Nuklearexperte Steinhauser:Wie nah ist Iran an der Atombombe?
Iran sei nur wenige Schritte von der Atombombe entfernt, sagt Nuklearexperte Steinhauser im ZDF-Interview und erklärt, was man unter "schmutzigen Bomben" versteht.
Die weltpolitische Lage ist angespannt: US-Präsident Donald Trump betonte am Mittwoch, dass die USA im Krieg zwischen Israel und Iran keine Waffenruhe anstreben. "Wir wollen einen totalen, vollständigen Sieg", sagte er im Weißen Haus.
Dieser Sieg bedeute: "Keine Atomwaffe." Zwar sei er nicht auf militärische Auseinandersetzung aus, doch falls die Wahl zwischen Kämpfen und einer iranischen Atombombe stehe, müsse man handeln.
Wie weit ist Iran wirklich von einer Atombombe entfernt? Darauf hat Atomwissenschaftler Prof. Georg Steinhauser im Gespräch mit dem ZDF heute journal update Antworten. Außerdem erklärt er, was eigentlich mit "schmutzigen Bomben" gemeint ist.
Wie nah ist Iran an einer Atombombe?
Atomwissenschaftler Steinhauser von der Technischen Universität Wien erklärt, dass Iran Absichten mit seinem Nuklearprogramm verfolge.
Mit 60 Prozent angereichertem Uran sind es nur wenige Schritte bis zu den notwendigen 90 Prozent, die es für die Atombombe braucht.
Prof. Georg Steinhauser, Atomwissenschaftler
Was ist eigentlich eine "schmutzige Atombombe"?
Eine "schmutzige Atombombe" oder auch "schmutzige Bombe" genannt, sei in Wirklichkeit "nichts anderes als ein kommerzieller Sprengsatz, der mit radioaktivem Material versetzt worden ist". Wenn dieser Sprengsatz detoniere, dann verbreite man das radioaktive Material, man kontaminiere damit die Gegend.
Einen gigantischen Schaden, wie mit einer echten Atombombe, könne man damit aber auf gar keinen Fall anrichten. "Diese Waffe hat in erster Linie nur psychologische Folgen", erklärt Nuklearexperte Steinhauser.
Was wird bei Israels Angriffen auf Irans Nuklearanlagen getroffen?
Im Zuge der angespannten Lage haben israelische Streitkräfte in der Vergangenheit mehrfach iranische Nuklearanlagen angegriffen. Dabei sei wahrscheinlich vor allem die äußere Infrastruktur wie Strom- oder Wasserversorgung zerstört worden, sagt Steinhauser. Diese sei zwar essenziell für den Betrieb, aber auch vergleichsweise leicht wiederherstellbar.
Ob es im Inneren der Anlagen zu schwerwiegenden Schäden gekommen sei, lasse sich bislang nicht sicher sagen.
Was könnten die USA mit bunkerbrechenden Bomben erreichen?
Mit ihren bunkerbrechenden Bomben könnten die USA tiefliegende Anlagen wie jene im iranischen Fordo treffen. Diese befinden sich rund 60 Meter unter der Erde.
Ziel eines solchen Angriffs wäre es, die dort eingesetzten Zentrifugen zu zerstören.
Eine Freisetzung aus jeder dieser Anreicherungsanlagen hätte allerdings auf keinen Fall solche Auswirkungen wie Tschernobyl oder Fukushima.
Prof. Georg Steinhauser, Atomwissenschaftler
Das Uran sei schlicht und ergreifend nicht radioaktiv genug. "Das heißt es wäre eine sehr lokale Kontamination."
Das Interview führte ZDF-Moderatorin Gundula Gause, zusammengefasst hat es Katharina Schuster.