Mecklenburg-Vorpommern wählt:19 Parteien treten an: Wer steht wofür bei der Landtagswahl?
von Michael Kniess
AfD oder SPD: Kurz vor der Landtagswahl ist offen, wer stärkste Kraft wird - und wer danach Mecklenburg-Vorpommern regieren kann. Alle 19 Parteien und ihre Ziele im Überblick.
Laut dem aktuellen Politbarometer liegen die AfD mit 37 Prozent und die SPD mit 34 Prozent bei der kommenden Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern annähernd gleichauf. Wie der Wahlkampf läuft.
11.09.2026 | 1:40 minKnapp eine Woche vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern läuft alles auf ein Duell zwischen AfD und SPD hinaus. Die AfD liegt laut ZDF-Politbarometer Extra vorn, doch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihre SPD haben zuletzt aufgeholt.
- ZDF-Politbarometer Extra für Mecklenburg-Vorpommern: Enges Rennen zwischen AfD und SPD
Weil bislang keine andere Partei mit der AfD regieren will, hat Schwesig trotz Platz zwei gute Chancen, Regierungschefin zu bleiben - vorausgesetzt, es findet sich eine Mehrheit jenseits der AfD.
Steffi Uhl kämpft für den Zusammenhalt im Schweriner Plattenbaugebiet Dreesch - einem Viertel, in dem soziale Unterschiede besonders deutlich sichtbar werden.
13.09.2026 | 1:50 minIm Endspurt geht es vor allem um Wirtschaft und steigende Lebenshaltungskosten, Migration, Bildung und soziale Sicherheit, aber auch um Russland, Nord Stream und die zunehmende militärische Bedeutung des Landes. Nach dem jüngsten AfD-Erfolg bei der Wahl in Sachsen-Anhalt hat sich der Wahlkampf zusätzlich zugespitzt.
Parteien für die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die SPD regiert Mecklenburg-Vorpommern seit 1994 in unterschiedlichen Koalitionen und stellt seit 1998 den Ministerpräsidenten beziehungsweise die Ministerpräsidentin. Spitzenkandidatin ist erneut Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Mit ihrem Regierungsprogramm "Aufschwung, Zusammenhalt und Respekt" hat die Partei drei Schwerpunkte: wirtschaftlichen Aufschwung und gute Arbeit, Investitionen in Bildung und soziale Sicherheit sowie die Stärkung von Zusammenhalt, Demokratie und Ehrenamt.
Wirtschaftspolitisch setzt die SPD auf umfangreiche staatliche Investitionen in Infrastruktur und die Förderung von Werften, Häfen, Mittelstand, Handwerk und Zukunftstechnologien. Gute Arbeit will sie unter anderem durch Tarifbindung und faire Bedingungen bei öffentlichen Aufträgen sichern. Erneuerbare Energien und die Wasserstoffwirtschaft sollen weiter ausgebaut, Bürger und Kommunen stärker an deren Erträgen beteiligt werden. Auch den Tourismus will die Partei durch Investitionen und eine bessere Verkehrsanbindung stärken.
Sozial- und bildungspolitisch will die SPD die Beitragsfreiheit der Kitas garantieren und gleichzeitig die Betreuungsqualität verbessern. Schulen sollen modernisiert und digitalisiert sowie Medien-, Demokratie- und KI-Kompetenzen gestärkt werden. In der Gesundheitspolitik verspricht die Partei den Erhalt aller Krankenhausstandorte und eine wohnortnahe medizinische Versorgung. Bezahlbarer Wohnraum, Pflege, Mobilität und öffentliche Infrastruktur sollen insbesondere auch im ländlichen Raum gesichert werden. Gesellschaftspolitisch setzt die SPD auf Bürgerräte, mehr Bürgerbeteiligung sowie die Förderung von Ehrenamt, Kultur und Demokratieprojekten.
