Libanon: Fragile Waffenruhe - Israel droht Hisbollah

Libanesische Armee meldet Verstöße:Fragile Waffenruhe im Libanon - Israel droht Hisbollah

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Zwischen Libanon und Israel ist eine Waffenruhe in Kraft, die libanesische Armee warf Israel aber bereits Verstöße vor. Netanjahu drohte der Hisbollah zudem mit weiteren Angriffen.

Vertriebene fahren am 17. April 2026 auf dem Weg zurück in ihre Heimat auf einer Autobahn in Rmeileh am nördlichen Eingang der libanesischen Stadt Sidon. Tausende vertriebene libanesische Zivilisten machten sich am 17. April auf den Weg, in der Hoffnung, dass ein zehntägiger Waffenstillstand mit Israel ihnen die Rückkehr in ihre Häuser im Süden Beiruts und im vom Krieg zerrütteten Süden des Landes ermöglichen würde.

Trotz Beginn der Waffenruhe zwischen Israel und Libanon bleibt die Lage angespannt. Nach Angaben aus Beirut hat Israel die seit Mitternacht geltende Feuerpause bereits verletzt.

17.04.2026 | 2:22 min

Vorsichtige Hoffnungen und neue Befürchtungen haben die seit Freitag geltende Feuerpause im Libanon geprägt: Die zehntägige Waffenruhe zwischen Libanon und Israel trat um Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) in Kraft, die libanesische Armee warf der israelischen Seite jedoch bereits kurz darauf Verstöße vor.

Netanjahu: "Mit Hisbollah noch nicht fertig"

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu drohte zudem mit neuen Angriffen gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon: "Israel ist mit der Hisbollah noch nicht fertig."

Trotz der vereinbarten Feuerpause plane Israel weitere Maßnahmen, um auf "die verbleibende Raketen- und Drohnenbedrohung" zu reagieren, erklärte Netanjahu. Das Ziel der "Zerschlagung der Hisbollah" werde nicht "über Nacht erreicht". Dafür seien "anhaltende Anstrengungen", Geduld, Ausdauer und Diplomatie erforderlich.

Schaltgespräch mit ZDF-Korrespondentin Golineh Atai zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon

"Bei dem Abkommen geht es nicht wirklich um eine Waffenruhe, sondern um eine kurze Deeskalation", sagt ZDF‑Korrespondentin Golineh Atai zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon.

17.04.2026 | 1:50 min

Waffenruhe unter US-Vermittlung

Die Waffenruhe war unter US-Vermittlung zustande gekommen. Washington habe Israel "verboten", den Libanon nach Inkrafttreten der Feuerpause weiterhin zu bombardieren, erklärte US-Präsident Donald Trump in seinem Onlinedienst Truth Social. "Genug ist genug!", betonte Trump. Die USA würden mit dem Libanon zusammenarbeiten, um gegen die Hisbollah-Miliz vorzugehen.

Kurz nach Trumps Beitrag berichtete die libanesische Nachrichtenagentur NNA, dass bei einem israelischen Drohnenangriff ein Motorradfahrer in der Stadt Kunin bei Bint Dschbeil im Süden des Landes getötet worden sei. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht dazu.

Die Waffenruhe war von Trump am Donnerstag verkündet worden. Sie schließt auch die schiitische Hisbollah ein, die im Libanon eine Art Staat im Staat bildet.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, der britische Premierminister Keir Starmer, der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei einer Pressekonferenz nach einem multinationalen Koalitionsgipfel im Elysee-Palast.

Die USA und Iran blockierten bisher beide die Straße von Hormus. Heute berät eine Koalition der Willigen in Paris, wie zur Sicherung der wichtigen Meerenge beigetragen werden kann.

17.04.2026 | 1:45 min

Libanesische Armee meldet "israelische Aggressionen"

Laut Abkommen ist Israel jedoch weiterhin berechtigt, gegen die Hisbollah vorzugehen, um "geplante, unmittelbar bevorstehende oder bereits laufende Angriffe" zu verhindern. Israel hatte zudem erklärt, dass es eine rund zehn Kilometer breite Sicherheitszone entlang der Grenze im Südlibanon aufrechterhalten werde.

Die libanesische Armee erklärte am Morgen im Onlinedienst X, es seien "mehrere israelische Aggressionen registriert worden". Die Hisbollah-Miliz teilte ihrerseits mit, sie habe als Vergeltungsmaßnahme "eine Ansammlung israelischer Soldaten in der Nähe der Stadt Chiam" im Südlibanon bombardiert. 

Israel und Libanon warnen Vertriebene vor Rückkehr

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sagte in einer Fernsehansprache, der Einsatz gegen die Hisbollah sei noch nicht beendet. In den Süden des Landes zurückgekehrte Vertriebene müssten sich erneut in Sicherheit bringen, falls die Kämpfe wieder aufgenommen würden. 

SGS- Scheller-Goekdemir

"Seit 40 Jahren hat es keine direkten Gespräche zwischen der libanesischen und israelischen Regierung gegeben", so Bente Scheller. Die Waffenruhe sei ein guter Auftakt.

17.04.2026 | 4:22 min

Auch die libanesische Armee warnte Vertriebene vor einer Rückkehr in den Süden des Landes. Dennoch machten sich Tausende auf den Weg zurück in ihre Heimatorte.

Wenige Minuten vor Inkrafttreten der Waffenruhe waren libanesischen Angaben zufolge bei israelischen Angriffen in Tyros im Südlibanon mindestens 13 Menschen getötet und 35 weitere verletzt worden.

Direkte Gespräche zwischen Vertretern Israels und Libanons 

Am Dienstag hatten in Washington erstmals seit drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter Israels und des Libanons direkte Gespräche geführt. Die beiden Nachbarländer unterhalten bisher keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.

sgs bates sievers

Den Libanon von der Hisbollah zu befreien, darin seien sich die Verhandlungspartner wohl einig, so ZDF-Korrespondentin Claudia Bates noch vor den Verhandlungen zur Waffenruhe.

14.04.2026 | 2:08 min

Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die Hisbollah als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei den israelischen Angriffen wurden libanesischen Angaben zufolge bisher mindestens 2.294 Menschen getötet. Rund eine Million Menschen wurden vertrieben.

Quelle: AFP
Über dieses Thema berichtete das ZDF unter anderem am 17.04.2026 in den heute-Nachrichten ab 19:00 Uhr.

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