Kerosinmangel droht ab Mai - Klingbeil sieht Reiche gefordert

Folge des Kriegs in Iran:Kerosinmangel droht ab Mai - Klingbeil fordert Vorbereitung

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Ab Mai könnte es in Deutschland einen Kerosinmangel geben. Finanzminister Klingbeil (SPD) fordert dafür Vorbereitungen, Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) aber warnt vor Alarmismus.

Valerie Haller an der Frankfurter Börse und Moderator Christopher Wehrmann

Neue Streiks bei der Lufthansa: Warum bei der Lufthansa derzeit wieder viele Flüge ausfallen erklärt Valerie Haller an der Frankfurter Börse.

09.04.2026 | 1:33 min

Angesichts eines möglichen Kerosinmangels in Deutschland als Folge des Iran-Kriegs hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) gefordert, die Versorgung sicherzustellen. "Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen", sagte Klingbeil dem "Spiegel". "Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben."

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hatte kürzlich gewarnt, in Europa könnte bereits im Mai Flugzeugbenzin knapp werden. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte am Donnerstag, in Deutschland gebe es momentan keinen Mangel an Kerosin, der Flugzeugtreibstoff werde auch in deutschen Raffinerien produziert.

Klingbeil: Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben

Der Mineralölwirtschaftsverband Fuels und Energie erklärte, aktuell gebe es keine Versorgungsengpässe, die Lage müsse aber "permanent" neu bewertet werden. Finanzminister Klingbeil befürchtet länger anhaltende Auswirkungen durch den Iran-Krieg.

Wir sind in einer Situation, die ähnlich herausfordernd ist wie die Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Beratungen haben mir nochmal gezeigt, dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben.

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD)

Die Beratungen hätten dem Finanzminister gezeigt, "dass diese Krise größer und hartnäckiger ist, als viele glauben." Klingbeil betonte daher auch: "Wir müssen das Land resilienter machen, weniger abhängig von fossilen Energieimporten." Der Iran-Krieg zeige, dass das eine zentrale Frage für das Land sei. "Deshalb drängen wir darauf, den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter voranzutreiben und machen Tempo beim Netzausbau."

Reiche warnt vor Alarmismus bei Kerosin

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigt für den Fall eines Kerosinmangels Gegenmaßnahmen an - warnt aber zugleich vor Alarmismus. "Alarmismus bei Kerosin hilft nicht", sagte die CDU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Die Versorgungslage in den jeweiligen internationalen Märkten sei unterschiedlich.

Entlastungspaket-Koalition

Die schwarz-rote Koalition hat ein Entlastungspaket beschlossen. Für zwei Monate soll die Mineralölsteuer auf Benzin und Diesel gesenkt werden. Außerdem soll es einen 1000 Euro Krisenbonus geben.

13.04.2026 | 3:15 min

Das Bundeswirtschaftsministerium nehme die Sorgen der Luftfahrtbranche ernst, sagte Reiche. "Wir sind daher im engen und ständigen Austausch mit den Akteuren der Branche, um mögliche Auswirkungen auf die Luftfahrt in Deutschland zu beobachten und zielgerichtete Gegenmaßnahmen schnell zu ergreifen, wenn sie nötig werden. Für Montag hat mein Haus gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium alle Stakeholder - Versorger, Flughäfen, Airlines und Verbände - zu einem Gespräch eingeladen."

Reiche kritisiert Klingbeils Vorstoß

Auf die Forderungen Klingbeils sagte Reiche: "Ich halte nichts davon, jedes Szenario öffentlich zu diskutieren." Es gelte, sorgfältig und überlegt zu handeln. Im Rahmen der Beteiligung an den Freigaben der Internationale Energieagentur hatte sich laut Ministerin die Bundesregierung entschlossen, Mengen in mehreren Chargen zunächst bis Ende April anzubieten, um flexibel auf die zukünftige Marktentwicklung reagieren zu können.

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben sich in die Villa Borsig in Berlin zurückgezogen, um über Reformen und Wege aus der Energiepreiskrise zu beraten.

Die Koalition streitet über Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise, auch Rücktrittsforderungen stehen im Raum. Ein Krisentreffen soll Ruhe reinbringen.

11.04.2026 | 1:50 min

Dabei seien neben Rohöl und Diesel bereits 50.000 Tonnen Jet-Treibstoff freigegeben worden. Der Erdölbevorratungsverband habe aktuell weitere knapp 1,1 Millionen Tonnen an Kerosin gelagert. Sofern in Deutschland physische Versorgungsknappheit mit Jet-Treibstoff drohe, könne man mit der nationalen Reserve reagieren, sagte Reiche.

Quelle: AFP
Über den Krieg in Iran und seine Auswirkungen berichtet das ZDF fortlaufend in mehreren Sendungen wie zuletzt in der Sendung heute Xpress am 18.04.2026 um 9 Uhr.

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