Iranische Führung zeigt sich bei Demo in Teheran

Analyse

Mitten im Krieg: Kundgebung in Teheran:Iranische Führung inszeniert sich bei Demo in der Hauptstadt

von Nils Metzger und Oliver Klein

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In Irans Hauptstadt Teheran demonstrierten am Freitag Unterstützer der Regierung. Mitten unter ihnen: hochrangige Politiker. Es ist ein direkter Propaganda-Angriff auf die USA.

Teheran: Menschen nehmen an einer Kundgebung anlässlich des jährlichen Al-Kuds-Tages (Jerusalem-Tag) teil,

In Teheran sind Anhänger der Führung trotz der Angriffe auf die Straße gegangen. Anlass ist der Al-Kuds-Tag, ein seit 1979 staatlich organisierter Protest gegen Israel.

13.03.2026 | 2:02 min

Auftritte von Vertretern des iranischen Regimes in der Öffentlichkeit sind seit Kriegsbeginn selten geworden - bei Luftangriffen der USA und Israel waren der damalige Führer Ajatollah Ali Chamenei sowie zahlreiche Militär- und Geheimdienstfunktionäre getötet worden.

Bei einer Pressekonferenz sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Freitag:

Irans Führung ist in keinem guten Zustand. Verzweifelt verstecken sie sich im Untergrund.

Pete Hegseth, US-Verteidigungsminister

Phoebe Gaa und Claudia Bates

Nach Vergeltungsdrohungen des iranischen Religionsführers verschärft sich die Lage im Nahen Osten weiter. Claudia Bates und Phoebe Gaa berichten aus Washington und Istanbul.

12.03.2026 | 2:59 min

Präsident Peseschkian und seine Minister laufen durch Teheran

Als hätten sie die beißenden Worte aus Washington erahnt, holte das Regime in Teheran zum großen Propaganda-Gegenschlag aus: Gleich mehrere Spitzenpolitiker traten bei einer von der Regierung organisierten Demonstration in Teheran am Freitag öffentlich auf. Unter ihnen Irans Präsident Massud Peseschkian, Außenminister Abbas Araghtschi, Sicherheitschef Ali Laridschani, der iranische Justizchef Gholam Hossein Mohseni Edschei und Polizeichef Ahmad-Resa Radan.

Sie gaben sich bewusst gelassen und volksnah: Das Staatsfernsehen zeigte Peseschkian, wie er Anhänger begrüßte und Selfies auf den regennassen Straßen von Teheran machen ließ.

Peseschkian im iranischen Staatsfernsehen

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Teilnehmer der Kundgebung trugen Bilder von Ali und Modschtaba Chamenei. Einige trampelten auf Bildern von US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu herum, wie ein Kamerateam des ZDF vor Ort dokumentierte. Viele Staatsmedien verbreiteten die Aufnahmen als Beleg für den Rückhalt der Regierung in der Bevölkerung und die Unerschrockenheit der Staatsführung.

Bewohner und Offiziere des israelischen Heimatschutzkommandos besichtigen am Freitag, den 13. März 2026, ein durch einen iranischen Raketenangriff zerstörtes Haus in Zarzir, Nordisrael.

Iran hat die nordisraelische Stadt Zarzir mit Raketen beschossen, mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Israels Premier Netanjahu kündigte seinerseits weitere Angriffe auf Iran an.

13.03.2026 | 1:11 min

Wie viel an den Bildern ist inszeniert?

Auch wenn die Bilder den Eindruck erwecken sollen, dass die breite Bevölkerung die iranische Staatsführung unterstützt, benötigen solche Bilder Kontext.

Viele der Menschen, die sich mit den Spitzenpolitikern fotografieren ließen, waren keine normalen Passanten, sondern offenbar Teilnehmer der Demonstration. Einige trugen Flaggen oder Portraits der Revolutionsführer Ali und Modschtaba Chamenei bei sich. Bei solchen staatlich organisierten Demonstrationen sind häufig Beamte oder Mitglieder staatlicher Organisationen wie den Badidsch-Milizen als Teilnehmer dabei.

