Uneinigkeit im CDU-Arbeitnehmerflügel:Ruf nach Reiches Entlassung: CDA-Chef widerspricht Vize
Nach ihrer Attacke gegen die SPD kommt Kritik an Ministerin Reiche aus der Union. Der Vize-Chef des Arbeitnehmerflügels fordert ihre Entlassung. Der CDA-Chef weist dies zurück.
Die Koalition streitet über Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise, auch Rücktrittsforderungen stehen im Raum. Ein Krisentreffen soll Ruhe reinbringen.
11.04.2026 | 1:50 minDer Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels der CDU (CDA), Dennis Radtke, warnt wegen des koalitionsinternen Streits über die hohen Energiekosten vor Personaldebatten.
Wir brauchen jetzt harte Debatten in der Sache, aber keine Personaldiskussionen.
Dennis Radtke, Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels (CDA)
Notwendig seien jetzt spürbare Entlastungen für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen - bei Steuern, Energie und im Alltag, sagte Radtke in Berlin. "Diese Diskussion führen wir auch intern sehr klar und konstruktiv".
Finanzminister Klingbeil fordert staatliche Eingriffe zur Senkung der Spritpreise. Er spricht sich für steuerliche Entlastungen sowie einen Preisdeckel für Benzin und Diesel aus.
11.04.2026 | 0:27 minCDA-Chef widerspricht CDA-Vize
Er reagierte damit auf Äußerungen seines Vize Christian Bäumler. Dieser hatte nach der scharfen Attacke von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) gegen den Koalitionspartner SPD im SWR gesagt, eine "Auswechslung" der Ministerin sei unumgänglich, auch weil sich Reiche Kanzler Friedrich Merz (CDU) widersetzt habe.
Wer sich wie Reiche gegen ein Machtwort des Kanzlers stellt und einen Kompromiss mit der SPD bei den Spritpreisen ablehnt, will eine andere Koalition.
Christian Bäumler, Vize-Vorsitzender des CDU-Arbeitnehmerflügels
Bäumler, der auch Chef des CDU-Sozialflügels in Baden-Württemberg ist, warf der Ministerin vor, "eine Koalition mit der AfD anzustreben". Reiche habe zudem den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen verloren, kritisierte Bäumler. "Wir brauchen Soforthilfen für Menschen, die keine Reserven haben", mahnte er.
Nötig seien "ein Mobilitätsgeld für Normalverdiener und eine Absenkung der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel".
Bei der Frage nach geeigneten Antworten auf die Energie- und Spritpreise ist ein handfester Streit ausgebrochen. ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer berichtet.
11.04.2026 | 1:43 minKoalitionsspitzen beraten über Energiepreise
Derweil sind in Berlin die Parteichefs von CDU, CSU und SPD zu weiteren Beratungen über die Energiepreiskrise und das anstehende Reformprogramm der Koalition zusammengekommen. Das wurde in Koalitionskreisen bestätigt. Das Treffen findet in der Villa Borsig statt, dem Gästehaus des Auswärtigen Amtes im Norden der Hauptstadt.
Die Koalitionsgespräche über die Energiepreise und die anstehenden Steuer- und Sozialreformen sollen das ganze Wochenende über fortgesetzt werden. Für Sonntag ist eine erweiterte Spitzenrunde geplant. Unklar ist auch, ob und in welcher Form anschließend mögliche Ergebnisse bekanntgegeben werden - wenn, dann wohl erst am Montag.
Angesichts der anhaltend hohen Spritpreise erwägt Bundeswirtschaftsministerin Reiche eine höhere Pendlerpauschale. Ein Tempolimit, wie die Wirtschaftsweise Grimm anregte, lehnt sie dagegen ab.
04.04.2026 | 0:25 minMerz will von Klingbeil und Reiche einvernehmliche Vorschläge
Zuvor hatte Merz SPD-Chef Lars Klingbeil und Reiche aufgefordert, gemeinsam Vorschläge zur Entlastung der Menschen vorzulegen. Am Freitag lud der Finanzminister Arbeitgeber und Gewerkschaften zu einem Spitzentreffen. Reiche ging ihrerseits vor die Presse und kritisierte die SPD-Vorstellungen - etwa eine Übergewinnsteuer - scharf als "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig".
Merz forderte daraufhin seine Parteifreundin zur Zurückhaltung auf. Merz sei "befremdet über den öffentlichen Schlagabtausch", hieß es am Freitag aus seinem Umfeld.
SPD-Chef Lars Klingbeil drängt unterdessen weiter auf staatliche Eingriffe. "Das Wirksamste ist gerade der Eingriff in den Markt. Das sehen wir in anderen europäischen Ländern", sagte der Finanzminister der "Süddeutschen Zeitung". "Und ich finde, wir sollten diesen Mut auch haben."
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