Israelische Angriffe: Rutscht der Libanon tiefer in die Krise?

Interview

Israel greift Hisbollah an:Waffenruhe bröckelt: Rutscht das Land tiefer in die Krise?

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Israel greift trotz Waffenruhe Ziele im Libanon an. Wie sich das auf Politik und Gesellschaft auswirkt, erklärt Kristian Brakel von der Heinrich-Böll-Stiftung bei ZDFheute live.

Zu sehen ist eine Straße und besonders zwei Gebäude mit großen libanesischen Flaggen, die einen Großteil der Gebäude-Fronten verdecken.

Im Libanon droht der brüchige Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah zu eskalieren. Was dahintersteckt, analysiert ZDFheute live.

30.11.2025 | 8:38 min

Seit mehr als einem Jahr herrscht zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah ein Waffenstillstand - doch der ist brüchig. So greift das israelische Militär immer wieder Ziele im Nachbarland an. Dabei wurden im vergangenen Jahr laut offiziellen Zahlen der UN mindestens 127 Zivilisten getötet.

Die Angriffe treffen das Land inmitten einer politischen und gesellschaftlichen Krise. Wie sich das auf den Libanon und seine Bevölkerung auswirkt, erklärt Kristian Brakel ZDFheute live. Er leitet das Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut und unterstützt dort demokratiefördernde Projekte.

Sehen Sie das ganze Interview oben oder lesen Sie es hier in Auszügen.

Das sagt Kristian Brakel von der Heinrich-Böll-Stiftung in Beirut zu der Frage…

… ob ein neuer Krieg im Libanon droht

Israel begründe seine anhaltenden Angriffe damit, dass sich die Hisbollah nicht an die vereinbarten Bedingungen für eine Waffenruhe halte, erklärt Brakel. Teil dieser Waffenstillstandsvereinbarung vom letzten Jahr sei es, dass sich die Hisbollah südlich des Litani-Flusses zurückziehe und dass dort die libanesische Armee die Kontrolle übernimmt. Zentraler Punkt der Abmachung sei außerdem die Entwaffnung der Hisbollah. Israelischen Angaben zufolge rüste die Terrormiliz aber auf, so der Experte.

Die Angriffe sind Wasser auf den Mühlen der Hisbollah.

Kristian Brakel, Heinrich-Böll-Stiftung Beirut

Sie legten offen, dass der Staat das Land nicht alleine verteidigen kann. Die Hisbollah könne sich so als "letztes Bollwerk" inszenieren.

Es gäbe viele Gerüchte um eine erneute Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der Terrormiliz. So rechnen im Libanon viele damit, dass Israels Armee die Angriffe um die Weihnachtsfeiertage herum intensivieren wird. Das sei in der Vergangenheit bereits geschehen, berichtet Brakel. Er gibt zu bedenken, dass es für Israel aber auch von Vorteil sein könnte, "knapp unter einer Eskalationsschwelle" zu agieren.

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… wie groß der Einfluss der Hisbollah ist

Die Hisbollah setze sich aus einer militärischen Gruppierung und einer Partei zusammen, die im libanesischen Parlament vertreten ist, so Brakel. So habe die Organisation den Staat in vielen Gebieten ersetzt:

Die Hisbollah ist sehr stark verankert.

Kristian Brakel, Heinrich-Böll-Stiftung Beirut

Dies geschehe unter anderem durch soziale Einrichtungen und Krankenhäuser. Zudem sei die Hisbollah in einigen Regionen einer der Hauptarbeitgeber. Auf diese Weise habe sich die Organisation nicht nur als Staatsmacht durchgesetzt, sondern auch als Dienstleister. Möglich sei das, weil der libanesische Staat schwach sei, so Brakel.

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… wie die Menschen im libanesischen Staat leben

Der Libanon werde von Eliten geführt, "die den Staat (…) unter sich aufgeteilt haben". Viele staatliche Dienstleistungen wurden deshalb privatisiert, erläutert Brakel.

Der Staat ist dysfunktional.

Kristian Brakel, Heinrich-Böll-Stiftung Beirut

Zu beobachten seien die gesellschaftlichen Unterschiede unter anderem bei der Stromversorgung. Nur die Menschen, die es sich leisten können, private und teure Generatoren zu nutzen, können sich auf eine dauerhafte Stromversorgung verlassen.

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… was der Besuch von Papst Leo bewirken kann

Der Besuch von Papst Leo XIV. diene vor allem einem politischen Zweck.

Man hofft, dass die Konfrontation mit Israel noch abgewendet werden kann.

Kristian Brakel, Heinrich-Böll-Stiftung Beirut

Zum einen wolle man ein Zeichen des Friedens setzen. Zum anderen ginge es darum, der christlichen Gemeinschaft im Libanon Rückhalt aus dem Vatikan zu signalisieren.

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Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi. Zusammengefasst hat es ZDF-Redakteurin Merit Tschurer.

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