Der lange Arm des Jürgen Klopp:Warum Trainer Werner bei RB Leipzig gehen muss
von Ullrich Krömer
Der WM-Experte Jürgen Klopp entschied aus den USA mit, dass Trainer Ole Werner RB Leipzig trotz erfolgreicher Arbeit verlassen muss. Der Grund dafür ist vor allem Klopp selbst.
Ole Werner führte RB Leipzig wieder in die Champions League und wurde trotzdem freigestellt.
Quelle: action pressJürgen Klopp brauchte weniger als eine Minute, um sich zu erklären. Der globale Fußballchef von Red Bull stand in seiner Funktion als TV-Experte bei der Fußball-WM im babyblauen Performance-Stretch-Anzug in Dallas und erklärte vor der Partie England gegen Kroatien in knappen Sätzen, weshalb Trainer Ole Werner bei RB Leipzig entlassen wurde. "Freigestellt heißt das, glaube ich", sagte Klopp, der in seiner Trainerkarriere nie freigestellt worden war.
Klopp-Team nicht nur beratend tätig
"Ole hat einen Klasse-Job gemacht. Aber wir müssen zeitgleich nach vorn gucken", versuchte sich der 59-Jährige an einer Begründung. "Wir haben darüber nachgedacht, wie das aussehen könnte mit der Belastung, die auf uns zukommt. Dann haben wir uns, hat man sich in Leipzig, für den Wechsel entschieden."
Vom Kulttrainer zum umstrittenen Marken-Botschafter: Wie sieht der neue Job von Jürgen Klopp genau aus? Und was bedeutet er für eine mögliche Trainerzukunft?
23.01.2025 | 13:03 minKlopp betonte noch, dass das Global Team des Red-Bull-Fußballnetzwerks "ja beratend tätig" sei, räumte allerdings ein:
Wir waren in der Entscheidungsfindung mit dabei.
Jürgen Klopp zur Entlassung von Ole Werner
Klopp forcierte wohl Trainerwechsel
Dabei hat der frühere Coach des FC Liverpool seine Rolle als Berater nach Informationen von ZDFheute offenbar deutlich überschritten. Klopp und sein Team, zu dem unter anderem der Technische Direktor Mario Gomez, die für Spielphilosophie zuständigen Zsolt Löw und Peter Krawietz sowie Trainerscout Jürgen Kramny gehören, forcierten den Trainerwechsel trotz des jüngsten Erfolgs maßgeblich - auch über den Kopf von RB-Sportchef Marcel Schäfer hinweg.
Während Werner als Rucksacktourist im Urlaub in Malaysia unterwegs war, wurden Tatsachen geschaffen, die eine weitere Zusammenarbeit unmöglich machten.
Keine Kommunikation zwischen Klopp und Werner
Zentral ist dabei das seit November mehr und mehr abgekühlte Verhältnis zwischen "Kloppo" und seinem einstigen Protegé Werner aufgrund grundlegender fachlicher Differenzen.
Am Ende gab es gar keine Kommunikation mehr; von einem Nicht-Verhältnis ist intern die Rede. Aus Meinungsverschiedenheiten wurde Streit und später Resignation. Doch wie konnte es zwischen zwei ausgewiesenen Fachleuten so weit kommen?
Aus Meinungsverschiedenheiten wurde Streit: Jürgen Klopp und Ole Werner (l.) im Januar im Trainingslager von RB Leipzig.
Quelle: imagoKlopp hatte ja noch zu Saisonbeginn versprochen, kein "Damoklesschwert" sein zu wollen, das über den Trainern der Red-Bull-Klubs schwebt, sondern Ratgeber für die Coaches, denen in schwierigen Situationen oft ein Gesprächspartner auf Augenhöhe fehlt.
Eingriff in die Entscheidungshoheit von Trainer Werner
Dazu hatte er eine modifizierte, einheitliche Spielidee entworfen - ein verbindliches Grundgesetz für alle Standorte des Multi-Club-Ownerships von Red Bull vom Nachwuchs bis zu den Profis. "Die Trainer brauchen Freiheiten, aber Sportdirektoren, Scouts, Analysten müssen wissen, in welche Richtung es geht", hatte er dazu bei einem seiner raren Besuche in Leipzig im vergangenen Sommer gesagt.
Doch den ersten Teil des Satzes hat Klopp offenbar vergessen. So soll sich der Berater an Dingen gestört haben, die unmittelbar die Hoheit von Trainer Werner betrafen: etwa die Entscheidung über eine Dreier- oder Viererkette, die Pressinghöhe oder das Anlaufverhalten.
Nach den Toren von Willi Orban und Xaver Schlager wird es für RB Leipzig gegen St. Pauli am Ende noch mal eng. Doch die Sachsen retten den 2:1-Sieg und sichern sich damit Platz drei.
11.05.2026 | 7:24 minWenn es um Rahmenbedingungen, grundlegende Spielphilosophie, Synergien an den Standorten und Wissenstransfer geht, kann das globale Fußballteam tatsächlich Vorteile für die umstrittenen Red-Bull-Klubs generieren.
Tangiert die Werner-Entlassung die 50+1-Regel?
Doch wenn Ratgeber zu Entscheidern werden und die Verantwortlichen vor Ort ausbremsen und überstimmen, dann ist das nicht nur schädlich für die kontinuierliche Entwicklung von RB, sondern auch ein Problem mit Blick auf die 50+1-Regel.
Mehrere Klubs, ein Besitzer: Modelle wie bei ManCity und RB Leipzig breiten sich immer weiter aus. Was sind die Gründe, was die Gefahren? Und welche Rolle spielt der FC Bayern?
29.02.2024 | 15:53 minEntscheidungen müssen in der Bundesliga durch die Klubs vor Ort getroffen werden und nicht von Investoren und deren Beratern. Die DFL erklärte auf Anfrage, ob der Fall Leipzig nun diesbezüglich genauer untersucht werde, nur, dass die Einhaltung der 50+1-Regel für alle Klubs verbindlich sei. "Spekulationen in Bezug auf einzelne Klubs" wolle man nicht kommentieren.
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