Gänzlich ungeschützt dürften sich auch viele der Politiker dort nicht bewegt haben. Auf mehreren Videos sind Personen erkennbar, die den Prominenten mit geringem Abstand folgen und wie Personenschützer wirken. Sie wurden teils von Männern mit Kameras begleitet, die nicht klar als Presse zu erkennen waren.

Iraner gehen während einer Kundgebung zum Internationalen Al-Quds-Tag am 13.03.2026 in Teheran, Iran, vor einer Plakatwand vorbei, auf der der oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, und iranische Militärkommandanten zu sehen sind.

Iraner bei der Kundgebung zum Internationalen Al-Quds-Tag - Propaganda-Erfolg des Regimes.

Quelle: epa

Wo steckt der neue Revolutionsführer?

Der neu gewählte Revolutionsführer Modschtaba Chamenei fehlte hingegen bei der Veranstaltung. Zu seinem Gesundheitszustand gibt es aktuell keine Klarheit, Vertreter der USA und Israels hatten verlautbart, Chamenei sei bei einem Angriff schwer verletzt worden.

Auf dem Enqelab-Platz inmitten der iranischen Hauptstadt war ein riesiges Banner aufgebaut. Es zeigte Chamenei im Kreis von Kommandeuren der Revolutionsgarden bei einer Militärübung. An der Echtheit des großformatigen Propagandaplakats kann es begründete Zweifel geben: Dass die dort zu sehenden Raketen unmittelbar neben dem Kommandostand des Revolutionsführers starten, wäre weder sicher noch realistisch.

Es spricht eher dafür, dass das Bild mit KI erstellt wurde. Auch das perfekt vor dem entschlossen in die Ferne zeigenden Chamenei platzierte Foto seines getöteten Vaters wirkt wie ein durchinszeniertes Propagandamotiv.

Die Botschaft der Bilder: Das Regime sitzt fest im Sattel, die Bevölkerung steht hinter der Führung des Landes. Tatsächlich war Chamenei nach seiner Wahl jedoch nie öffentlich aufgetreten.

Demonstranten Majtaba Chamnei Porträt

Der neue oberste Anführer Irans, Modschtaba Chamenei, gibt sich in einer Botschaft unnachgiebig: weitere Blockade der Straße von Hormus, Rache an den USA und Israel.

12.03.2026 | 2:47 min

Luftangriff unweit der Demonstration

Während der Demonstration wurde Teheran von heftigen Explosionen erschüttert. Die israelische Armee hatte am Morgen eine neue Welle von Luftangriffen auf Ziele in der Stadt angekündigt. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna meldete, dass im Zentrum in der Nähe der Kundgebung mindestens eine Frau bei einer Explosion getötet worden sei.

Der staatliche Rundfunk verbreitete ein Bild, das die Getötete am Boden liegend zeigen soll, das konnte nicht unabhängig verifiziert werden. Die israelische Armee hatte die Bevölkerung am Morgen aufgerufen, zwei Gebiete in der Nähe des Veranstaltungsortes zu verlassen. Justizschef Edschei sagte im Staatsfernsehen: "Unser Volk hat keine Angst vor den Bombardierungen, wir werden diesen Weg weitergehen."

In den sozialen Medien werden die Bilder der Demonstration und der iranischen Politiker massiv verbreitet. Für die iranische Führung scheint es ein genau geplanter Propaganda-Erfolg zu sein.

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Israel und die USA greifen Iran an, das Teheraner Regime schlägt mit Raketenangriffen auf Israel und US-Basen zurück. Alle Entwicklungen zur Eskalation im Nahen Osten im Liveblog.
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Quelle: mit Material von AFP
Über die Demonstration in Teheran berichtete das ZDF in den heute-Nachrichten am 13.03.2026 um 17:00 Uhr.

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