Die AfD geht mit deutlich gewachsenem politischen Gewicht in die Landtagswahl. Nachdem sie 2016 und 2021 jeweils die größte Oppositionsfraktion im Schweriner Landtag gestellt hatte, wurde sie bei der Europawahl 2024 mit 28,3 Prozent und bei der Bundestagswahl 2025 mit 35,0 Prozent der Zweitstimmen stärkste Partei in Mecklenburg-Vorpommern. Zur Landtagswahl 2026 tritt der Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm als Ministerpräsidentenkandidat an.
Programmatisch setzt die AfD besonders auf innere Sicherheit, eine restriktivere Migrationspolitik, eine stärker leistungsorientierte Bildungspolitik und einen wirtschafts- und energiepolitischen Kurswechsel. Polizei und Justiz sollen personell und materiell gestärkt, die Strafmündigkeit auf zwölf Jahre abgesenkt und freiwillige Sicherheitshelfer eingesetzt werden. Innerhalb der Landespolizei will die Partei eine Einheit für Grenzkontrollen und Rückführungen schaffen. In der Migrationspolitik fordert sie insgesamt eine stärkere Begrenzung der Zuwanderung und konsequentere Abschiebungen.
In der Bildungspolitik will die AfD das mehrgliedrige Schulsystem und eigenständige Förderschulen erhalten. Für den Zugang zum Gymnasium sollen Leistungen und Noten stärker ausschlaggebend sein. Zugleich wendet sich die Partei gegen eine aus ihrer Sicht zunehmende "Politisierung" des Unterrichts und kritisiert bestimmte Formen der Demokratie-, Familien- und Geschlechterbildung. Wirtschaftspolitisch setzt sie auf weniger staatliche Eingriffe, Bürokratieabbau und mehr Wettbewerb. In der Energiepolitik lehnt sie den bisherigen Ausbau von Wind- und Solarenergie ab und fordert eine Rückkehr zur Kernenergie. Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die AfD seit 2021 als rechtsextremistischen Verdachtsfall, unter anderem da ihr Volksverständnis im Widerspruch zu dem des Grundgesetzes stehe.
Die CDU geht mit dem Anspruch auf einen politischen Wechsel in die Landtagswahl. Von 1990 bis 1998 stellte sie den Ministerpräsidenten, von 2006 bis 2021 war sie Juniorpartner in SPD-geführten Landesregierungen. Seit der Wahl 2021, bei der sie mit 13,3 Prozent ihr bislang schwächstes Landesergebnis erreichte, sitzt sie wieder in der Opposition. Spitzenkandidat ist der Landes- und Fraktionsvorsitzende Daniel Peters. Eine Regierungskoalition sowohl mit der AfD als auch mit der Linken schließt die CDU aus.
Inhaltlich hat die Partei einen Schwerpunkt auf Wirtschaft und Arbeitsplätze. Sie will die Ansiedlung neuer Industrieunternehmen erleichtern, Investitionen fördern und hohe Stromkosten für Unternehmen abfedern. Bürokratie soll reduziert und die Verwaltung stärker digitalisiert werden, wobei auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen soll. Für den ländlichen Raum fordert die CDU insbesondere bessere Verkehrsinfrastruktur und verlässliche öffentliche Angebote.
In der Innenpolitik setzt die CDU auf eine bessere personelle und technische Ausstattung von Polizei und Justiz sowie eine stärkere Videoüberwachung öffentlicher Räume. Bildungspolitisch hält sie am gegliederten Schulsystem, den Regionalen Schulen und eigenständigen Förderschulen fest. Kinder sollen vor der Einschulung ausreichende Deutschkenntnisse besitzen. Andernfalls fordert die CDU verpflichtende Sprachförderung und gegebenenfalls eine spätere Einschulung.
Die Linke geht als Juniorpartnerin der SPD in die Landtagswahl 2026. Bereits ihre Vorgängerpartei PDS regierte von 1998 bis 2006 gemeinsam mit der SPD. Seit 2021 ist die Linke erneut an der Landesregierung beteiligt und stellt zwei Ministerinnen. Spitzenkandidatin ist Bildungsministerin Simone Oldenburg. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die Partei 9,9 Prozent erreicht.
