Krebs-Nachsorge: Welche Hilfe es bei Angst und Depressionen gibt

Krebs und psychische Folgen:Leben nach dem Krebs: Wenn die Angst bleibt

von Juliane Kussmann

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Der Krebs ist besiegt und doch ist nicht alles vorbei: Viele Überlebende kämpfen nach der Therapie mit Ängsten. Was ihnen in dieser Zeit hilft und warum es wenig Nachsorge gibt.

Frau nach einer Krebserkrankung kuschelt mit ihrem Hund.

Den Brustkrebs hat Daniela besiegt. Doch ausgerechnet als die Therapie zu Ende ist, kommen Panikattacken und die Angst, dass der Krebs zurückkehrt.

02.07.2026 | 4:35 min

In Deutschland leben knapp fünf Millionen Menschen, die die Diagnose Krebs erhalten haben. Zwei Drittel davon haben die Krankheit langfristig überstanden. Doch viele Betroffene kennen das: Wenn der Krebs besiegt ist, beginnen neue Belastungen, vor allem die Sorge, dass er zurückkommen könnte.


Warum die Psyche oft erst nach der Krebstherapie leidet

Während der Behandlung steht für viele Betroffene das Überleben im Vordergrund. Erst danach wird ihnen bewusst, was sie durchgemacht haben. Die engmaschigen Arzttermine fallen weg, das soziale Netz aus Klinikteam und Mitpatienten verschwindet.

Ängste, Panikattacken und Depressionen können die Folge sein, weiß Isabelle Scholl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Professorin für Psychoonkologie forscht zum Thema Leben nach dem Krebs.

Nach der Krebstherapie merken viele, es ist noch nicht alles wie vorher und es wird vielleicht auch nicht mehr so wie vorher.

Prof. Dr. Isabelle Scholl, Psychoonkologin

Die Seele brauche Zeit, um das zu realisieren. Hinzu komme die sogenannte Progredienzangst, die ständige Sorge, dass der Krebs zurückkehre, erklärt Scholl.

Unter Progredienzangst versteht man die Angst, dass der Krebs fortschreiten oder zurückkehren könnte. Sie ist eine begründete Reaktion auf die Erkrankung und die Bedrohlichkeit, die mit einer solchen Krankheit einhergeht. Dadurch unterscheidet sie sich von anderen Angststörungen, die im Kern irrational sein können. Laut Studie erlebt über die Hälfte aller Betroffenen Progredienzangst mindestens im mittleren Ausmaß, ein Fünftel sogar im hohen Ausmaß. Sie kann Krebspatienten lange Zeit begleiten und rund um Nachsorgetermine ansteigen.


Eine Patientin erhält eine Chemotherapie per Infusion. Ein Arzt sitzt ihr im Gespräch gegenüber.

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Seelische Last nach Krebs ist ungleich verteilt

Nicht alle Krebsüberlebenden seien gleichermaßen von psychischen Folgeerscheinungen betroffen, sagt die Psychoonkologin. Studien zeigen, dass Frauen häufiger darunter leiden als Männer. Ein jüngeres Alter bei der Krebsdiagnose erhöht das Risiko. Zugleich nimmt nicht jeder, der unter psychischen Problemen leidet, Hilfe in Anspruch. Männer tun das seltener als Frauen. Auch ältere Personen sind diesbezüglich eher zurückhaltend.

Wie nachhaltig eine Krebsdiagnose das Leben prägt, zeigt diese Zahl: Ein Drittel der Langzeitüberlebenden sieht sich auch noch fünf Jahre nach erfolgreicher Therapie als Mensch mit Krebs. Viele wünschen sich, dass alles wieder wie vorher wird. Ein Wunsch, der laut Scholl auch eine Erwartungshaltung mit sich bringe, die einige Betroffene unter Druck setze. Körperliche und seelische Folgen führen dazu, dass sich viele Betroffene nach einer Krebsbehandlung verändert fühlen. Doch mit der Zeit fänden die meisten zu einem neuen, zufriedenstellenden Alltag, so Scholl.

Professionelle Hilfe kann sinnvoll sein, wenn körperliche Spätfolgen, soziale oder berufliche Probleme den Alltag dauerhaft einschränken. Dazu gehören zum Beispiel anhaltende psychische Belastungen wie:

  • Ängste oder Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • gedrückte Stimmung, Freud- und Antriebslosigkeit
  • das Gefühl, den Alltag nicht mehr zu bewältigen

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Lücken bei psychologischer Nachsorge für Krebsüberlebende

In zertifizierten Krebszentren, die besondere Qualitätsmerkmale der Deutschen Krebsgesellschaft erfüllen, ist es mittlerweile Pflicht, Krebspatienten während der Behandlung auf seelische Belastungen zu untersuchen. Dies geschieht in der Regel über einen Fragebogen. Doch für die Zeit nach der Akuttherapie fehle ein solches System, sagt Scholl.

Die Krebsnachsorge in Deutschland ist heute stark auf Tumornachsorge fokussiert. Psychosoziale Belastungen sind weniger im Blick.

Prof. Dr. Isabelle Scholl, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Laut der Psychoonkologin brauche es viel Eigeninitiative der Patienten, um sich selbst Unterstützung zu suchen. Doch das klappe nicht für alle gleichermaßen.

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Gezielte Begleitung durch Nachsorgeprogramme

Von der Deutschen Krebshilfe werden derzeit spezielle Nachsorgeprogramme gefördert, sogenannte Survivorship-Programme. Unter anderem sollen damit seelische Belastungen nach einer Akuttherapie besser erkannt und gezielt begleitet werden.

Auch der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) unterstützt Menschen nach einer Krebstherapie, mit Spätfolgen umzugehen.

Psychische Hilfe für Betroffene nach Krebstherapie

Vielen Krebsüberlebenden hilft der Austausch mit anderen Betroffenen. Gruppentherapien unter professioneller Leitung oder Selbsthilfegruppen zur gegenseitigen Unterstützung können einiges auffangen, da man dort auf Menschen trifft, die Ähnliches erlebt haben.

Was guttut, sei individuell unterschiedlich, erklärt Isabelle Scholl. Bei stärkeren Ängsten könne beispielsweise eine Verhaltenstherapie helfen. Mit der Zeit könne die Angst dadurch wie ein kleiner Rucksack werden, der manchmal da sei, aber den man auch wieder ablegen könne, so die Psychoonkologin.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in der Sendung "Volle Kanne" am 02.07.2026, ab 09:05 Uhr.

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