Patientenfürsprecher in Kliniken:Wie Patienten im Krankenhaus zu ihrem Recht kommen
von Gunnar Fischer
Eine Behandlung im Krankenhaus ist eine Ausnahmesituation. Neben Sorgen um die Gesundheit kommen schnell Fragen auf. Welche Rechte zu Behandlungen darf ein Patient einfordern?
Sie sind die Stimmen der Patienten: Wie sich Birgit Hagen und Detlev Schliffke am Universitätsklinikum Essen um die Probleme der Patienten kümmern.
29.06.2026 | 5:01 minEin Aufenthalt im Krankenhaus ist für viele Menschen mit Ängsten und Unsicherheiten verbunden. In dieser Ausnahmesituation ist es wichtig, die eigenen Rechte zu kennen. In vielen Krankenhäusern gibt es sogenannte Patientenfürsprecher. Einer davon ist Detlef Schliffke. Der erste Vorsitzende des Bundesverbands der Patientenfürsprecher in Krankenhäusern e. V. (BPiK) versteht sich in dieser Funktion vor allem als Kümmerer.
In meinem beruflichen Alltag erlebe ich, dass viele Patienten ihre Rechte gar nicht kennen.
Detlef Schliffke, Patientenfürsprecher
Schliffke ist am Universitätsklinikum Essen im Einsatz. Er klärt dort Patienten über ihre Rechte auf.
In Essen zeigt ein ambulantes Zentrum, wie Operationen effizienter ablaufen können. Die Ambulantisierung gilt als Schlüssel der Krankenhausreform, doch bundesweit hakt es noch bei der Umsetzung.
06.05.2026 | 2:43 minWas bedeutet das Patientenrecht auf Aufklärung im Krankenhaus?
Das Recht auf umfassende Aufklärung durch den Arzt ist ein grundlegendes Recht. Patienten müssen verständlich über ihre Diagnose, die geplanten Behandlungen sowie mögliche Risiken und Alternativen sowie die Erfolgsaussichten informiert werden. Dieses Recht auf Information und Aufklärung ist Voraussetzung für jedes medizinische Handeln.
Gerade wenn Informationen unverständlich sind, kann der Patientenfürsprecher wertvolle Unterstützung leisten, so die Erfahrung von Schliffke.
Wir kämpfen dafür, dass alle Patienten ihre Rechte im Krankenhaus wahrnehmen können.
Detlef Schliffke, Patientenfürsprecher, Universitätsklinikum Essen
Patientenfürsprecher wie Schliffke helfen etwa beim Formulieren von Fragen und vermitteln auch zwischen Patienten, Klinikleitung und dem Behandlungsteam.
Trotz Hightech- und Spitzenmedizin sind in Deutschland jedes Jahr circa 170.000 Menschen von Behandlungsfehlern im Krankenhaus betroffen. Rund 17.000 bezahlen dafür mit ihrem Leben.
07.05.2026 | 43:51 minMüssen Patienten einer Behandlung zustimmen?
Ohne die Einwilligung des Patienten darf keine Therapiemaßnahme stattfinden. Nur ein akuter Notfall stellt eine Ausnahme dar. Bei Zweifeln, etwa am Sinn, Ergebnis oder Erfolg bestimmter Maßnahmen, dürfen Zweitmeinungen anderer Ärzte eingeholt werden. Darüber hinaus gibt es das Recht auf freie Arztwahl. Dieses Recht stärkt die Selbstbestimmung der Patienten und erlaubt es, bei Unzufriedenheit den Arzt zu wechseln.
Die Rekordhitze hat Krankenhäuser an ihre Grenzen gebracht. Umweltminister Schneider fordert nun mehr Hitzeschutz in Krankenhäusern und sieht dabei Länder und Kommunen in der Pflicht.
29.06.2026 | 0:23 minWie werden Gesundheitsdaten der Patienten geschützt?
Gesundheitsdaten gehören zu den sensibelsten persönlichen Informationen. Deshalb haben Patienten das Recht auf den Schutz ihrer Daten und ärztliche Schweigepflicht. Ärzte und medizinisches Personal dürfen diese Informationen nur mit Zustimmung des Patienten weitergeben. Der Patientenfürsprecher unterliegt ebenfalls der ärztlichen Schweigepflicht. Das Recht auf Einsicht muss ihm schriftlich erteilt werden.
Mit der elektronischen Patientenakte müssen Ärzte alle wichtigen Informationen digital erfassen. Wie das ZDF-Magazin Frontal herausfand, hilft das auch gegen Abrechnungsbetrug.
01.10.2025 | 1:38 minHaben Patienten das Recht auf Einblick in ihre Patientenakte?
Patienten haben das Recht, ihre Behandlungsunterlagen einzusehen. Dazu zählen beispielsweise Arztberichte, Diagnosen oder Testergebnisse. In der Patientenakte werde zudem aufgeführt, welche Behandlungen stattgefunden haben, und welche abgerechnet wurden, wie Birgit Hagen betont, die neben Schliffke Patienten bei der Einsichtnahme in ihre Behandlungsunterlagen unterstützt.
Bei Zweifeln sollte man darauf bestehen, in die Akte Einsicht zu bekommen.
Birgit Hagen, Patientenfürsprecherin, Universitätsklinikum Essen
Auf Wunsch können auch Kopien dieser Unterlagen auf eigene Kosten angefertigt werden. Dieses Recht trägt zur Transparenz bei und hilft, die eigene Behandlung besser nachzuvollziehen.
In vielen Bundesländern ist die sogenannte Patientenfürsprache bereits gesetzlich verankert. So müssen in Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen Krankenhäuser einen Patientenfürsprecher einsetzen oder eine vergleichbare Funktion bereitstellen. Die anderen Bundesländer setzen noch auf freiwillige Lösungen.
Medizin in der Provinz: Mit Teamgeist und Verantwortungsgefühl hält das Klinikpersonal den Betrieb am Laufen. Das Krankenhaus funktioniert, weil Menschen über ihre Grenzen gehen.
10.03.2026 | 28:40 minWie können Patientenfürsprecher unterstützen?
Patientenfürsprecher sind weder Teil der Klinikleitung noch Angestellte des Hauses. Ihre Beratung ist kostenlos, unabhängig und vertraulich.
Patienten sprechen zu uns lockerer als zum Arzt, da sie bei uns keine negativen Konsequenzen befürchten müssen.
Detlef Schliffke, Patientenfürsprecher am Universitätsklinikum Essen
Der Zugang zum Patientenfürsprecher ist unkompliziert. Anlaufstellen im Krankenhaus sind häufig die Rezeption, die Pflegekräfte auf der Station oder der Sozialdienst. Viele Patientenfürsprecher bieten feste Sprechstunden im Krankenhaus an. Diese können meist ohne großen Aufwand besucht werden. Alternativ ist eine Kontaktaufnahme telefonisch oder per E-Mail möglich. Zudem finden sich Informationen auf der Internetseite der jeweiligen Klinik.
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