Programmatisch setzt die Linke vor allem auf Bildung, bezahlbares Wohnen und soziale Sicherheit. In Kitas und Horten sollen die Gruppen kleiner werden, jede Schule soll über Schulsozialarbeit verfügen. Förderschulen will die Partei in inklusive Regelschulen überführen. Beim Wohnen setzt sie sich bundesweit für einen Mietendeckel in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt ein und will kommunale sowie genossenschaftliche Wohnungsunternehmen stärken.
Sozialpolitisch fordert die Linke einen Aktionsplan gegen Armut, bessere soziale Angebote im ländlichen Raum und einen Landesfonds zur Entlastung im Pflegebereich. Der öffentliche Nahverkehr soll für alle unter 21 Jahren kostenlos werden. Um mehr staatliche Investitionen zu ermöglichen, will die Partei die Schuldenbremse abschaffen. Gleichzeitig sollen niedrigere Hürden für Volksbegehren und Volksentscheide die direkte Beteiligung der Bevölkerung erleichtern.
Die Grünen treten 2026 mit der Bundestagsabgeordneten Claudia Müller als Spitzenkandidatin an. Die Partei war von 2011 bis 2016 und ist erneut seit 2021 als Oppositionspartei im Landtag vertreten. Bei der vergangenen Landtagswahl erreichte sie 6,3 Prozent. Programmatisch stehen Klima- und Energiepolitik im Mittelpunkt. Mecklenburg-Vorpommern soll bis 2035 treibhausgasneutral werden, Wind- und Solarenergie sollen schneller ausgebaut und die Bevölkerung stärker an den Erträgen beteiligt werden.
Die Energiewende versteht die Partei zugleich als Wirtschaftspolitik: Günstiger Strom aus erneuerbaren Quellen soll Unternehmen und energieintensive Industrien ins Land holen. Auch maritime Wirtschaft, Häfen, Werften, Wasserstoff und nachhaltiger Tourismus sollen neue Wertschöpfung schaffen. Beim Schutz der Ostsee wollen die Grünen unter anderem Nährstoff- und Schadstoffeinträge reduzieren, Meeresschutzgebiete stärken und geschädigte Lebensräume wiederherstellen.
Sozialpolitisch setzen die Grünen unter anderem auf bezahlbares Wohnen und bessere Betreuungsbedingungen in Kitas. Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern wollen sie Gesundheits-, Bildungs- und Mobilitätsangebote auch im ländlichen Raum sichern. Besonders weitgehend sind ihre Forderungen beim Nahverkehr: Bus und Bahn sollen landesweit mindestens im Stundentakt verkehren, stillgelegte Bahnstrecken reaktiviert und das Deutschlandticket für alle unter 27 Jahren kostenlos werden. Gesellschaftspolitisch betonen die Grünen Gleichstellung, Bürgerrechte, soziale Teilhabe und den Schutz von Minderheiten.
Die FDP kämpft bei der Landtagswahl 2026 erneut um ihre parlamentarische Existenz. Nach ihrem Wiedereinzug 2021 mit 5,8 Prozent und fünf Abgeordneten verlor sie durch den Wechsel beziehungsweise Austritt zweier Abgeordneter im April 2025 ihren Fraktionsstatus. Seit Juni 2025 bilden die drei verbliebenen FDP-Abgeordneten nur noch eine parlamentarische Gruppe. Spitzenkandidat ist der Jurist und Hochschullehrer Jakob Schirmer, der die Liberalen wieder als eigenständige Fraktion in den Landtag führen will.
Programmatisch setzt die FDP vor allem auf Bildung, Wirtschaft und Gesundheit. In der Schulpolitik fordert sie einen deutlichen Strukturwechsel: Die Regionale Schule soll abgeschafft, Haupt- und Realschule sollen wieder eingeführt werden. Gleichzeitig will die Partei einzelnen Schulen mehr Autonomie geben und den bisherigen Religionsunterricht durch einen neutralen Unterricht über Religionen ersetzen.
