Senkung der Energiesteuer beschlossen:Drei Erkenntnisse aus den Maßnahmen der Koalition
von Johannes Lieber
Die Spitzen der Koalition haben Maßnahmen angekündigt, um von den hohen Spritpreisen zu entlasten. Doch auch der Regierung bleibt am Ende nur die Hoffnung auf schnelle Besserung.
Tanken soll günstiger werden und Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie auszahlen. Die Bundesregierung hat ihr Hilfspaket vorgestellt. ZDFheute live analysiert, was die Maßnahmen bringen.
13.04.2026 | 23:30 minDie Parteichefs von SPD, CDU und CSU haben das Wochenende miteinander in der Villa Borsig am Stadtrand von Berlin verbracht. Man habe sich hier "an einigen Punkten sehr tief in die Augen geschaut", so CSU-Chef Markus Söder.
Ihre Mission unter anderem: sich auf Entlastungen von den hohen Energiepreisen einigen. Vorschläge lagen genügend auf dem Tisch, eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) inklusive. Aus dem, was jetzt beschlossen wurde, lassen sich drei Schlüsse ziehen.
Am Wochenende hat die Koalition Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise diskutiert. Bis tief in die Nacht wurde verhandelt – Ergebnisse sind jedoch noch nicht bekannt.
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Kernelement der neuen Maßnahmen: Die Energiesteuer soll über zwei Monate um 17 Cent gesenkt werden. Kostenpunkt 1,6 Milliarden Euro. Erinnerungen an 2022 werden wach. Damals hatte die Ampel-Koalition mit dem sogenannten Tankrabatt die Energiesteuer für drei Monate gesenkt - damals als Reaktion auf die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.
In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche renommierte Wirtschaftsexperten davor gewarnt, diese Maßnahme zu wiederholen. Es sei die "schlechteste aller bisher diskutierten Optionen", sagte heute die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer der Funke Mediengruppe. Der Rabatt reduziere den Anreiz, Sprit zu sparen und unterstütze auch Menschen, die sich die höheren Preise leisten könnten.
Eine gezielte Unterstützung der wirklich Bedürftigen wäre die bessere Entscheidung gewesen.
Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
Die Pressekonferenz mit Friedrich Merz zu den Ergebnissen der Koalitionsgespräche.
13.04.2026 | 43:09 minAuch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Marcel Fratzscher sprach bei ZDFheute live von einer "großen sozialen Schieflage". Kritik kommt zudem von den Grünen, die noch 2022 den Tankrabatt mitbeschlossen hatten.
Der Tankrabatt war ein teures Geschenk an die Mineralölkonzerne - nicht an die Bürgerinnen und Bürger.
Franziska Brantner, Grünen-Bundesvorsitzende
Die Regierung setzt auf die Hoffnung nach Besserung
Alle Koalitionsspitzen haben klargemacht: Diese Maßnahmen können nur der erste Schritt sein. Kanzler Friedrich Merz sagte allerdings, dass der Staat nicht "alle Unsicherheiten, nicht alle Risiken, nicht alle Disruptionen der Weltpolitik auffangen" könne. Ihnen bleibt also auch mit diesen Maßnahmen nicht viel mehr als zu hoffen, dass sich die Weltlage und besonders der Iran-Krieg wieder entspannt.
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12.04.2026 | 3:52 minEine Studie des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung zeigt: Der Tankrabatt 2022 wurde nicht komplett an die Verbraucher weitergegeben. Der Regierung bleibt hier nur der Appell an die Konzerne. Dass die Spritpreise nach den zwei Monaten wieder gesunken sind? Eine Hoffnung. Die steuerfreie Einmalzahlung über 1.000 Euro an Arbeitnehmer? Auch hier muss die Koalition auf die Unternehmen hoffen.
Nicht zuletzt hängt auch die Gegenfinanzierung der Maßnahmen an Hoffnungen. Die EU soll jetzt prüfen, ob eine "Übergewinnsteuer" für Mineralölkonzerne umsetzbar wäre. Bis dahin zahlt der Steuerzahler die Entlastungen. Besonders die rauchenden Steuerzahler, denn auch die Tabaksteuer soll erhöht werden.
Die jüngsten Koalitionsgespräche seien "eine große Aufgabe" und "hochkomplex", so ZDF-Hauptstadtkorrespondent Daniel Pontzen.
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Neben der Sprit-Subvention hat sich die Bundesregierung zudem auf gemeinsame Standpunkte bei der Automobilindustrie verständigt. Das "Aus vom Verbrenner-Aus" ist jetzt eine geeinte Forderung der Regierung, die auch in Brüssel so vertreten werden soll. Konkret bedeutet das keine Änderung, aber die SPD hat hier auf Unions-Kurs eingelenkt.
Ein "völlig falsches Signal", nennt das die Geschäftsführerin des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), Verena Graichen. Wie der BUND fordert auch die Umweltschutzorganisation "Transport and Environment", jetzt mehr auf Elektromobilität zu setzen.
In der größten Ölkrise der Geschichte auf mehr Verbrenner zu setzen, zeigt die Kurzsichtigkeit der Regierung.
Sebastian Bock, Geschäftsführer T&E Deutschland
Vieles bleibt also auch nach den Beschlüssen der Koalition noch offen. Unter anderem auch, wann der neue Tankrabatt kommen soll. Aus dem Ministerium heißt es, man arbeite "mit Hochdruck" an einem Gesetzentwurf. Bis der von Bundestag und Bundesrat beschlossen ist, werden aber eher Wochen statt Tage vergehen.
Johannes Lieber berichtet aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
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