Warum Bewegung zur Therapie gehört:So hilft regelmäßiger Sport bei Krebs
von Corinna Klee
Sportliche Aktivität während der Krebserkrankung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie hilft, körperliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und Nebenwirkungen zu lindern.
Roland Pickhan erhielt die Diagnose Magenkrebs. Während seiner gesamten Krebstherapie ist er sportlich aktiv geblieben. Wie ihm Bewegung und Sport geholfen haben.
14.09.2026 | 5:14 minDie Diagnose Krebs verändert das Leben und den Alltag der Betroffenen: Operation, Chemotherapie und Bestrahlung können den Körper stark belasten. Müdigkeit, Schwäche, Schmerzen und eine eingeschränkte Belastbarkeit sind mögliche Folgen.
Zahlreiche Studien belegen inzwischen die positiven Effekte von Bewegung und Sport während und nach der Krebstherapie. Gezieltes Training kann helfen, Nebenwirkungen zu lindern, Komplikationen vorzubeugen und das eigene Wohlbefinden zu verbessern.
Wie Bewegung und Sport bei Krebs wirkt
Regelmäßiges Training verbessert Muskelkraft, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität und kann Beschwerden wie Fatigue, depressive Verstimmungen und Schlafprobleme lindern. Auch therapiebedingtem Muskelabbau wirkt Bewegung entgegen.
Viele Krebspatienten leiden unter Gehirnnebel mit Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Wie kommt es zu diesem Brain Fog?
09.12.2025 | 5:25 minZudem gibt sie Patienten das Gefühl, selbst aktiv zur Behandlung beizutragen - mit positiven Effekten auf die Psyche, erklärt Joachim Wiskemann, Sportwissenschaftler am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg.
Patienten, die während einer Krebstherapie Sport treiben, sind optimistischer und weniger depressiv und ängstlich.
Prof. Dr. Joachim Wiskemann, Sportwissenschaftler
Eine individuell angepasste Sporttherapie könne außerdem helfen, die Behandlung besser zu vertragen. Auch die Überlebenschancen könnten sich verbessern, so Wiskemann.
Welches Training bei Krebs sinnvoll ist
Krebspatienten können spezielle Angebote wie Reha-Sport oder onkologische Trainingsprogramme nutzen. Fachleute aus Sportmedizin, Physiotherapie oder onkologischer Rehabilitation passen dabei die Übungen an die Erkrankung, Behandlung und individuelle Belastbarkeit an.
Welche Vorteile Krafttraining hat und wie man richtig trainiert.
10.08.2026 | 5:16 minHäufig werden Kraft- und Ausdauertraining kombiniert. Ergänzend helfen Dehnen und Mobilisieren dabei, Beweglichkeit und Stabilität zurückzugewinnen. Besonders das Krafttraining spielt eine wichtige Rolle, erklärt Wiskemann. Denn viele Patienten starten bereits mit eingeschränkter körperlicher Leistungsfähigkeit in die Krebstherapie.
Es ist wichtig, zunächst Muskeln aufzubauen und den Körper wieder belastbarer zu machen.
Prof. Dr. Joachim Wiskemann, NCT Heidelberg
Als Ausdauertraining eignen sich Walking, Nordic Walking oder Radfahren. Auch Schwimmen ist möglich, sofern keine Infektionsgefahr durch ein geschwächtes Immunsystem besteht.
So finden Krebspatienten ein passendes Sportangebot
Der Hausarzt oder Onkologe kann Rehabilitationssport verordnen. Auf der Verordnung wird festgehalten, warum der Sport medizinisch notwendig ist und welches Ziel er hat. Häufig sind zunächst 50 Einheiten über 18 Monate vorgesehen.
Während einer stationären oder ambulanten onkologischen Rehabilitation wird Bewegung und Sport direkt in den Therapieplan eingebaut.
Für Krebspatienten gibt es Angebote wie die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie (OTT). Hier erfolgt vor Beginn eine sportwissenschaftliche Diagnostik, auf deren Grundlage ein individuelles Trainingsprogramm erstellt wird.
Sport bei verschiedenen Krebsarten
Bei Brustkrebs kann gezielte Bewegung nach einer Operation die Schulterbeweglichkeit verbessern und den Lymphabfluss unterstützen. Sanfte Armbewegungen sowie das Öffnen und Schließen der Hände können dabei helfen.
Bei Prostatakrebs können gezielte Übungen den Beckenboden stärken und Folgen wie Harninkontinenz nach einer Operation lindern.
Wie Sport und regelmäßige Bewegung bei einer Krebserkrankung die Lebenqualität der Betroffenen beeinflusst.
26.08.2026 | 3:04 minNach einer Magen- oder Darmkrebsoperation muss zunächst die Wundheilung berücksichtigt werden. Auch mit einem Stoma, einem künstlichen Darmausgang, ist Sport grundsätzlich möglich. Die Belastung sollte langsam gesteigert und das Stoma geschützt werden.
Bei Lungenkrebs können Kraft- und Ausdauertraining sowie Atemübungen die körperliche Belastbarkeit und Atmung unterstützen.
Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland leben mit den Folgen einer Krebserkrankung. Für viele beginnt nach der Therapie eine neue Belastung - geprägt von der Angst vor einem Rückfall.
02.07.2026 | 4:35 minAuch bei Langzeitfolgen der Krebsbehandlung gibt es spezielle Angebote. Koordinations- und Gleichgewichtsübungen bei Polyneuropathie, Bewegungstherapie bei Lymphödem sowie individuell dosiertes Kraft- und Ausdauertraining bei Fatigue.
Bevor Krebspatienten mit einem Trainingsprogramm beginnen oder die Belastung steigern, sollten sie mit ihrem behandelnden Arzt klären, was aktuell möglich ist. So kann sich zum Beispiel während einer Chemo- oder Strahlentherapie die körperliche Belastbarkeit verändern.
Bei Fieber, akuten Infektionen, Schwindel, Kreislaufproblemen, starken Schmerzen oder Blutungen sollte das Training pausieren. Auch Veränderungen des Blutbildes können eine Trainingspause notwendig machen, etwa wenn die Zahl der weißen Blutkörperchen oder Blutplättchen stark vermindert ist.
Grundsätzlich gilt: An manchen Tagen kann Bewegung guttun, an anderen braucht der Körper vor allem Erholung. Intensität und Umfang sollten deshalb immer an die aktuelle Situation angepasst werden.
Wie Ärzte bei Krebspatienten versuchen, schädliche Nebenwirkungen von Medikamenten auf das Herz frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.
31.03.2025 | 5:09 minVon Anfang an körperlich aktiv sein
Sport kann eine Krebsbehandlung sinnvoll ergänzen. Wer fit und gestärkt in eine Operation oder Therapie startet, hat bessere Voraussetzungen, die Belastungen und Folgen zu verkraften. Auch die Erholung gelingt besser.
Je früher man nach einer Krebsdiagnose mit dem Sport beginnt, desto besser.
Prof. Dr. Joachim Wiskemann, Sportwissenschaftler
Es sei aber nie zu spät, mit Sport anzufangen, sagt der Sportwissenschaftler. Körperliche Aktivität helfe auch dabei, wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen. Idealerweise bleibt sie auch nach der Therapie ein fester Bestandteil des Alltags.
- Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
- Deutsche Krebshilfe
- Broschüre Bewegung und Sport bei Krebs der Deutschen Krebshilfe und Deutschen Krebsgesellschaft
- Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg
- Broschüre Sport, Bewegung und Krebs des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen
- S3-Leitlinie, Leitlinienprogramm Onkologie
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