Wege zur starken Blase:Inkontinenz: Wie man sie behandeln und vermeiden kann
von Caroline Beyer-Enke
Inkontinenz ist vielen peinlich und kann das Leben stark beeinträchtigen. Dabei gibt es keinen Grund sich zu schämen. Wie man vorbeugt und wann man zum Arzt gehen sollte.
Inkontinenz kann auch Jüngere treffen. Wer mit Beckenbodentraining rechtzeitig gegensteuert und blasenfreundlich lebt, kann einer Blasenschwäche vorbeugen.
30.06.2026 | 5:13 minEtwa zehn Millionen Deutsche sind inkontinent. Laut Statistiken verliert jede vierte Frau zwischen 30 und 39 Jahren ungewollt Urin. Von den 50- bis 59-Jährigen ist fast jede zweite Frau betroffen.
Warum Frauen eher inkontinent werden
Frauen können durch Geburten oder Wechseljahre inkontinent werden. "Bei der vaginalen Entbindung verlieren Bandstrukturen im Unterleib ihre Stabilität und ein Östrogenmangel in den Wechseljahren schwächt das Bindegewebe", erklärt Cordula Müller, Chefärztin der Abteilung Gynäkologie am Kreiskrankenhaus Bergstraße in Heppenheim. Die Gebärmutter könne dann absacken und auf die Blase drücken, so die Gynäkologin. Auch die kurze Harnröhre begünstige Blasenschwäche.
Frauen haben ein höheres Risiko für Inkontinenz als Männer.
Dr. Cordula Müller, Fachärztin für Gynäkologie
Es gibt verschiedene Formen von Harninkontinenz.
Ist das Bindegewebe im Beckenboden geschwächt, kann die Gebärmutter absinken. Mögliche Folgen können Inkontinenz oder ein Fremdkörpergefühl im Unterbauch sein. Was können Betroffene dagegen tun?
11.07.2025 | 4:33 minUnterschiedliche Formen der Inkontinenz
Bei einer Belastungs- oder Stressinkontinenz hält der Blasenschließmuskel nicht dem Druck stand, der im Bauch beim Niesen, Husten oder Heben entsteht.
Für eine Dranginkontinenz ist eine überaktive Blase, die sogenannte Reizblase verantwortlich. Sie signalisiert dem Gehirn schon bei kleinen Urinmengen, dass sie voll ist, und entleert sich unkontrolliert.
Untersuchungen bei Inkontinenz
Am Anfang steht eine Anamnese zur Art des Urinverlusts, Lebensgewohnheiten, Vorerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten. Danach können folgende Verfahren Aufschluss über die Form der Inkontinenz geben:
In einem sogenannten Miktionsprotokoll werden Trinkmengen, Toilettengänge und unfreiwillige Urinverluste vermerkt.
Die Sonografie zeigt den Zustand von Blasenwand und Nieren. Auch eine mögliche Senkung von Gebärmutter und Blase sowie die Restharnmenge direkt nach Wasserlassen wird sichtbar.
Die Blase wird mittels Katheter befüllt. Dann erfragt der Arzt, wann Harndrang auftritt. Außerdem wird der Blasendruck unter körperlichen Belastungen wie Husten gemessen.
Bei dieser endoskopischen Untersuchung blickt der Arzt mit einem dünnen, flexiblen Schlauch oder starren Rohr über die Harnröhre direkt in die Harnblase. So können etwa mögliche Engpässe in der Harnröhre durch Tumoren oder Steine ausgeschlossen werden.
Wie Inkontinenz behandelt wird
Bei Frauen mit Belastungsinkontinenz können Silikonringe (Pessare) oder Tampons in die Vagina eingeführt werden. Dort stützen sie Harnröhre und Beckenorgane.
Bei Dranginkontinenz bewirkt ein Blasen- und Toilettentraining, dass die Blase größere Urinmengen speichert. Auch Abnehmen entlastet den Beckenboden. Zudem sollten Betroffene blasenreizende Stoffe meiden. Dazu gehören Nikotin, Alkohol sowie zucker- und kohlensäurehaltige Getränke und Kaffee.
