ZDF-Doku "Paralympische Heldinnen":Brenna Huckaby: Warum Stärke heißt, sichtbar zu sein
von Johannes Fischer
Mit 14 verliert Brenna Huckaby ein Bein. Sie gibt nicht auf und kämpft sich im Para-Snowboard an die Weltspitze. Die ZDF-Doku "Paralympische Heldinnen" porträtiert ihren Weg.
Monoskifahrerin Anna-Lena Forster und Snowboarderin Brenna Huckaby sind zwei der beeindruckendsten Athletinnen des paralympischen Wintersports und kämpfen aufopfernd für ihre Ziele.
22.02.2026 | 43:44 minBrenna Huckaby war 14 Jahre alt, als ihr Leben eine brutale Wendung nahm: Ein aggressiver Tumor im Bein forderte die Amputation oberhalb des Knies. Ihr Traum, als Turnerin ein College-Stipendium zu bekommen, zerbrach in einem Krankenhauszimmer.
In der ZDF-Doku "Paralympische Heldinnen" erinnert sich die heute 30-Jährige an die Zeit nach der Chemotherapie: Bleierne Müdigkeit, Wut und das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wer sie ist.
Snowboarden: Geschwindigkeit statt Stillstand
Wochenlang lag sie auf dem Sofa, körperlich geschwächt und innerlich leer. Erst ihre Brüder rüttelten sie auf: "Jeder Tag, den du hier liegst, gewinnt der Krebs." Dieser Satz wurde zum Wendepunkt.
Brenna Huckaby beim FIS Para Snowboard Weltcup 2025/2026.
Quelle: APSie stand auf - und fand das Snowboard. Was als Schnupperkurs begann, entwickelte sich schnell zu einer neuen Identität. "Ich liebe die Kultur, ich liebe die Freiheit", sagt sie. Snowboarden bedeutete Geschwindigkeit statt Stillstand, frische Bergluft statt Krankenhausgeruch, Kontrolle statt Ohnmacht.
In dieser Szene fühlte sie sich nicht als "das Mädchen mit der Amputation", sondern als Athletin. Wettkampf liegt ihr im Blut. Weltcupsiege, Podiumsplätze, paralympisches Gold folgten.
Leistungssport mit ADHS: Stärke ohne Perfektion
Doch "Paralympische Heldinnen" zeigt keine reine Erfolgsgeschichte. Der Film begleitet eine Frau, die mit 19 Mutter wurde und heute zwei Töchter großzieht - parallel zu einem Trainingsalltag voller Präzision, Kraft und Mut.
Familie und Sport sind eng verzahnt: Ihr Schwiegervater ist zugleich Nationalcoach. Nach einem schweren Sturz im Training wird die Verletzlichkeit spürbar. Risiko ist ständiger Begleiter.
Eine weitere Herausforderung begleitet Huckaby seit ihrer Kindheit: ADHS. Sie spricht offen über Impulsivität, emotionale Extreme und depressive Phasen. Erst spät bekam sie eine Diagnose. Medikamente und Therapie halfen ihr zu verstehen, dass mit ihr nichts falsch ist. "Es gibt ein chemisches Ungleichgewicht - und ich darf mir Hilfe holen." Diese Offenheit ist ein Akt der Selbstermächtigung. Sie will ihren Töchtern zeigen, dass Stärke nichts mit Perfektion zu tun hat.
Erfolgreiche Klage gegen IOC vor Paralympics 2022
Ihr vielleicht größter Kampf fand abseits der Piste statt. Vor den Paralympics 2022 strich das Internationale Paralympische Komitee ihre Startklasse wegen zu geringer Teilnehmerzahl. Für Huckaby war das ein Schlag ins Gesicht - und eine Frage der Repräsentation. Sie klagte und gewann.
Ihr juristischer Sieg war mehr als persönliche Genugtuung; er war ein Signal an kommende Generationen.
Ich habe eine Stimme. Ich lasse mir nicht sagen, dass ich nicht dazugehöre.
Brenna Huckaby
Dieser Moment zeigt Courage: nicht die waghalsige Linie im Snowboardcross, sondern das beharrliche Einstehen für Gleichberechtigung.
Erstmals seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine vor vier Jahren sind wieder russische und belarussische Sportler beim Para-Weltcup der Langläufer dabei.
16.01.2026 | 1:34 minSichtbarkeit: Huckaby zeigt offen ihre Prothese
Die Paralympics bedeuten ihr mehr als Medaillen. "Es ist eine Bestimmung, größer als ich selbst", sagt sie. Es geht um Sichtbarkeit, Fortschritt, das Recht, auf derselben Bühne zu stehen.
Sie weiß, dass viele ihre Behinderung kaum wahrnehmen, wenn sie lange Hosen trägt. Doch sie entscheidet sich bewusst für Transparenz: Fotos mit Prothese, Interviews über mentale Gesundheit, Gespräche über Mutterschaft im Leistungssport. Ihre Geschichte soll Mut machen - nicht, weil sie makellos ist, sondern weil sie Brüche kennt.
Paralympics:Paralympics 2026
"Paralympische Heldinnen" zeigt das Porträt einer Athletin, die Stärke neu definiert: nicht als Unverwundbarkeit, sondern als Bereitschaft, alles zu zeigen - Siege und Triumphe genauso wie Narben und Zweifel. Brenna Huckaby kämpft nicht nur gegen Konkurrentinnen im Zielhang. Sie kämpft gegen das Schweigen, die Unsichtbarkeit, das Gefühl, nicht zu genügen. Genau das macht sie zu einer Heldin - auf dem Snowboard und darüber hinaus.
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