Rheinland-Pfalz wählt: Was die Wahl für Berlin bedeutet

Analyse

Landtagswahl in Rheinland-Pfalz:Einer muss verlieren: Was die Wahl für Berlin bedeutet

Diana Zimmermann

von Diana Zimmermann

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Die Wahl in Rheinland-Pfalz dürfte ein enges Rennen zwischen SPD und CDU werden. Klar ist schon jetzt: Montag wird für eine der Berliner Regierungsparteien ein schlechter Tag.

SPD Rheinland - Pfalz

Am Sonntag wählt Rheinland-Pfalz einen neuen Landtag. Das aktuelle Politbarometer extra zeigt ein enges Rennen zwischen CDU und SPD.

20.03.2026 | 3:11 min

Es schien alles so klar. So klar, dass Generalsekretär Linnemann sich schon auf "zehn Ministerpräsidenten" freute und der Kanzler von "fünf Landtagswahlen" schwärmte, die die CDU 2026 alle heimholen würde. Doch die Wahl in Baden-Württemberg vor zwei Wochen machte diese - sind es Träume oder Angebereien? -, zunichte.

Die Grünen verteidigten Stuttgart und nun hat auch der SPD-Amtsinhaber in Mainz, Alexander Schweitzer, Gordon Schnieder von der CDU fast eingeholt. Kein halbes Jahr ist es her, dass Schnieder 6 Prozentpunkte Vorsprung hatte. Nun ist der auf ein bis zwei Prozentpunkte geschmolzen.

20.03.2026, Rheinland-Pfalz, Bad Dürkheim: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht in der Salierhalle beim Abschluss des Landtagswahlkampfs der CDU für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz

Von der Corona-Aufarbeitung bis zum Klimaschutz: Die kleineren Parteien kämpfen im Schatten des Duells der Großen um Aufmerksamkeit und parlamentarischen Einfluss.

20.03.2026 | 2:31 min

Kein Rückenwind aus Berlin

Klar ist schon mal, dass im Land keiner der beiden Kandidaten davon profitiert, dass ihre Parteien im Bund regieren. Wer auch immer gewinnt, tut es trotz, nicht wegen der Arbeit, die in Berlin geleistet wird. Das gilt laut Forschungsgruppe Wahlen insbesondere für die SPD. Seit Schweitzer die Ampel-Regierung in Mainz vor 20 Monaten von Malu Dreyer übernahm, führt er sie geräuschlos. Ein wenig Abstand nach Berlin kann da nicht schaden:

Natürlich wissen alle von mir, dass ich Sozialdemokrat bin, ich trage das ja auch, aber ich will auch deutlich sagen: erst das Land, dann die Partei. In diesen Zeiten brauchen wir entschlossene Politik und das ist für die Menschen wichtiger als die Parteifarbe.

Alexander Schweitzer, berlin direkt, 15.03.2026

Eine  Flagge der SPD

Die Wahl in Baden-Württemberg war für die SPD ein weiterer Tiefpunkt - nur 5,5 Prozent der Stimmen hat sie dort erreicht.

15.03.2026 | 3:42 min

Seit zwei Wochen versuchen sich CDU und SPD über ihre enttäuschenden Ergebnisse bei den Wahlen in Baden-Württemberg hinwegzutrösten - mit Verweis auf ihre zu erwartenden Siege in Rheinland-Pfalz. Doch es kann nur einer gewinnen, und was dann?

Härter wäre die Niederlage vermutlich für die SPD. Die Sozialdemokraten werden laut ZDF-Politbarometer um die 10 Prozent verlieren, während die AfD ihr Ergebnis wohl etwa verdoppelt. 37 Prozent der Arbeiter wählten in Baden-Württemberg die AfD. Nur 5 Prozent die SPD, so Zahlen von Infratest dimap.

Arbeiterpartei kann sich die SPD also jetzt schon nicht mehr nennen. Was aber sagt es aus, wenn die Sozialdemokraten mit einem ihrer besten Männer nicht mal mehr Rheinland-Pfalz gewinnen, wo sie 35 Jahre regiert haben?

Die beiden Spitzenkandidaten bei der kommenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz Alexander Schweitzer (SPD) und Gordon Schnieder (CDU).

Vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz liefern sich die SPD und die CDU in den Umfragen ein enges Rennen. Ein zentrales Thema im Wahlkampf: Bildungspolitik.

20.03.2026 | 2:34 min

Was ist der Auftrag der Doppelspitze?

Der Blick richtet sich auf eine klaffende programmatische Lücke. Wofür steht die SPD noch? Und er richtet sich unweigerlich auf die Parteispitze. Also auf zwei. Ist das Doppel einer zu viel? Wie sollen Bas und Klingbeil ihre Partei erneuern, wenn sie beide Minister sind und also ständig Kompromisse machen müssen?