Wirtschaftspolitisch setzt die FDP auf weniger staatliche Regulierung, Bürokratieabbau, Wettbewerb und private Investitionen. Kleine und mittlere Unternehmen sollen unter anderem durch ein vereinfachtes Vergaberecht entlastet werden. Auch das Verbot der Sonntagsöffnung will die Partei aufheben. Im Gesundheitsbereich sollen Telemedizin ausgebaut und Dokumentationspflichten reduziert werden. Mehr Medizinstudienplätze sollen an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, später im Land zu arbeiten. Mit Stipendien für Landeskinder will die FDP zusätzlich medizinischen Nachwuchs für Mecklenburg-Vorpommern gewinnen. Im ländlichen Raum setzt die Partei auf bessere Verkehrswege, schnelles Internet und digitale Gesundheitsangebote.
Die Tierschutzpartei wurde 1993 gegründet und hat ihre Wurzeln in der Tierrechtsbewegung. Sie tritt bei der Landtagswahl 2026 unter ihrem neuen offiziellen Namen "PARTEI MENSCH KLIMA TIERSCHUTZ" an. Die Partei tritt ausschließlich mit einer Landesliste an und hat keine Direktkandidaten in den Wahlkreisen aufgestellt.
Im Mittelpunkt des Wahlprogramms stehen Tier-, Klima- und Naturschutz. Die Partei fordert ein Ende der "Massentierhaltung" und der "Hobbyjagd" und will landwirtschaftliche Betriebe beim Ausstieg aus der Tierhaltung unterstützen. Ein unabhängiger Tierschutzbeauftragter soll die Interessen von Tieren auf Landesebene stärker vertreten. Mecklenburg-Vorpommern soll nach dem Willen der Partei bis 2035 klimaneutral werden. Erneuerbare Energien sollen dafür weiter ausgebaut werden.
Darüber hinaus verbindet die Tierschutzpartei ihre ökologischen Forderungen mit sozialpolitischen Zielen. In Kitas, Horten und Schulen soll kostenlos veganes Essen angeboten werden. Den öffentlichen Nahverkehr will sie ausbauen und langfristig für die Fahrgäste entgeltfrei machen. Gleichzeitig fordert sie mehr sozialen Wohnungsbau und eine stärkere finanzielle Unterstützung strukturschwacher Kommunen. Gesellschaftspolitisch steht die Partei überwiegend für linksliberale Positionen, soziale Inklusion und Gleichberechtigung.
Die Freien Wähler sind in Mecklenburg-Vorpommern bislang nicht aus eigener Kraft in den Landtag eingezogen. Eine Besonderheit ihrer Geschichte im Land ist die zeitweilige Existenz der Fraktion "Freie Wähler/BMV": Vier 2017 aus der AfD-Fraktion ausgetretene Abgeordnete hatten zunächst die Fraktion Bürger für Mecklenburg-Vorpommern gegründet, die sich im November 2018 in "Freie Wähler/BMV" umbenannte. Im Oktober 2019 verlor sie nach weiteren Partei- und Fraktionswechseln ihren Fraktionsstatus.
Bei der Landtagswahl 2026 setzen die Freien Wähler programmatisch vor allem auf mehr direkte Demokratie, eine Stärkung des ländlichen Raums und finanziell handlungsfähigere Kommunen. Der Ministerpräsident soll direkt gewählt und die Sperrklausel bei Landtagswahlen von fünf auf drei Prozent abgesenkt werden. Auch die Hürden für Volksbegehren und Volksentscheide sollen sinken.
Den ländlichen Raum will die Partei durch zusätzliche Wirtschaftsförderung, einen besseren öffentlichen Nahverkehr und den Ausbau der digitalen Infrastruktur stärken. Familien sollen mehr finanzielle Anreize erhalten, auch um die Geburtenrate zu erhöhen. Beim Katastrophenschutz fordert die Partei neue Strukturen auf Landesebene und mehr Geld für freiwillige Feuerwehren. Zudem will sie die regionale Landwirtschaft schützen und erneuerbare Energien stärker nutzen.
Die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", kurz Die Partei, wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins "Titanic" gegründet. Bundesvorsitzender ist seit der Gründung der frühere "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn. Die Partei tritt bei der Landtagswahl 2026 mit ihrem "Sofort-Programm für MV" an.
