Vor Landtagswahl in Rheinland-Pfalz:So haben sich Schweitzer und Schnieder im TV-Duell geschlagen
von Christopher Heinze
Auf persönliche Attacken verzichteten sie komplett: Das TV-Duell glich eher einem Duett als einem Streitgespräch, bei dem der Herausforderer etwas angriffslustiger auftrat.
Amtsinhaber Alexander Schweitzer (l, SPD) und CDU-Herausforderer Gordon Schnieder geben sich vor dem TV-Duell die Hände.
Quelle: dpaZwölf Tage vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz stellten sich die beiden aussichtsreichsten Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Amtsinhaber Alexander Schweitzer von der SPD und sein Herausforderer, der Oppositionsführer im Mainzer Landtag und CDU-Landesvorsitzende Gordon Schnieder, im SWR eine Stunde lang den Fragen des Moderators.
Schweitzer, 52, bezeichnete den Wahlkampf als "Kampf meines Lebens". Er will nach mittlerweile 35 Jahren sozialdemokratisch geführter Landesregierungen eine weitere Legislaturperiode dranhängen. Der 50-jährige Schnieder will das verhindern, sein Credo "Ich kämpfe für dieses Land und will hart dafür arbeiten" soll dies unterstreichen.
Seit zehn Jahren regiert die SPD mit einer Ampelkoalition Rheinland-Pfalz. Das könnte sich bei der Landtagswahl im März ändern, denn laut Umfragen liegt die CDU aktuell vorne.
21.02.2026 | 2:30 minUmfragen zufolge ist die wahrscheinlichste Regierungskonstellation nach dem Urnengang am 22. März eine Koalition aus eben Sozialdemokraten und der Union - offen die Frage, wer sie führen wird.
Bildung Wahlkampfthema Nummer eins
Jeder vierte Euro des Landeshaushalts fließe in die Bildung, betonte der Ministerpräsident, dennoch "müssen wir bei ein paar Themen besser werden".
Eine Ludwigshafener Realschule plus stand nach mehrfachen Gewaltausbrüchen bundesweit in den Schlagzeilen. Schnieder forderte deshalb Videoüberwachung an Schulen, die mit Gewaltproblematik zu kämpfen haben. Schweitzer will zukünftig noch mehr in Schulsozialarbeit investieren.
In wenigen Wochen wählt Rheinland Pfalz einen neuen Landtag. Für viele Wähler ist Bildung das zentrale Thema.die Parteien setzen in ihren Wahlprogrammen unterschiedliche Schwerpunkte.
03.03.2026 | 2:00 min"Abzocke" beim Benzinpreis
Beim Thema stark gestiegener Spritpreise waren sich beide einig: "Abzocke" sei das. Dies ginge nicht gegen die Tankstellenpächter, sondern gegen die Mineralölkonzerne.
Da machen sich einige die Taschen voll.
Alexander Schweitzer, Regierungschef von Rheinland-Pfalz
Das müsse kartellrechtlich überprüft werden, betonte der Herausforderer Schnieder. Auch müsse geschaut werden, wie häufig Preise noch erhöht werden dürfen.
Ganz ähnlich klang das bei Schweitzer. Er habe sich bereits dafür ausgesprochen, dass Preise an Tankstellen nur noch einmal am Tag geändert werden dürfen. Er freue sich, dass der "Herr Kollege Schnieder" dies offenbar unterstütze.
Seit Beginn des Iran-Kriegs sind die Spritpreise deutlich gestiegen. Einige Länder "reagieren mit Preisdeckeln schneller", berichtet ZDF-Wirtschaftskorrespondentin Valerie Haller.
10.03.2026 | 1:20 minFunktionierende Wirtschaft enorm wichtig
Der CDU-Mann erklärte:
Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist Vieles nichts.
Gordon Schnieder, CDU-Landeschef in Rheinland-Pfalz
So ähnlich drückte es auch der Ministerpräsident aus. Auch hier ist man sich prinzipiell einig.
Beim Thema kommunale Finanzen zeigten sich Differenzen, wenn auch sachlich vorgetragen: Herausforderer Schnieder sieht die Kommunen in Rheinland-Pfalz seit 30 Jahren unterfinanziert. Der Amtsinhaber hingegen verwies auf "Milliardenhilfen" durch die Landesregierung.
Beim Thema Verkehrspolitik sprach Schweitzer von einer "Herzensangelegenheit", Schnieder von "Investitionsstau in Milliardenhöhe".
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer fordert ein bundesweit einheitliches Deutschlandticket mit Foto. Hintergrund ist die Debatte um die Sicherheit von Zugpersonal.
16.02.2026 | 0:23 minWirbel um Sonderurlaub für SPD-Wahlkampf
Am konfrontativsten wurde es, als der Fall einer durch die Landesregierung sonderbeurlaubten Beamtin des Innenministeriums für den SPD-Wahlkampf zur Sprache kam. Die CDU wirft der Landesregierung vor, Wahlkampf auf Kosten der Steuerzahler zu betreiben, Schnieder sprach von "Selbstbedienung". So etwas fördere Politikverdrossenheit.
Schweitzer wiederum verwies auf ähnlich gelagerte Fälle der Union, auf Bundesebene. Das Beamtenrecht räume solche Möglichkeiten ein. Bundeskanzler Friedrich Merz habe einen Mitarbeiter im Kanzleramt, der davor - ebenfalls beurlaubt - Mitarbeiter in der Parteizentrale der CDU gewesen sei. Weder der eine noch der andere Fall sei angreifbar, "weil es eine saubere Trennung ist zwischen Staat und einer politischen Partei".
Fazit
Zusammenfassend meint der Trierer Politikwissenschaftler Prof. Uwe Jun:
Man kann sich vorstellen, dass beide zusammenkommen können. Unterschiede waren erkennbar, aber nicht unüberbrückbar.
Prof. Uwe Jun, Politikwissenschaftler
Den Weg in eine mögliche gemeinsame Koalition haben sich die Spitzenkandidaten nach diesem TV-Duell jedenfalls nicht verbaut.
Christopher Heinze ist Reporter im ZDF-Landesstudio Rheinland-Pfalz
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