Wenn Rheinland-Pfalz verloren geht, erwarten viele mindestens einen Rücktritt an der Spitze. Eine Neuaufstellung, die zeigt, dass die Partei sich nicht widerstandslos aufgeben will.

Wo bitte ist hier CDU pur?

Auch der Druck auf die CDU würde nach einer Niederlage am Sonntag dramatisch wachsen. Ihr nehmen die Wähler übel, dass so viele Wahlversprechen nicht gehalten wurden. Das Aussetzen der Schuldenbremse etwa, obwohl der Kanzler noch zwei Tage vor der Bundestagswahl genau das ausschloss. Aber auch die zigmal wiederholten Versprechungen, "CDU pur" zu liefern, obwohl eine absolute Mehrheit der Union zu keinem Zeitpunkt realistisch war.

Der Vorsitzende der Christlich Sozialen Union (CSU) im Deutschen Bundestag, Alexander Dobrindt (L), steht neben dem Vorsitzenden der Christlich Demokratischen Union (CDU) und Fraktionsvorsitzenden Friedrich Merz (R) während einer Presseerklärung nach einer Fraktionssitzung im Deutschen Bundestag in Berlin, Deutschland, 14. März 2025.

Nach der verlorenen Wahl in Baden-Württemberg wächst der Druck auf den CDU-Spitzenkandidaten in Rheinland-Pfalz, Gordon Schnieder. Auf ihm ruhen nun alle Hoffnungen der Union.

15.03.2026 | 3:48 min

Wenn das erhoffte positive Signal einer gewonnenen Wahl auch in Rheinland-Pfalz ausbleibt, wird Friedrich Merz etwas anderes brauchen, das neuen Schwung verbreitet. Vielleicht eine Kabinettsumbildung?

Lenker oder Beifahrer?

Am Ende wird der Abstand zwischen CDU und SPD vermutlich nur wenige Prozent betragen. Warum also die ganze Aufregung?

Weil beide Parteien ohnehin angefasst sind. Beider Beliebtheitswerte sind schlecht, der kleine wirtschaftliche Aufschwung wird gerade vom Iran-Krieg erdrückt, die schon für den Herbst angekündigten Reformen stecken in Kommissionen und die richtig schwierigen Entscheidungen stehen jetzt an. Und sollten mit möglichst großem zeitlichen Abstand zum September getroffen werden, wenn in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt wird.

Helene Reiner in "heute journal - der Podcast"

In der CDU herrschte zum Parteitag im Februar Unruhe: Kanzler Merz wird kritisiert, dass er bei Reformen nicht mutig genug sei. Die Junge Union pocht auf ein Gesamtkonzept für zukunftsweisende Reformen.

19.02.2026 | 30:33 min

SPD pur und CDU pur?

Die größte Gefahr ist denn auch, dass der Ausgang der Wahlen das Klima zwischen den Koalitionären vergiftet. Dass sie sich auf ihre Kernpositionen versteifen, verhaken und keine Kompromisse mehr finden, dass die CDU noch mehr Einschnitte ins Sozialsystem fordert und die SPD noch weniger bereit ist, diese zuzugestehen.

Beides im Bemühen, den eigenen Wählern zu gefallen. Und dass der Auftrag, für alle im Land zu arbeiten, darüber in Vergessenheit gerät. Treu dem verdrehten und doch so häufig angewandten Motto: erst die Partei, dann das Land.

"Schadenfreude fehl am Platz"

Das Gegenteil hat der Kanzler versprochen. Er werde, so Friedrich Merz bei der Abschlussveranstaltung mit Gordon Schnieder am Freitag in Bad Dürkheim, schon am Montag "mit den Vorsitzenden der SPD beraten, wie wir das Land wieder auf Kurs bekommen".

Stefan Leifert präsentiert das ZDF-Politbarometer

In Rheinland-Pfalz wird am Wochenende ein neuer Landtag gewählt. Stefan Leifert erklärt, was die Zahlen aus dem aktuellen Politbarometer am Ende des Wahlkampfes bedeuten.

20.03.2026 | 2:11 min

Sonntag könne, so Merz, "für die Sozialdemokraten ein schwerer Tag" werden. Dass er da Schadenfreude für falsch hielte, ist sicher nicht nur so daher gesagt. Angeschossene reagieren nicht vernünftig. Das gilt für Löwen wie für Parteien.

Diana Zimmermann ist Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.

Über die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz berichtete das ZDF in zahlreichen Sendungen, unter anderem in "heute - in Deutschland" am 20.03.2026 um 14:00 Uhr.

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