Charakteristisch für das Programm dieser Partei ist die Mischung aus politischer Satire und ernsthafter Programmatik. So fordert Die Partei etwa eine "Klimakuppel" über Mecklenburg-Vorpommern, die Landwirtschaft und Tourismus ganzjährig ermöglichen soll. Ein "antitouristischer Schutzwall" soll sogenannte "Schlechtwetter-Flüchtlinge" fernhalten, während Polizeiuniformen künftig in kräftigem Rosa gehalten werden sollen.
Daneben enthält das Programm Forderungen mit einem konkreteren politischen Kern. Die Partei will die von ihr so bezeichnete Massentierhaltung von Geflügel abschaffen und auf frei werdenden Flächen den Hanfanbau fördern. Sie fordert außerdem ein Ausländerwahlrecht und ein bedingungsloses Grundeinkommen bis zum 16. Lebensjahr. Damit verbindet die Partei ihre satirische Inszenierung mit Positionen, die überwiegend dem linken beziehungsweise gesellschaftspolitisch liberalen Spektrum zuzuordnen sind.
Die Piraten treten bei der Landtagswahl 2026 erneut als außerparlamentarische Kleinpartei an. Inhaltlich bleiben Datenschutz, digitale Bürgerrechte und Transparenz zentrale Themen. Sie wollen das Briefgeheimnis auf E-Mails, Messenger-Nachrichten und Telefonate ausweiten und verlangen mehr Transparenz bei der Besetzung öffentlicher Ämter, bei Lebensmittelkontrollen und in Mediengremien. Bei Kommunalwahlen soll das Wahlrecht unabhängig von der Staatsangehörigkeit gelten. Außerdem sollen Gewinne der Sparkassen an die Kommunen ausgeschüttet werden.
In der Bildungspolitik fordert die Partei unter anderem flexiblere Zeiten für den Unterrichtsbeginn. Einen für Mecklenburg-Vorpommern besonders spezifischen Akzent setzt sie mit der Forderung, den freien Zugang zu Seen, Wäldern, Mooren und Küsten als Recht in der Landesverfassung zu verankern. Darüber hinaus positionieren sich die Piraten gegen die Privatisierung von Krankenhäusern und wollen bezahlbares Wohnen durch Genossenschaften und alternative Wohnmodelle fördern.
Die ÖDP tritt 2026 zum dritten Mal bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Bei ihrem letzten Antritt 2021 erhielt sie 0,1 Prozent. Die Partei ist bislang in keinen Landtag eingezogen, verfügt aber seit 2014 über ein Mandat im Europäischen Parlament. Programmatisch verbindet die ÖDP Umwelt- und Naturschutz mit einer grundsätzlichen Kritik am wirtschaftlichen Wachstumszwang. Öffentliche Unternehmen sollen Gemeinwohl-Bilanzen erstellen, und die Landesregierung soll gemeinsam mit Kammern und Verbänden eine stärker gemeinwohlorientierte Wirtschaft fördern. Immobilienspekulationen will die Partei eindämmen und Genossenschaftsprojekte durch ein Vorkaufsrecht unterstützen.
Im Tourismus wendet sie sich gegen Massentourismus und setzt stattdessen auf eine naturverträglichere Entwicklung. Beim Ausbau erneuerbarer Energien unterscheidet sich die ÖDP teilweise von den Grünen: Sie unterstützt die Energiewende grundsätzlich, fordert für Windkraftanlagen aber stärkere Rücksicht auf Natur- und Artenschutz, etwa in Vogelzuggebieten, sowie größere Abstände zu Siedlungen. Das atomare Zwischenlager Lubmin will sie auflösen. In der Bildungspolitik fordert die Partei für alle Schüler mindestens ein Jahr Unterricht im Fach "Umwelt, Ökologie und Ernährung".
