Wasserstoff-Plan von Rheinmetall:Können E-Fuels die Bundeswehr unabhängiger machen?
von Markus Aust
Der Iran-Krieg zeigt, wie fragil Öllieferketten sind. Rheinmetall bietet Europas Streitkräften an, sie davon unabhängiger zu machen. Klingt sinnvoll, aber ist das umsetzbar?
Der Rüstungskonzern Rheinmetall möchte in Zukunft E-Fuels produzieren. Angesichts der aktuellen Lage in der Straße von Hormus gewinnt das Vorhaben an Relevanz.
19.04.2026 | 1:03 minHinter dem etwas kryptischen Titel verbirgt sich ein sehr verständliches Angebot: "Giga Ptx" kann Europa militärisch unabhängig von fossilen Energien machen. Und zwar zu 100 Prozent. So steht es in dem Konzept, das der Feder des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall entstammt.
Die "Giga Ptx"-Strategie sieht vor, den gesamten Bedarf an Kraftstoff für Europas Armeen in Europa zu produzieren - in Form von synthetischen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels. Technisch sei das - genau wie im Automobilsektor - schon heute möglich, sagt der Konzern:
Wenn Giga Ptx als Projekt, wie wir es definiert haben, umgesetzt ist, dann haben wir mit der Kraftstoffversorgung eine der größten Herausforderungen unserer Streitkräfte in Europa für den Kriegs- und Krisenfall gelöst.
Shena Britzen, Head of Hydrogen Program bei der Rheinmetall AG
Iran greift Staaten in der Golfregion an. Zunehmend ist der Energiesektor ins Visier geraten - mit Folgen für Ölpreise und Weltwirtschaft.
12.03.2026 | 1:32 minEuropas Armeen wegen Öl-Importen verwundbar
Ob als (Schiffs-)Diesel und Kerosin für Boote, Panzer und Kampfjets oder innerhalb der Logistikketten zur Truppenversorgung - jedes Militär auf der Welt ist abhängig von fossilen Energien. Für die Staaten, die Öl selbst fördern, ist das kein Problem. Für alle anderen kann es das - im Fall des Falles - werden.
Die Bundeswehr bezieht ihre Kraftstoffe wie ein normales Unternehmen über den zivilen Markt. Energie-Experte Loyle Campbell vom Zentrum für Klima und Außenpolitik der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) erklärt:
Europas Streitkräfte, inklusive der Bundeswehr, sind stark abhängig vom Import fossiler Energien. Das macht sie anfällig für globale Störungen.
Loyle Campbell, Research Fellow, Zentrum für Klima und Außenpolitik der DGAP
Das Verteidigungsministerium teilt auf Nachfrage mit, es "bewertet fortlaufend die Eignung neuer Technologien wie E-Fuels für den Einsatz und eine mögliche Beschaffung", berücksichtigt dabei aber auch "Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit".
Bei einem Pilotprojekt in Bremerhaven sollen umweltfreundliche E-Fuels dort produziert werden, wo häufig zu viel Strom produziert wird: Bei Windkraftanlagen im Meer.
08.07.2025 | 1:34 minFür E-Fuels: Günstiger Wasserstoff gesucht
Und genau da liegt das Problem. Zur Herstellung von E-Fuels wird neben Kohlenstoffdioxid auch Wasserstoff benötigt. Letzterer wird per Elektrolyse von Wasser mit Strom freigesetzt - und dabei gehen große Mengen an Energie verloren, sodass sehr viel Strom benötigt wird. Das Problem:
Die Strompreise sind bereits hoch und werden auf einem hohen Niveau bleiben.
Loyle Campbell, Research Fellow, Zentrum für Klima und Außenpolitik der DGAP
Kurzum: Die Herstellung von Wasserstoff rechnet sich nicht; enorme Investitionen wären nötig. Doch selbst die sind keine Garantie für den Erfolg von großskaligen Wasserstoffprojekten in der Schwerindustrie.
In Deutschland gehen Produktionsanlagen für grünen Wasserstoff an den Start. Doch für deren Zukunftsfähigkeit muss die Politik noch die richtigen Weichen stellen.
15.10.2025 | 2:50 min2025 hat unter anderem der Stahlkonzern ArcelorMittal den Umbau seiner Werke in Bremen und Eisenhüttenstadt auf "grünen" Wasserstoff gestoppt - trotz Fördergeldern in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Begründung: Wasserstoff sei zu teuer und zu wenig vorhanden.
Rheinmetall wirbt für Investitionen in Giga Ptx
Rheinmetall weiß um die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dennoch trommeln die Düsseldorfer eifrig für ihr Vorhaben, zuletzt im März bei einem Diskussionsforum. Zu Gast waren unter anderem Vertreter der EU-Kommission und der Nato.
Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und strategische Autonomie haben oft Vorrang vor reinen Kostenerwägungen.
Shena Britzen, Rheinmetall AG
Mit ihren Ausführungen zu Giga Ptx scheinen sie nicht auf taube Ohren zu stoßen.
Wir merken: Egal mit wem wir über das Vorhaben sprechen - da kommt nie ein Nein zurück. Bei einigen Nationen sehen wir sehr großes und weiter zunehmendes Interesse.
Shena Britzen, Rheinmetall AG
Wer die Energiequellen beherrscht, der beherrscht auch die Welt. Doch wer kontrolliert die Produktion und den Verkauf von Energie?
16.02.2024 | 41:27 minGiga-Ptx-Ziele mit Wasserstoff realistisch?
Die komplette Energieautonomie von Europas Streitmächten wäre in fünf bis sieben Jahren möglich, prognostiziert der Rüstungskonzern. Dass Giga Ptx in Gänze realisiert wird, hält Energie-Experte Campbell für "sehr unwahrscheinlich". Aber:
Auch die Realisation eines kleinen Teils der Strategie würde einen großen Impact darauf haben, Abhängigkeiten zu reduzieren.
Loyle Campbell, Research Fellow, Zentrum für Klima und Außenpolitik der DGAP
Erste regionale E-Fuel-Pilotanlagen sollen in zwei Jahren stehen.
Markus Aust ist Reporter im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
Mehr Nachrichten zur Bundeswehr
Nach Kritik:Ministerium lockert Auslandsregelung für wehrfähige Männer
mit Video0:21Satellitenhersteller OHB will Auftrag:Ein deutsches Starlink für die Bundeswehr?
von Alexander Poelmit Video1:46Übung "Medic Quadriga 2026":Bundeswehr trainiert Versorgung verwundeter Soldaten
mit Video0:51- Analyse
Wirbel um Wehrdienstgesetz:Chaos um Meldepflicht für Ausreisen: Zurück bleibt Misstrauen
von Ines Tramsmit Video0:21