CDU verliert Wahl in Baden-Württemberg:Ein Denkzettel - auch für Friedrich Merz und Schwarz-Rot
von Dominik Rzepka
Warum verliert die CDU eine sicher geglaubte Wahl? Das fragen sich nun auch die Strategen in Berlin. Für Schwarz-Rot wird es jetzt nicht einfacher. Was auch an der SPD liegt.
Das Ergebnis in Baden-Württemberg beschäftigt auch die Parteien in der Hauptstadt. Diana Zimmermann ordnet ein.
09.03.2026 | 1:10 minAls sich am Abend die Zahlen stabilisieren. Als klar wird, dass die Grünen knapp vor der CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegen. Da räumt Kanzleramtschef Thorsten Frei im ZDF ein:
Natürlich hätten wir uns andere Ergebnisse gewünscht. Hätten wir gehofft, dass wir mit deutlichem Vorsprung diese Wahl gewinnen können.
Thorsten Frei, CDU
Doch nun liegt die CDU hinter den Grünen, gibt einen sicher geglaubten Wahlsieg aus der Hand. Noch im Januar hatte die Partei sechs Prozentpunkte vor den Grünen gelegen. Vor zehn Monaten betrug der Vorsprung sogar elf Prozentpunkte.
Was ist seitdem passiert?
Auch die Bundespolitik verfolgt den Ausgang der Landtagswahl in Baden-Württemberg gespannt. Die ersten Zahlen deuten auf ein enges Rennen um den Wahlsieg hin.
08.03.2026 | 2:13 min"Schmutzkampagne": CDU greift Grüne an
Die Devise der Bundes-CDU lautet an diesem Wahlabend: Reihen schließen. Erst einmal den politischen Gegner für die Niederlage verantwortlich machen. Von einer Schmutzkampagne gegen CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel spricht Unions-Fraktionschef Jens Spahn.
Auch Thorsten Frei kritisiert, dass eine Grünen-Abgeordnete ein acht Jahre altes Video von Hagel veröffentlicht habe, in dem dieser von den "rehbraunen Augen" einer Schülerin schwärmt. Die Grünen hätten unter der Gürtellinie gespielt, sagt Frei.
Eigene Fehler sehen sie bei der CDU nicht - vor allem nicht bei der Bundespartei. Die CDU-geführte Koalition im Bund habe Heizungsgesetz und Bürgergeld abgeschafft, sagt Frei. Insofern habe es Rückenwind aus Berlin gegeben.
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht. Er habe gehofft, die CDU hätte die Wahl mit deutlichem Vorsprung gewonnen.
08.03.2026 | 3:32 minViel Kritik an Merz
Auch Kanzler Friedrich Merz habe mit der Niederlage nichts zu tun, sagt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann:
Es gab Rückenwind durch die Arbeit des Bundeskanzlers auf internationaler Ebene, gerade in den letzten Wochen.
Carsten Linnemann, CDU
Allerdings sprechen die Zahlen der ZDF-Wahluntersuchung eine andere Sprache. Demnach sagen nur 13 Prozent der Befragten, Kanzler Merz sei für das Abschneiden der CDU in Baden-Württemberg hilfreich gewesen. 38 Prozent sagen, Merz schade dem Abschneiden der CDU.
Und dass die CDU auf Bundesebene in den vergangenen Wochen über Rente, Arbeitszeit oder den Krankenstand gestritten habe, sei ebenfalls schädlich gewesen. Das sagen sogar 72 Prozent der Befragten.
Kanzler Merz kritisiert: Die Deutschen sind zu oft krankgeschrieben. Hat er Recht? ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Britta Buchholz hat sich die Gründe für den (hohen) Krankenstand näher angeschaut.
23.01.2026 | 11:21 minSchlafwagen-Wahlkampf der CDU?
Von Seiten der Bundes-CDU konnte der Eindruck entstehen, die Deutschen meldeten sich zu oft krank, würden in "Lifestyle"-Teilzeit arbeiten wollen und sollten künftig ihre Zahnarzttermine privat bezahlen.
Und noch etwas war auffällig: Die Bundes-CDU hatte vor dem Parteitag kontroverse Anträge etwa zur Rente oder zum Klimaschutz entkernt - man könnte auch sagen: verwässert. Die Parteispitze scheute die offene Debatte.
Wollte die CDU im Schlafwagen an die Macht in Baden-Württemberg? Der CDU-Abgeordnete Johannes Winkel hatte jedenfalls von der eigenen Partei gefordert, Debatten nicht zu verschieben - nur, weil irgendwo eine Wahl stattfinde.
Nach dem CDU-Parteitag zeigt sich der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, im ZDF unzufrieden mit dem Stand der Reformen.
22.02.2026 | 4:50 minDebakel für die SPD
Auswirkungen dürfte diese Wahl aber nicht nur auf die Union haben, sondern auch auf die SPD - und damit auf die schwarz-rote Koalition in Berlin. Denn dass die SPD ihr schlechtestes Ergebnis jemals bei einer Landtagswahl in Westdeutschland einfährt, dürfte nicht ohne Folgen bleiben.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sagt im ZDF:
Das ist für uns ein sehr bitteres Ergebnis.
Tim Klüssendorf, SPD
In der Polarisierung auf die Kandidatenfrage zwischen Grünen und CDU sei die SPD unter die Räder gekommen, sagt SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf.
08.03.2026 | 2:40 minFür die Sozialdemokraten stellt sich die Frage, wie sehr sie der Union in der Koalition widerspricht. Ob sie sich bei sozialen Fragen profiliert, auch auf Kosten der Union. Klüssendorf sagt, seine Partei werde das genau analysieren.
Für Parteienforscher Karl-Rudolf Korte muss sich die SPD aber auch noch eine andere Frage stellen. Nämlich, wie sie die Leute elektrisiere. Was verbinden sie noch mit der SPD, die eigentlich immer für soziale Gerechtigkeit gestanden habe. Schwarz-Rot steht nach dieser Wahl vor vielen offenen Grundsatzfragen.
- Liveblog
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