Gebet des Verteidigungsministers:Hat Pete Hegseth versehentlich Pulp Fiction zitiert?
von Jan Schneider
Ein Video soll zeigen, wie US-Verteidigungsminister Hegseth einen Text aus dem Film "Pulp Fiction" als Bibelzitat vorträgt. Entscheidende Infos werden dabei aber unterschlagen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth während einer Pressekonferenz im Pentagon.
Quelle: APUS-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist ein gläubiger Mann - und stellt das regelmäßig öffentlich zur Schau. Er hat ein großes Jerusalemkreuz auf seiner Brust tätowiert und auf dem Oberarm den lateinischen Satz "Deus Vult" ("Gott will es"), beides Symbole, die mit mittelalterlichen Kreuzzügen in Verbindung stehen.
Als eine seiner ersten Amtshandlungen richtete er das "christliche Gebets- und Gottesdienstprogramm des Verteidigungsministers" ein. Seitdem gibt es monatliche Gebetsstunden im Pentagon.
Innerhalb weniger Stunden sind zwei US-Kampfjets in der Golfregion abgestürzt. Die Regierung von US-Präsident Trump gerät wegen ihrer Kriegsführung immer mehr unter Druck.
04.04.2026 | 2:00 minSeine Versauswahl bei einem solchen Gottesdienst sorgt jetzt für Aufsehen: Hegseth, der sich selbst mittlerweile Kriegsminister nennt, rezitierte einen Text, der nahezu identisch ist mit einem Monolog aus Quentin Tarantinos Film "Pulp Fiction" aus dem Jahr 1994. Der Spott im Netz ist groß und auch zahlreiche Medien berichten, Hegseth habe den Vers als echtes Bibelzitat vorgetragen.
Was ist genau passiert und wie bibelfest ist die US-Regierung?
US-Verteidigungsminister Hegseth hat überraschend Heereschef Randy George entlassen. George werde seinen Posten niederlegen und in den Ruhestand gehen, teilte das Pentagon mit.
03.04.2026 | 0:20 minWas hat Hegseth genau gesagt?
Der Gottesdienst beschäftigte sich unter anderem mit der Rettungsmission eines US-Piloten, dessen Kampfjet über Iran abgeschossen wurde. Hegseth bat die Anwesenden, mit ihm zu beten und trug folgenden Text vor:
"Der Pfad des abgestürzten Piloten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der die Armen der Kameradschaft und der Pflicht, die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Ich will große Rache an denen üben, die da versuchen, meine Brüder gefangen zu nehmen und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren, mein Rufzeichen ist Sandy One, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!"
Nahezu genau diese Worte nutzte auch Schauspieler Samuel L. Jackson in seiner Rolle als Jules Winnfield in Tarantinos Gangsterfilm, kurz bevor er einen Mann erschießt. Nur die im Zitat fett markierten Stellen sind abgeändert.
"Der Pfad der Gerechten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der die Armen der Barmherzigkeit und des guten Willens, die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und da steht weiter: Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe."
Hegseths Einordnung des Zitats in vielen Clips abgeschnitten
Videoclips von Hegseths Worten verbreiten sich im Netz viral. Der reichweitenstärkste Post bei X hat mittlerweile mehr als 25 Millionen Aufrufe und über 100.000 Likes. In dem Clip wurden jedoch Hegseths einleitende Worte abgeschnitten.
Im vollständigen Video gibt Hegseth an, dass es sich bei den folgenden Worten um eine Abwandlung des Bibelverses Hesekiel 25,17 handele, welcher ihm angeblich aus dem Team der Rettungsmission "Sandy One" für den abgeschossenen US-Luftwaffenpiloten in Iran übermittelt worden sei.
US-Präsident Trump hat mitgeteilt, man habe auch den zweiten Piloten der beiden von Iran abgeschossenen Kampfjets gerettet. Das Flugzeug war am Freitag in Süd-Iran abgestürzt.
05.04.2026 | 0:18 minDort wurde der Vers demnach CSAR 25,17 genannt, eine Abkürzung für "Combat-Search-And-Rescue". Ob ihm dabei bewusst ist, dass die Worte ursprünglich aus einem Film stammen, wird in der Szene jedoch nicht klar.
Hegseth-Szene inklusive Einordnung des Verses
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Der Pressesprecher des Verteidigungsministeriums, Sean Parnell, wies auf X drauf hin, dass "sowohl das CSAR-Gebet als auch der Dialog in 'Pulp Fiction'" den Hesekiel-Vers widerspiegelten - und dass Hegseth das in seiner Ansprache während des Gebetsgottesdienstes deutlich gemacht habe.
Wer behauptet, der Minister habe Hesekiel 25,17 falsch zitiert, verbreitet Falschmeldungen und verkennt die Realität.
Sean Parnell, Pressesprecher des Verteidigungsministeriums
Post von Sean Parnell auf X
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Ursprung der Worte sogar älter als Pulp Fiction
Der echte Bibelvers Hesekiel 25,17 ist deutlich kürzer als der Text aus Pulp Fiction. Den Rest hat Regisseur Tarantino offenbar aus einem japanischen Kampfsportfilm von 1973 namens "Bodyguard Kiba" entnommen. Dort wird der Vers als Eingangsszene von Schauspieler Sonny Chiba gesprochen.
Was Hegseth vortrug, ist also streng genommen weder Bibel noch Tarantino, sondern eine weitere Abwandlung eines Filmzitats aus den 70ern. Es trifft aber nicht zu, dass Hegseth die Worte als echte Bibelzitate ausgegeben hatte.
US-Präsident Trump und sein Verteidigungs- bzw. Kriegsminister Hegseth stellen im Krieg gegen den Iran eine imperiale Rhetorik zur Schau. Das Völkerrecht spielt dabei keine Rolle.
11.03.2026 | 6:24 minTrump nicht bibelfest
Der Vorfall reiht sich in ein breiteres Bild ein: Auch US-Präsident Donald Trump selbst steht seit Jahren in der Kritik, seinen christlichen Glauben vor allem als politische Inszenierung einzusetzen. In einem Interview mit Bloomberg Politics aus dem Jahr 2015 behauptete Trump, die Bibel sei sein "Lieblingsbuch", er möge es sogar mehr als seinen eigenen Bestseller "The Art of the Deal".
Als er jedoch gebeten wurde, einen einzigen Lieblingsvers zu nennen, wich er konsequent aus: "Ich möchte da nicht drauf eingehen - das ist sehr persönlich." Auch die Folgefrage, ob er das Alte oder das Neue Testament bevorzuge, beantwortete er nur mit einem knappen "gleich". Einen konkreten Vers nannte er nicht.
Das Interview tauchte kürzlich im Kontext eines KI-generierten Bildes wieder auf, das Trump auf Truth Social veröffentlicht hatte und das ihn als Jesus Christus darstellt. Es löste erneut eine Debatte über die religiöse Glaubwürdigkeit des Präsidenten aus.
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