BVB trennt sich von Kehl und treibt Umbruch voran

Auch der Sportdirektor muss gehen:Borussia Dortmund vor Neuanfang nach Kehl-Aus

von Patrick Brandenburg

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Borussia Dortmund treibt den Umbruch voran und macht auch vor großen Namen nicht halt. Das klingt überraschender, als es ist und birgt für den Klub eine Chance.

Sebastian Kehl

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund und Sportdirektor Sebastian Kehl gehen ab sofort überraschend getrennte Wege. Der BVB gab die Trennung am Sonntag bekannt.

22.03.2026 | 0:37 min

Durchwurschteln war gestern, der neue BVB macht Nägel mit Köpfen. Dass Borussia Dortmund sich vom Mediendirektor trennte, ging noch als Randnotiz unter. Der Abschied von Regisseur Julian Brandt war schon ein Knall. Nun das vorzeitige Aus von Sebastian Kehl, der über zwanzig Jahre zum Inventar gehörte. Erst als Spieler, dann als Kapitän einer Meistermannschaft, zuletzt als umtriebiger Sportdirektor. Ein Beben? Ja und nein.

Dank der Länderspielpause hat Dortmund Zeit zum Sammeln. Zudem sind drei wichtige Personalien für die neue Saison bereits entschieden: Die Verträge von Brandt, Salih Özcan und Niklas Süle werden nicht verlängert. Bei der Zukunft von Nico Schlotterbeck, Kehls Top-Transfer, ist Schwarz-Gelb ohnehin allein vom Plan des Spielers abhängig.

BVB vor großem Kaderumbau nach Kehl-Aus

Viel Zeit haben die ambitionierten Westfalen aber nicht. Trotz Rang zwei in der Bundesliga kann der BVB nicht mit der Saison zufrieden sein. Das Aus im DFB-Pokal wäre zu verschmerzen, der mäßige Auftritt in der Champions League ist es nicht. Der Handlungsbedarf ist immens und akut.

Kehls Nachfolger muss den Kader runderneuern. In der Abwehr, im zentralen Mittelfeld und wohl auch auf den Seiten, wenn das Flügelspiel zur Option werden soll. Gesucht: ehrgeizige Spieler mit Widerstandskraft, möglichst nicht zu teuer.

Ob Markus Krösche ein Kandidat für den Posten ist, weil er kürzlich beim Essen mit BVB-Trainer Niko Kovac gesichtet wurde? Vermutlich nicht, aber genau so ein Typ würde passen: Bei Eintracht Frankfurt erzielte er spektakuläre Transferüberschüsse. Er kommt kreativ mit schmalerem Budget klar. Für den BVB wäre externe Expertise die Chance, nicht länger im eigenen Saft zu schmoren.

Machtverschiebung durch Ricken sorgt für Konflikte

So sympathisch es sein mag, Leute mit Stallgeruch im Klub zu haben, in Dortmund könnte das ein Problem gewesen sein. Als Hans-Joachim Watzke 2024 Kehl die noch größere Vereins-Ikone Lars Ricken als Sport-Geschäftsführer vor die Nase setzte, waren Konflikte programmiert. Hatte der BVB etwa spekuliert, der ehrgeizige Kehl werde freiwillig gehen? Nun gibt es klare Fronten.

Sebastian Kehl und Lili Engels sind im Ministudio.

BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl über die Partie in Leipzig, die anstehenden Aufgaben in der Champions League und gegen Bayern sowie die Vertragsgespräche mit Nico Schlotterbeck.

21.02.2026 | 3:45 min

Kehls Aus kommt nur vom Zeitpunkt überraschend. Es wäre verwunderlich, hätte der Klub keinen Plan B. Zu oft ist Kritik nach außen gedrungen, seit mindestens einem Jahr. Aktuell hat die "Bild" ihr Ohr am Flurfunk, Kehl sei intern als zögerliche Ich-AG verschrien: "Mr. Maybe" (Herr "Vielleicht") haben sie ihn hinter vorgehaltener Hand genannt."

Schwache Transferbilanz beim BVB belastet Kader

Kritik an Transfers muss sich der 46-Jährige indes stellen. Erfolgen als Verkäufer stehen die mäßige Bilanz beim Einkauf gegenüber. 360 Millionen Euro gab Kehl aus, seit er 2022 zum Sportdirektor aufstieg.

Mit steigenden Kosten sank die Fantasie: Her mit Routiniers und für die Reparaturen im Winter gern ein Banddrücker vom FC Chelsea. Der unausgewogene Kader mit Personalkosten über 200 Millionen Euro fällt dem BVB gerade auf die Füße. Auf höchstem Niveau der Champions League ist Dortmund nicht wettbewerbsfähig und taugt nicht mal für die Fan-Seele.

Ramy Bensebaini 5 (Borussia Dortmund) jubelt.

Borussia Dortmund kommt gegen den Hamburger SV nach einem 0:2-Pausenstand zurück und gewinnt mit 3:2. Insgesamt bekommt der BVB drei Elfmeter, verwandelt aber nur zwei.

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BVB-Transfers enttäuschen bisher die Erwartungen

Kehl hat in Dortmunds Elefantenrunde nie allein entschieden und auch Pech gehabt. Aber die Transfers gehen nun mal auf seine Kappe. An Niklas Süle hat der BVB gut 60 Millionen Euro verloren. Pascal Groß hielt es keine zwei Jahre aus. Das letzte Wort bei Fabio Silva, Jobe Bellingham oder auch Karim Adeyemi ist längst nicht gesprochen. Aber bislang bleiben sie hinter den Erwartungen.

Dazu kommen die vielen "kleinen" Transfers, die das Budget belasten. Welcher Verein sonst kann es sich leisten, Yan Couto oder Carney Chukwuemeka für 20 Millionen Euro plus zu holen, ohne die relative Gewissheit, dass sie helfen. Ironie des Schicksals, dass Kehl zuletzt zwei Top-Talente in Südamerika angelte und zur Strategie zurückfand, die von der neuen Borussia propagiert wird.

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Über dieses Thema berichtete das ZDF in den heute-Nachrichten am 22.03.2026 um 19 Uhr.
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