Hohe Preise für Gas und Öl:Wie sinnvoll ist Fracking in Deutschland wirklich?
von Mark Hugo
Die Preise für Sprit und Gas sind auf hohem Niveau. Und schon wird wieder über Fracking in Deutschland diskutiert. Aber wie sinnvoll und umweltfreundlich wäre das wirklich?
Erdgas ist teuer. Deshalb denkt etwa der CDU-Wirtschaftsrat darüber nach, das umstrittene Fracking in Deutschland zuzulassen. Inwiefern das umweltfreundlich und wirtschaftlich ist.
11.04.2026 | 0:58 minErst der Krieg in der Ukraine, jetzt der am Golf. Krisen, die angesichts hoher Gas- und Ölpreise auch die Frage nach Abhängigkeiten und neuen Quellen aufwerfen. Zuletzt hat der Wirtschaftsrat der CDU gefordert, künftig Erdgas mit der umstrittenen Fracking-Methode auch in Deutschland zu fördern.
Denn die ausreichende Versorgung mit Rohstoffen sei eine "strategische Überlebensfrage". Vor allem Umweltschützer lehnen Fracking dagegen ab. Aber wäre das in Deutschland überhaupt möglich und sinnvoll?
Ist Fracking in Deutschland denn erlaubt?
Nein. Seit 2017 ist Fracking durch das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ausdrücklich verboten. Um das zu ändern, müsste das Gesetz durch den Bundestag geändert und auch einige Länderregeln angepasst werden.
In deutschen Böden lagern Billionen Kubikmeter Gas - genug, um das Land zwei Jahrzehnte zu versorgen. Mit Fracking kann der Schatz gehoben werden. Besteht dabei Gefahr für Mensch und Natur?
19.03.2023 | 28:45 minWie hoch ist das Potenzial für Fracking in Deutschland?
Die größten Lagerstätten für Schiefergas, das vor allem durch Fracking gefördert werden könnte, liegen nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Niedersachsen. Kleinere Vorkommen liegen im Oberrheingraben und an der Vorpommerschen Ostseeküste.
Dort könnten theoretisch sechs bis zwölf Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs gefördert werden - auf Basis des Verbrauchs des Jahres 2022. Von dieser Zahl geht unter anderem eine Einschätzung von 2023 aus, die unter Federführung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina veröffentlicht wurde. Dazu wären 400 bis 800 Bohrungen notwendig.
Beim Fracking wird Erdgas oder auch Erdöl aus unterirdischem Gestein gelöst. Dazu wird es hydraulisch aufgebrochen. Das heißt: Über Bohrungen wird mit hohem hydraulischem Druck eine Flüssigkeit, meist ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch, eingepresst, um Risse im Gestein zu erzeugen oder zu weiten.
Wann könnte Fracking in Deutschland starten?
Das würde noch mehrere Jahre dauern. Zuerst müsste der gesetzliche Rahmen geschaffen werden. Das Leopoldina-Papier geht davon aus, dass es ab dann noch mindestens drei bis vier Jahre dauern würde, um die rechtlichen und technischen Schritte zu klären.
Auch Prof. Karin Pittel vom ifo-Institut für Wirtschaftsforschung nennt gegenüber ZDFheute diesen Zeitraum. Voraussetzung dafür sei allerdings, "dass das bestehende Verwaltungsverfahren beschleunigt und bisher vorgesehene Maßnahmen, wie zum Beispiel Umweltverträglichkeitsprüfungen, verkürzt werden".
Methan ist das zweitwichtigste Treibhausgas. Es wirkt mehr als 80-mal so stark in der Atmosphäre wie Kohlenstoffdioxid (CO2).
14.10.2020 | 11:38 minWürde sich Fracking auch wirtschaftlich lohnen?
Das ist zumindest fraglich. Wirtschaftsexpertin Pittel verweist darauf, dass sich die Förderung wegen der hohen Erschließungskosten nur über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren rechnet. Da Deutschland laut Klimagesetz aber bis 2045 klimaneutral sein muss, werde die Nachfrage schon in den kommenden Jahren eher sinken. Der Zeitraum sei dadurch begrenzt und es fehle Planungssicherheit.
Auch in der Einschätzung der Leopoldina wird die wirtschaftliche Rentabilität wegen des Nutzungszeitraums und wegen erwartbar hoher Umweltauflagen als schwierig bewertet. Das heimische Erdgas müsse auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein.
"Inwiefern Unternehmen vor dem Hintergrund dieser und der weiteren mit Fracking verbundenen Unsicherheiten ohne staatliche Absicherung einen Einstieg erwägen würden, bleibt daher ungewiss", so die Leopoldina.
Auch die EU hat sich 2025 auf ein Zwischenziel zum Klimaschutz geeinigt. Bis 2040 soll der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 90 Prozent reduziert werden.
10.12.2025 | 0:30 minWie groß sind die Gefahren für die Umwelt?
Umweltverbände wie der WWF oder Greenpeace verweisen immer wieder auf die enormen Schäden, die Fracking in den USA angerichtet hat - in der Landschaft und im Grundwasser durch den Einsatz von Chemikalien. In den USA sind die Umweltstandards - etwa im Vergleich zu Kanada - eher lax.
Auch das Umweltbundesamt warnt in zwei Gutachten vor Umweltschäden. Vor allem das Grundwasser könne durch Abwasser und eingesetzte Chemikalien verunreinigt werden. Es fordert hohe Standards und ein genaues Monitoring von Grundwasser und möglicher seismischer Aktivitäten, um Erdbeben zu vermeiden.
Durch Entsalzungsanlagen geraten Sole und Reinigungschemikalien ins Meer, die küstennahe Ökosysteme schädigen. Dabei gibt es immer mehr Entsalzungsanlagen. Ein Grund ist die zunehmende Trockenheit in vielen Ländern.
14.03.2026 | 1:02 minDie Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verwies dagegen schon 2013 auf weitreichende Erfahrungen in anderen Ländern, wie etwa Kanada, bei der Vermeidung von Risiken. Bei "Einhaltung höchster Qualitäts-, Umwelt- und Sicherheitsanforderungen" seien diese bewältigbar.
Auch die Fachleute der Leopoldina bewerten die Umweltrisiken aus diesen Gründen als "gering". Allerdings mit dem Hinweis: "Restrisiken sind jedoch nicht auszuschließen."
Neue Daten der Weltwetterorganisation zeigen steigende Temperaturen und stark erwärmte Ozeane. Der Bericht warnt vor wachsendem Ungleichgewicht im Klimasystem.
23.03.2026 | 1:32 minFracking: Welche Gefahren gibt es für das Klima?
Grundsätzlich führt die Förderung und anschließende Verbrennung fossiler Rohstoffe zur Anreicherung von Klimagasen in der Atmosphäre. Beim Fracking kommt die Gefahr hinzu, dass bei der Förderung das besonders klimaschädliche Methan freigesetzt werden kann. Auch darüber, ob das zuverlässig zu verhindern ist oder nicht, gibt es unterschiedliche Einschätzungen.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.
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