Bündnis C - Christen für Deutschland tritt 2026 erneut zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Die Partei entstand 2015 aus dem Zusammenschluss mehrerer christlicher Parteien, darunter die Partei Bibeltreuer Christen und "AUF - Partei für Arbeit, Umwelt und Familie". Bei der Landtagswahl 2021 erreichte Bündnis C 0,1 Prozent.
Programmatisch stellt Bündnis C ein christlich-konservatives Familien- und Gesellschaftsbild in den Mittelpunkt. Die Partei fordert die Förderung sogenannter "Pro-Geburt"-Beratungsstellen und tritt grundsätzlich für einen weitreichenden Schutz ungeborenen Lebens ein. Eltern sollen bis zum Schuleintritt ihrer Kinder ein Erziehungsgehalt erhalten. Im Gegenzug will die Partei nicht auf die Subventionierung beitragsfreier Kita- und Krippenplätze setzen. Zudem fordert Bündnis C eine Gleichbehandlung von Schöpfungs- und Evolutionslehre.
In der Landwirtschaft wendet sich die Partei gegen Monokulturen und setzt sich für artgerechte Tierhaltung ein. Moore sollen als CO2-Speicher wiedervernässt und die Waldflächen des Landes vergrößert werden. Sicherheitspolitisch fordert Bündnis C zusätzliche Polizeikräfte und betont ausdrücklich den Schutz jüdischen Lebens. Damit verbindet die Partei gesellschaftspolitisch stark konservative Positionen mit einzelnen ökologischen Forderungen, die sie aus ihrem christlichen Verständnis der "Bewahrung der Schöpfung" ableitet.
Das Bündnis Sahra Wagenknecht tritt 2026 erstmals bei einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Das BSW verbindet in seinem Programm sozial- und wirtschaftspolitische Forderungen mit einem starken friedenspolitischen Schwerpunkt. Die Partei fordert einen gesetzlichen Mindestlohn von mindestens 15 Euro, eine stärkere Tarifbindung, bezahlbare Energie und Unterstützung für kleine und mittelständische Unternehmen. Gesundheitsversorgung und Pflege sollen stärker am Gemeinwohl statt an Renditeinteressen ausgerichtet werden. In der Bildungspolitik fordert das BSW ein verpflichtendes Vorschuljahr und will an beitragsfreien Kitas festhalten. Zugleich sollen öffentliche Infrastruktur und Daseinsvorsorge insbesondere im ländlichen Raum verbessert werden.
Ein besonders markantes Profil hat das BSW in der Außen-, Sicherheits- und Energiepolitik. Mecklenburg-Vorpommern soll sich für Abrüstung und Dialog einsetzen. Den weiteren Ausbau militärischer Infrastruktur und das Nato-Hauptquartier in Rostock lehnt die Partei ab. Die Nord-Stream-Pipelines nach Russland sollen wieder in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig bekennt sich das BSW zum Ausbau erneuerbarer Energien, fordert bei Windparks aber größere Schutzräume für Dörfer und Gemeinden. Die Corona-Politik will die Partei durch einen Untersuchungsausschuss des Landtags aufarbeiten lassen.
Die Handwerker Partei Deutschland tritt 2026 erstmals zu einer Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Die 2023 in Thüringen vom ehemaligen AfD-Landtagsabgeordneten Birger Gröning gegründete Partei bildete im Februar 2025 einen Landesverband in Mecklenburg-Vorpommern. In ihrem Zehn-Punkte-Programm für Mecklenburg-Vorpommern fordert die Partei, dass Sozialleistungen nicht höher sein sollen als Einstiegslöhne im Handwerk. Öffentliche Aufträge unter 250.000 Euro sollen bevorzugt an regionale Betriebe gehen, die Meisterausbildung soll kostenfrei werden. Gleichzeitig will die Partei Verwaltungsverfahren erheblich beschleunigen: Für jede neue Regel sollen zwei alte entfallen, und bei vollständigen Anträgen soll nach vier Wochen ohne Behördenentscheidung eine Genehmigungsfiktion greifen.
