Lautsprecher Trumps:Pete Hegseth: Der "Kriegsminister" auf Kreuzzug
von Claudia Bates
Pete Hegseth ist der Lautsprecher des Präsidenten. Als Verteidigungsminister setzt er auf Härte und brachiale Rhetorik.
US-Präsident Trump und sein Verteidigungs- bzw. Kriegsminister Hegseth stellen im Krieg gegen den Iran eine imperiale Rhetorik zur Schau. Das Völkerrecht spielt dabei keine Rolle.
11.03.2026 | 6:24 minDer Minister gefällt sich in männlicher Pose. Er will Selbstbewusstsein ausstrahlen. Seine Haltung kraftstrotzend, seine Sprache brachial.
Amerika gewinnt entscheidend, vernichtend und gnadenlos.
Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister
Tödlichkeit, Krieger-Ethos. "Verteidigungsminister" out, "Kriegsminister" in. Sein Ministerium nannte er um in "Kriegsministerium". Die rechtliche Befugnis dafür hat er nicht, sie liegt beim Kongress.
Zerstörungen in Iran und im Libanon, Raketenalarm in Israel: Die Angriffe im Nahen Osten gehen weiter. Derweil ist Bundesaußenminister Wadephul (CDU) zu Gesprächen in der Region.
11.03.2026 | 2:05 minRechtliche Beschränkungen stellt Hegseth in Frage
"Maximale Tödlichkeit, keine lauwarme Rechtmäßigkeit." Die amerikanischen Regeln, die festlegen, wann und wie US-Streitkräfte Gewalt anwenden dürfen, nennt Hegseth "dumm".
Kritiker stellen die Rechtmäßigkeit mehrerer Einsätze des US-Militärs in Frage: In der Karibik werden angebliche Drogenboote in die Luft gejagt, ohne dass die Regierung Beweise vorlegt, dass es sich tatsächlich um Drogenkuriere handelt. Die Marines wurden in Los Angeles eingesetzt, um die Einwanderungsbehörde bei Abschiebungen zu unterstützen, von einem Richter für illegal erklärt.
Hegseth, der Kulturkämpfer
Der erste Krieg, den Hegseth in seiner neuen Aufgabe erklärte, war der Krieg gegen "woke". Im September rief er die oberste Führungsebene des Militärs zusammen und hielt eine Grundsatzrede. "Keine Identitätsmonate, Büros für Minderheiten oder Typen in Frauenkleidern mehr. Keine Verehrung des Klimawandels. Keine Ablenkung durch Geschlechterwahn mehr. Wie ich bereits gesagt habe und wieder sage: Wir haben genug von diesem Scheiß."
Er will, so sagt er, das Militär von politischen Ideologien befreien, schwört es dabei aber auf die eigene ein. Doch die versammelten Militärs sind schon eingeschworen: auf die Verfassung. Und ihre versteinerten Mienen bei Hegseths Rede zeigen, dass sie das wissen.
Pete Hegseth studierte Politik in Princeton und an der Harvard University, er trat der Nationalgarde bei und diente in Irak und Afghanistan. Danach arbeitete er für Veteranenorganisationen, bevor er Fernsehmoderator bei Trumps Haussender "Fox News" wurde.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Vorsitzende der Vereinten Stabschefs General Dan Caine zum Stand der Angriffe auf den Iran und den Vorbereitungen in den letzten Wochen
02.03.2026 | 34:11 minKnappe Bestätigung im Kongress
Seine Brachialkommunikation und sein Anti-Woke-Feldzug gefallen US-Präsident Donald Trump, und er macht Hegseth zum Chef des mächtigsten Militärs der Welt. Bei seiner Anhörung im Kongress muss sich Hegseth wegen Alkoholvorwürfen und wegen der Anschuldigung sexueller Nötigung verteidigen.
Noch nie gab es einen Verteidigungsminister mit so niedrigem militärischen Rang. Noch nie gab es einen, den der Kongress mit nur einer Stimme Mehrheit für das Amt bestätigte.
Der Demokratische Senator Jack Reed sagte in der Anhörung:
Leider fehlt es Ihnen an Charakter, Haltung und Kompetenz, um das Amt des Verteidigungsministers auszuüben. Ich glaube nicht, dass Sie den enormen Anforderungen der Aufgabe gewachsen sind.
Jack Reed, US-Politiker
Während Israel und die USA Iran angreifen, feuert Iran Raketen und Drohnen auf Nachbarstaaten. Auch dort gibt es Verletzte, sind die Menschen in Angst oder auf der Flucht.
11.03.2026 | 14:39 minDer Kriegsminister auf Kreuzzug
Im Ministerium führte Hegseth Gottesdienste ein, betet dort mit evangelikalen Predigern. Auf seinem gestählten Bizeps prangt die Tätowierung "Deus vult", Gott will es, ein Schlachtruf der christlichen Kreuzritter. Auch das Jerusalemkreuz auf seiner Brust ist eng mit den Kreuzzügen verbunden und wird teilweise von rechten Gruppen und christlichen Fundamentalisten verwendet.
Die gemeinnützige Stiftung für Religionsfreiheit im Militär hat über 200 Beschwerden von Soldaten erhalten, wonach Kommandeure den Krieg gegen Iran als Teil des göttlichen Plans beschrieben, die Wiederkehr Jesu Christi stünde bevor.
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Obama-Regierung, Brett Bruen, sagt der Zeitung "The Guardian": "Hegseth ist ungeeignet, die Art von Zuversicht und Strategie zu vermitteln, die die Amerikaner und unsere Verbündeten derzeit vom Pentagon hören müssen. Sie brauchen nicht die Prahlerei und die Dreistigkeit, die er an den Tag legt. Sie müssen wissen, dass das amerikanische Militär in starken, stabilen Händen liegt."
Doch Hegseth ist genau der Mann, den Trump als Verteidigungsminister sehen möchte: ein ihm treu ergebener Kulturkampf-Krieger, der den Anschein von Stärke und Dominanz in die Welt schickt.
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