Leo XIV. in der Türkei: Papst verzichtet auf Gebet in Moschee

Leo XIV. in der Türkei:Papst verzichtet auf Gebet in Blauer Moschee

Porträt Jürgen Erbacher

von Jürgen Erbacher

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Beim Besuch in der Blauen Moschee in Istanbul hat Papst Leo XIV. anders als seine Vorgänger nicht gebetet. Für 2033 schlägt er ein großes Kirchentreffen in Jerusalem vor.

Istanbul, 29.11.2025: Papst Leo XIV besucht die Sultan-Ahmed-Moschee, begleitet von Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy und weiteren Moscheevertretern.

Papst Leo XIV besucht die Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul, begleitet von Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy und weiteren Moscheevertretern.

Quelle: ddp

Es herrschte Unruhe unter den anwesenden Journalisten. Hat Leo XIV. beim Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul gebetet oder nicht? Der Vatikan hatte einen Moment des Gebets angekündigt. Doch Leo XIV. verzichtete darauf. Muezzin Askin Musa Tunca hatte den Papst durch das Gebäude geführt und erklärte im Anschluss, der Papst habe auf seine Einladung zu Fragen oder einem Moment des Gebets geantwortet: Er wolle die Moschee sehen und die Atmosphäre des Ortes spüren.

Der Vatikan verlautet später, Leo XIV. habe den Besuch in Stille, Andacht und Zuhören verbracht, "mit tiefem Respekt vor dem Ort und dem Glauben derer, die sich dort zum Gebet versammelten".

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Vorgänger hatten in Moschee gebetet

Seine beiden Vorgänger Franziskus und Benedikt XVI. hatten bei ihren Besuchen in der Blauen Moschee in Istanbul gebetet. Das wurde seinerzeit als positives Zeichen des interreligiösen Miteinanders gedeutet. Warum Leo auf ein Gebet verzichtete, wird er spätestens bei der Pressekonferenz im Flugzeug am kommenden Dienstag auf dem Weg zurück nach Rom erklären können.

Der Muezzin hat das Verhalten des Papstes nicht als Affront aufgefasst. Er sei sehr interessiert gewesen an dem Ort, so Askin Musa Tunca.

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Papst fordert "Geschwisterlichkeit" unter den Menschen

Dass dem Kirchenoberhaupt das Miteinander der Religionen wichtig ist, hat er während seines Besuchs in der Türkei bereits mehrfach betont. Bei der Gedenkfeier zu 1.700 Jahre Konzil von Nizäa am Freitagnachmittag in Iznik erklärte er, dass die Suche nach der Einheit unter den Christen immer "mit dem Streben nach Geschwisterlichkeit unter allen Menschen" einhergehen müsse. "Es gibt eine universale Geschwisterlichkeit unabhängig von Ethnie, Nationalität, Religion oder Meinung", sagte Leo XIV.

Bei dem Gottesdienst in Iznik waren Vertreter vieler Kirchen aus der Tradition der Orthodoxie und des Protestantismus vertreten. Der Ökumenische Patriarch und Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Bartholomäus I., hatte zum Gedenken geladen. Er sprach von einer "heiligen Erinnerungsfeier", die aber nicht nur zurückblicken wolle, sondern Kraft geben für den künftigen Weg.

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Papst für mehr Ökumene und Treffen der Kirchen in Jerusalem

Auch Papst Leo XIV. sieht in der Rückbesinnung auf das gemeinsame Erbe eine Chance, das nach seinen Worten "Ärgernis der leider noch bestehenden Spaltungen" unter den Christen zu überwinden. Am Samstagmorgen trafen sich die Kirchenführer in Istanbul noch einmal hinter verschlossenen Türen, um über den Stand und die Zukunft der Ökumene, des Dialogs untereinander und der Suche nach Einheit zu sprechen.

Laut Vatikan habe der Papst bei der Begegnung daran erinnert, dass die Spaltung unter den Christen ein Hindernis für ihr Zeugnis in der Welt sei. Und er habe die Idee ins Spiel gebracht, dass sich die christlichen Kirchen gemeinsam auf das "Jubiläum der Erlösung" im Jahr 2033 vorbereiten könnten - dem 2000. Todesjahr von Jesus - "in der Perspektive einer Rückkehr nach Jerusalem, in den Abendmahlssaal". Sprich ein großes Treffen der christlichen Kirchen an dem Ort, an dem alles begann. In der Hoffnung, dass die Kirchen auf dem Weg der Einheit bis dahin entscheidende Schritte vorankommen.

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Unsicher bei offiziellen Terminen - gelöst bei Gläubigen

In den ersten Tagen der ersten Auslandsreise fällt auf, dass Leo XIV. bei offiziellen Terminen eher zurückhaltend bis unsicher wirkt. Das könnte sein Verhalten am Morgen in der Moschee erklären. Bei Terminen mit Gläubigen hingegen wirkt er gelöst und oft bewegt.

Selbst wenn kleine Mengen ihn mit Sprechchören begrüßen, wirkt er gerührt, den Tränen nahe wie am Freitag bei einer Begegnung mit lokalen Mitarbeitenden in der Seelsorge in der Heilig-Geist-Kathedrale von Istanbul. Bei den offiziellen Terminen in Politik, Ökumene oder interreligiösem Dialog, muss er offenbar seine Rolle erst noch finden.

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion Religion und Leben.

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