In den Schulen soll ab Klasse fünf das Fach Werken angeboten und berufliche Bildung stärker aufgewertet werden. Die Partei fordert wohnortnahe Polizeireviere, schnellere Justizverfahren sowie Landarzt-Stipendien, Gemeindeschwestern und mobile Arztpraxen. Junge Menschen und Familien sollen durch Gründerförderung, leichter verfügbares Bauland, Wohnangebote und bessere digitale Infrastruktur zum Bleiben bewegt werden.
Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) tritt 2026 erstmals zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Die Verfassungsschutzbehörden Thüringens und Brandenburgs stufen sie als linksextremistisch ein.
Im Mittelpunkt ihres Landeswahlprogramms steht eine weitreichende Vergesellschaftung von Eigentum. Energieversorgung, große Werften und Industrieanlagen, Verkehr, zentrale landwirtschaftliche Flächen, Wohnungsbestände und Pflegekonzerne sollen in öffentliches Eigentum überführt werden. Daneben fordert die KPD höhere Löhne und eine Angleichung an das westdeutsche Niveau, einen Mietendeckel, den Erhalt aller Krankenhausstandorte, gebührenfreie Bildung nach DDR-Vorbild und die Abschaffung der Schuldenbremse.
Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Friedens- und Sicherheitspolitik. Die KPD wendet sich gegen eine aus ihrer Sicht zunehmende Militarisierung Mecklenburg-Vorpommerns und lehnt die Produktion von Rüstungsgütern auf den Werften ab. Stattdessen fordert sie eine Umstellung auf zivile Produktion. Außenpolitisch setzt sie auf eine deutsch-russische Annäherung und verlangt die Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines. Ihren Wahlkampf stellt sie unter die Forderung, die Ostsee müsse ein "Meer des Friedens" sein.
Die Partei des Fortschritts (PdF) tritt 2026 erstmals unter eigenem Namen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Die 2020 gegründete Partei erzielte ihren bislang größten Erfolg bei der Europawahl 2024, als sie mit 0,6 Prozent ein Mandat gewann. Inhaltlich präsentiert sich die PdF als pragmatische, digitalisierungsfreundliche und beteiligungsorientierte Partei. Sie will Bürokratie für Mittelstand und Handwerk abbauen, digitale Verwaltungsverfahren vorantreiben und KI stärker in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung nutzen. Zugleich fordert sie Wohnförderprogramme für Familien und Sozialwohnungen. Die Polizei soll mit Bodycams und Tasern ausgestattet werden und unter rechtsstaatlichen Vorgaben KI-basierte Analysesysteme einsetzen können.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Bürgerbeteiligung und Transparenz. Die PdF will Kommunen gesetzlich zu Beteiligungsverfahren verpflichten, ausgeloste Bürgerräte auf Landesebene institutionalisieren und ein Lobbyregister einführen. Bildungspolitisch setzt sie auf digitale und handwerkliche Kompetenzen sowie einen konfessionsfreien Ethikunterricht anstelle des konfessionellen Religionsunterrichts. Gleichzeitig will sie Kita-Gebühren wieder einführen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchte die Partei auf ein freiwilliges Abonnementmodell umstellen.
Team Freiheit tritt 2026 erstmals überhaupt bei einer Wahl an. Die libertäre Kleinpartei wurde 2025 gegründet und ging aus dem Umfeld des gleichnamigen Vereins hervor. Zu ihren prägenden Gründungsfiguren gehören die frühere AfD-Vorsitzende Frauke Petry und der ehemalige FDP-Politiker Thomas Kemmerich. In Mecklenburg-Vorpommern wurde 2026 ein eigener Landesverband gegründet. Spitzenkandidat ist der Schweriner Unternehmer Paul Bressel, der 2024 noch als FDP-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern zur Europawahl angetreten war.
