Senkung der Energiesteuer: Drei Erkenntnisse aus den Maßnahmen

Analyse

Senkung der Energiesteuer beschlossen:Drei Erkenntnisse aus den Maßnahmen der Koalition

Johannes Lieber

von Johannes Lieber

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Die Spitzen der Koalition haben Maßnahmen angekündigt, um von den hohen Spritpreisen zu entlasten. Doch auch der Regierung bleibt am Ende nur die Hoffnung auf schnelle Besserung.

Friedrich Merz als Bild ausgeschnitten und mit einem Bild einer Tankstelle hinter sich.

Tanken soll günstiger werden und Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie auszahlen. Die Bundesregierung hat ihr Hilfspaket vorgestellt. ZDFheute live analysiert, was die Maßnahmen bringen.

13.04.2026 | 23:30 min

Die Parteichefs von SPD, CDU und CSU haben das Wochenende miteinander in der Villa Borsig am Stadtrand von Berlin verbracht. Man habe sich hier "an einigen Punkten sehr tief in die Augen geschaut", so CSU-Chef Markus Söder.

Ihre Mission unter anderem: sich auf Entlastungen von den hohen Energiepreisen einigen. Vorschläge lagen genügend auf dem Tisch, eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) inklusive. Aus dem, was jetzt beschlossen wurde, lassen sich drei Schlüsse ziehen.

Berlin: Friedrich Merz und Stefan Kornelius sind auf der Terrasse der Villa Borsig, wo die Koalitionsgespräche stattfinden, zu sehen.

Am Wochenende hat die Koalition Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise diskutiert. Bis tief in die Nacht wurde verhandelt – Ergebnisse sind jedoch noch nicht bekannt.

13.04.2026 | 0:26 min

Die Regierung setzt sich über Wirtschaftsexperten hinweg

Kernelement der neuen Maßnahmen: Die Energiesteuer soll über zwei Monate um 17 Cent gesenkt werden. Kostenpunkt 1,6 Milliarden Euro. Erinnerungen an 2022 werden wach. Damals hatte die Ampel-Koalition mit dem sogenannten Tankrabatt die Energiesteuer für drei Monate gesenkt - damals als Reaktion auf die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche renommierte Wirtschaftsexperten davor gewarnt, diese Maßnahme zu wiederholen. Es sei die "schlechteste aller bisher diskutierten Optionen", sagte heute die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer der Funke Mediengruppe. Der Rabatt reduziere den Anreiz, Sprit zu sparen und unterstütze auch Menschen, die sich die höheren Preise leisten könnten.

Eine gezielte Unterstützung der wirklich Bedürftigen wäre die bessere Entscheidung gewesen.

Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Koalition will Autofahrer durch Steuersenkung entlasten

Die Pressekonferenz mit Friedrich Merz zu den Ergebnissen der Koalitionsgespräche.

13.04.2026 | 43:09 min

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher sprach bei ZDFheute live von einer "großen sozialen Schieflage". Kritik kommt zudem von den Grünen, die noch 2022 den Tankrabatt mitbeschlossen hatten.

Der Tankrabatt war ein teures Geschenk an die Mineralölkonzerne - nicht an die Bürgerinnen und Bürger.

Franziska Brantner, Grünen-Bundesvorsitzende

Die Regierung setzt auf die Hoffnung nach Besserung

Alle Koalitionsspitzen haben klargemacht: Diese Maßnahmen können nur der erste Schritt sein. Kanzler Friedrich Merz sagte allerdings, dass der Staat nicht "alle Unsicherheiten, nicht alle Risiken, nicht alle Disruptionen der Weltpolitik auffangen" könne. Ihnen bleibt also auch mit diesen Maßnahmen nicht viel mehr als zu hoffen, dass sich die Weltlage und besonders der Iran-Krieg wieder entspannt.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Bundeskanzler Friedrich Merz vor der Sitzung des Kabinetts in Berlin

Streit wegen hoher Spritpreise und steigender Reformdruck: Zwischen Union und SPD knirscht es. Wie handlungsfähig ist Schwarz-Rot?

12.04.2026 | 3:52 min

Eine Studie des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Der Tankrabatt 2022 wurde nicht komplett an die Verbraucher weitergegeben. Der Regierung bleibt hier nur der Appell an die Konzerne. Dass die Spritpreise nach den zwei Monaten wieder gesunken sind? Eine Hoffnung. Die steuerfreie Einmalzahlung über 1.000 Euro an Arbeitnehmer? Auch hier muss die Koalition auf die Unternehmen hoffen.

Nicht zuletzt hängt auch die Gegenfinanzierung der Maßnahmen an Hoffnungen. Die EU soll jetzt prüfen, ob eine "Übergewinnsteuer" für Mineralölkonzerne umsetzbar wäre. Bis dahin zahlt der Steuerzahler die Entlastungen. Besonders die rauchenden Steuerzahler, denn auch die Tabaksteuer soll erhöht werden.

Daniel Pontzen | ZDF-Hauptstadtkorrespondent

Die jüngsten Koalitionsgespräche seien "eine große Aufgabe" und "hochkomplex", so ZDF-Hauptstadtkorrespondent Daniel Pontzen.

13.04.2026 | 4:17 min

Die Regierung lässt das Klima unter den Tisch fallen

Neben der Sprit-Subvention hat sich die Bundesregierung zudem auf gemeinsame Standpunkte bei der Automobilindustrie verständigt. Das "Aus vom Verbrenner-Aus" ist jetzt eine geeinte Forderung der Regierung, die auch in Brüssel so vertreten werden soll. Konkret bedeutet das keine Änderung, aber die SPD hat hier auf Unions-Kurs eingelenkt.

Ein "völlig falsches Signal", nennt das die Geschäftsführerin des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), Verena Graichen. Wie der BUND fordert auch die Umweltschutzorganisation "Transport and Environment", jetzt mehr auf Elektromobilität zu setzen.

In der größten Ölkrise der Geschichte auf mehr Verbrenner zu setzen, zeigt die Kurzsichtigkeit der Regierung.

Sebastian Bock, Geschäftsführer T&E Deutschland

Vieles bleibt also auch nach den Beschlüssen der Koalition noch offen. Unter anderem auch, wann der neue Tankrabatt kommen soll. Aus dem Ministerium heißt es, man arbeite "mit Hochdruck" an einem Gesetzentwurf. Bis der von Bundestag und Bundesrat beschlossen ist, werden aber eher Wochen statt Tage vergehen.

Johannes Lieber berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

Über dieses Thema berichteten am 13.04.2026 mehrere Sendungen, unter anderem ZDFheute live am ab 12:30 Uhr und phoenix vor ort ab 09:00 Uhr.

Mehr zur Koalition

  1. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Katherina Reiche (CDU), Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei einer Plenarsitzung im Deutschen Bundestag am 08.07.2025 in Berlin.
    Interview

    Von Lucke über Krisengespräche:Streit in der Koalition: Merz' Führung "ganz schwach"

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  2. Die Regierungskoalitionsspitzen haben über Entlastungen wegen der Energiepreise und die anstehenden Reformen beraten.

    Spritpreise und Energiekrise:Villa Borsig: Verhandlungen der Koalition bis in die Nacht

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  3. Mario Voigt am Rednerpult

    Thüringens Ministerpräsident im ZDF:Voigt stellt sich hinter Reiche - und ein wenig gegen Merz

    von Dominik Rzepka
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  4. Bundeswirtschaftsministerin Reiche

    Uneinigkeit im CDU-Arbeitnehmerflügel:Ruf nach Reiches Entlassung: CDA-Chef widerspricht Vize

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