Blasenkrebs ist eine gefährliche Krankheit. Wenn sie rechtzeitig erkannt wird, kann sie sehr gut behandelt und in vielen Fällen sogar geheilt werden. Oft muss die Blase jedoch vollständig entfernt werden.
12.03.2025 | 4:59 minMedikamente bei Inkontinenz
Eine Reizblase kann mit Medikamenten aus der Gruppe der Anticholinergika beruhigt werden. Im Fall von Belastungsinkontinenz stärken östrogenhaltige Präparate das Gewebe im Genitalbereich.
Erst wenn konservative Therapien und Medikamente langfristig keinen Erfolg zeigen, kommen minimalinvasive und operative Verfahren zum Einsatz.
Weitere Eingriffe bei Inkontinenz
Optionen bei einer Reizblase sind entspannende Botox-Injektionen in den Blasenmuskel oder ein implantierter Blasenschrittmacher (sakrale Neuromodulation). Das kleine Gerät korrigiert über elektrische Impulse fehlerhafte Signale zwischen Blase und Gehirn.
Bei Belastungsinkontinenz können gelartige Substanzen in die Harnröhrenwand gespritzt werden, damit der Schließmuskel besser abdichtet.
Diesen Verschluss kann auch eine Band-Operation unterstützen. Dabei werde das abgesunkene Gewebe durch ein Band unter der Harnröhre abgestützt, so Müller.
Jede Inkontinenz ist behandelbar und kann in mehr als 80 Prozent der Fälle verbessert werden.
Dr. Cordula Müller, Gynäkologin, Kreiskrankenhaus Bergstraße, Heppenheim
Vor allen invasiven und medikamentösen Maßnahmen sollte laut Müller jedoch der Beckenboden berücksichtigt werden.
Die Niere ist für die Entgiftung des Körpers zuständig. Sie filtert schädliche Substanzen aus dem Blut und hält uns gesund. Ein Einblick in unser Filterorgan.
13.03.2025 | 4:52 minStarker Beckenboden schützt vor Inkontinenz
Beckenbodentraining ist die wichtigste Basistherapie bei Harninkontinenz. Die Beckenbodenmuskeln sorgen dafür, dass Stuhl und Urin gehalten werden. Ihr Training erhöht den Verschlussdruck der Harnröhre und muss erlernt werden. Wer rechtzeitig beginne, beuge einer Inkontinenz vor, so die Physiotherapeutin Stefanie Peters aus Viernheim.
Wichtig ist, präventiv mit dem Beckenbodentraining zu beginnen und nicht erst, wenn das Problem da ist.
Stefanie Peters, Physiotherapeutin
Für den Alltag gibt es Hilfsmittel, die das Beckenbodentraining unterstützen.
Hilfsmittel fürs Beckenbodentraining
Sie wirken gegen Belastungsinkontinenz, indem sie den Beckenboden stärken. Um das Herausrutschen der kleinen Gewichte aus der Vagina zu verhindern, wird der Beckenboden reflexartig angespannt und so gekräftigt.
Hierbei gibt ein Gerät über eine Messsonde oder Elektroden akustische oder optische Signale. Dadurch wird eine Kontrolle möglich, ob der Beckenboden richtig angespannt und entspannt wird.
Mit einem Gerät zur lokalen Elektrostimulation wird der Pudendusnerv im Becken stimuliert. Dies führt zum Anspannen des Beckenbodens und stärkt den Schließmuskel sowie die Eigenwahrnehmung.
Diese speziellen Apps auf Rezept werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sie bieten individuell angepasste Trainingspläne zum Beckenboden- und Blasentraining sowie Tipps zu Verhaltensänderungen, etwa beim Trinken und Essen.
Noch immer ist Inkontinenz ein Tabuthema. Da sich unkontrollierter Urinabgang mit der richtigen Therapie stark reduzieren lässt, ist es wichtig, dass sich Betroffene professionelle Hilfe suchen. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft unterstützt bei der Expertensuche.
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