Programmatisch vertritt Team Freiheit einen ausgeprägt libertären Ansatz. Der Staat soll sich im Wesentlichen auf Sicherheit, Justiz beziehungsweise Verfassungsordnung und Infrastruktur beschränken und sich aus vielen anderen Lebensbereichen zurückziehen. Die Partei fordert einen radikalen Bürokratieabbau, niedrigere Steuern und Abgaben, ein Ende staatlicher NGO-Förderung, eine Lockerung des Waffenrechts, den Schutz von Bargeld und digitaler Privatsphäre sowie die Abschaffung des Rundfunkbeitrags. Im MV-Wahlprogramm geht sie noch weiter und kündigt an, während einer gesamten Wahlperiode kein neues Landesgesetz beschließen, sondern stattdessen bestehende Vorschriften streichen zu wollen.
Während Team Freiheit in Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen auf möglichst wenig staatliche Regulierung setzt, fordert die Partei in der Migrationspolitik stärkere staatliche Eingriffe. Außerdem lehnt sie die sogenannte Brandmauer und eine Impfpflicht ab. Bildungspolitisch will sie die Schulpflicht beenden. Organisatorisch setzt die Partei ebenfalls auf ein ungewöhnliches Modell: Sie will Mandate und Parteimitgliedschaft voneinander trennen und präsentiert ihre Kandidierenden mit individuellen politischen Schwerpunkten.
Volt tritt 2026 erstmals zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Die deutsche Partei wurde 2018 als Teil der paneuropäischen Bewegung Volt Europa gegründet. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ordnet sie dem sozial-liberalen Spektrum zu.
Inhaltlich konzentriert sich Volt im Landtagswahlkampf auf Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie Wirtschaft und Verwaltung. Schulen sollen digitaler, praxisnäher und inklusiver werden. Medien- und Demokratiebildung sowie die Beteiligung junger Menschen sollen gestärkt werden. Wirtschaftspolitisch setzt Volt auf Innovation, Start-ups, Digitalisierung, Bürokratieabbau und eine stärkere europäische Zusammenarbeit. Ein besonderes Merkmal ist dabei der Anspruch, erfolgreiche politische Lösungen aus anderen europäischen Ländern auf Mecklenburg-Vorpommern zu übertragen.
In der Klima- und Energiepolitik will Volt erneuerbare Energien, Elektromobilität und Wasserstofftechnologien fördern. Bürger-Wind- und Solarparks sollen die Bevölkerung stärker an der Energiewende beteiligen. Gleichzeitig setzt sich die Partei für den Schutz von Mooren und Wäldern sowie den Ausbau des ökologischen Landbaus ein. Über die Landespolitik hinaus verfolgt Volt eine dezidiert proeuropäische Agenda und strebt langfristig eine stärker integrierte Europäische Union bis hin zu einer Europäischen Republik an.
Die Partei Wir leben Demokratie (WLD) wurde im Januar 2026 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet und tritt erstmals zu einer Landtagswahl an. Sie ging aus einer gleichnamigen Wählervereinigung hervor und hat ihre Wurzeln vor allem in der Kommunalpolitik im Landkreis Ludwigslust-Parchim und in Plau am See.
Die Partei setzt vor allem auf die Stärkung von Kommunen und ländlichen Regionen. Städte und Gemeinden sollen finanziell und politisch mehr Handlungsspielraum erhalten, Bürokratie und Genehmigungszeiten sollen reduziert werden. Gleichzeitig fordert WLD bessere Bahn- und ÖPNV-Verbindungen, flächendeckendes Glasfaser und 5G sowie Investitionen in kommunale Straßen. Wirtschaftspolitisch setzt sie auf neue Industrie- und Technologieunternehmen, maritime Wirtschaft, Start-ups und eine stärkere Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen.
Weitere Schwerpunkte sind Fachkräftesicherung, Bildung, Gesundheit und Energie. Die WLD befürwortet gezielte Fachkräftezuwanderung und eine schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Schulen sollen digitalisiert, die berufliche Bildung gestärkt und Grundschulkindern kostenlose Mahlzeiten angeboten werden. Im ländlichen Gesundheitswesen setzt die Partei auf Landarztprogramme, Telemedizin, mobile Praxen und kleine Krankenhäuser. Energiepolitisch will sie Offshore-Windkraft und Wasserstoffwirtschaft ausbauen, verlangt dabei aber eine stärkere Beteiligung von Bürgern und Kommunen.
Mit Material der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)
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