haben, nämlich die Regierung ändern (...) und Israel in eine andere Richtung als die von Netanjahu führen?

Ehud Olmert

Was plant Netanjahu, solange er noch im Amt ist?

Von vielen Israelis auf den Straßen höre man auch, dass noch eine Überraschung möglich sei, solange Netanjahu noch im Amt ist, berichtet Christian Sievers aus Tel Aviv.

Eine Wahlveranstaltung mit Gadi Eisenkot

Nach der Wahl haben weder das Lager um Regierungschef Netanjahu noch seine Gegner um Gadi Eisenkot eine Mehrheit. Es ist unklar, ob einer von beiden eine Koalition formen kann.

28.10.2026 | 2:49 min

"Alles ist möglich", entgegnet Olmert. Etwa, dass Netanjahu Iran angreife, "um dann nochmal die Waage aus dem Gleichgewicht zu bringen und für Panik und Angst zu sorgen".

Dieses Paar aus [Donald] Trump und Netanjahu kann viele Dinge machen, die keinen Sinn ergeben und unerwartet sind.

Ehud Olmert

Olmert führte die israelische Regierung von 2006 bis 2009 und trat nach Korruptionsermittlungen zurück. Er bekleidet heute kein offizielles Amt. Der 81-Jährige zählt zu den schärfsten außerparlamentarischen Kritikern der Regierung von Netanjahu.

Zusammengefasst von Marie Ahlers.

Aktuelle Informationen und Entwicklungen rund um die Wahl in Israel lesen Sie in unserem Liveblog:

Quelle: Mit Material von dpa
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 28.10.2026 ab 21:45 Uhr.

Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen

Jetzt aktivierenMehr erfahren

Mehr zur Wahl in Israel

  1. Anhänger des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu reagieren auf die Veröffentlichung der ersten Ergebnisse der Wählerbefragungen zur israelischen Parlamentswahl
    FAQ

    Zwischen Koalition und Neuwahl:Nach Israel-Wahl: Welche Szenarien sind jetzt denkbar?

    mit Video2:49

  2. Parlamentswahl in Israel

    Pattsituation deutet sich an:Knappe Wahl in Israel - Netanjahu und Eisenkot äußern sich

    mit Video1:37

  3. An einer Hauptstraße steht im Vorfeld der Parlamentswahlen eine Wahlplakatwand, auf der der israelische Ministerpräsident Netanjahu (l) und der Vorsitzende der Jaschar-Partei, Eisenkot, abgebildet sind.

    Netanjahu gegen Herausforderer Eisenkot:Israel: Schicksalswahl in einem gespaltenen Land

    von Thomas Reichart
    mit Video1:43