Diskussion um hohe Energiepreise:Reiche kontert Klingbeil: "Klare Absage" an Vorschläge
von Johannes Lieber
Die Diskussion wegen der hohen Energiepreise geht weiter. Kanzler Merz hatte seine Minister zur Zusammenarbeit aufgefordert. Trotzdem machen Klingbeil und Reiche eigene Vorschläge.
Die Bundesregierung berät heute über Entlastungen für Verbraucher. Der Präsident des Bundeskartellamts fordert die sinkenden Ölpreise schnell an die Verbraucher weiterzugeben.
09.04.2026 | 2:05 minBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat sich in einem spontan einberufenen Pressestatement klar gegen die Entlastungs-Vorschläge von Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) gestellt. Der "Koalitionspartner" sei in den letzten Wochen "damit aufgefallen", Vorschläge zu unterbreiten, die "teurer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig" seien, so Reiche am Freitag in Berlin.
Besonders der oft diskutierten Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne erteilte sie eine "klare Absage". Noch gestern hatte Klingbeil auf Instagram genau das gefordert.
Angesichts der anhaltend hohen Spritpreise erwägt Bundeswirtschaftsministerin Reiche eine höhere Pendlerpauschale. Ein Tempolimit, wie die Wirtschaftsweise Grimm anregte, lehnt sie dagegen ab.
04.04.2026 | 0:25 minReiche unterbreitet konkrete Vorschläge
Um die Bürger und Unternehmen zu entlasten, machte Reiche drei konkrete Vorschläge. Sie sprach sich erneut dafür aus, die Pendlerpauschale temporär zu erhöhen. Das Gleiche soll auch für die Mobilitätsprämie gelten, die an Menschen mit geringem Einkommen und weiten Arbeitswegen gezahlt wird.
Außerdem schlägt die Wirtschaftsministerin vor, die Bürger mit Direktzahlungen zu entlasten. Diese Zahlungen sollen progressiv ausgestaltet werden und Pendler unterstützen, die "besonders weite Wege haben". Dafür sollen wohl die zusätzlichen Einnahmen genutzt werden, die der Regierung durch die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe zur Verfügung stehen.
Die Mehreinnahmen dürfen nicht im Bundesfinanzministerium bleiben.
Katherina Reiche (CDU), Bundeswirtschaftsministerin
Taxifahrer, Landwirte und Pfleger im ambulanten Dienst werden von steigenden Tankkosten bei gleichbleibenden Einnahmen bedroht.
08.04.2026 | 2:18 minIhr Ministerium rechne mit zusätzlichen Einnahmen von 100 bis 200 Millionen Euro pro Monat. Das Bundesfinanzministerium dagegen geht nicht von Mehreinnahmen durch die gestiegenen Spritpreise aus.
Reiche schlägt zudem vor, die Dieselsteuer für die Güter- und Logistikbranche zu senken.
Merz hatte Reiche und Klingbeil zu Zusammenarbeit aufgefordert
Die Härte der Kritik von Reiche ist durchaus überraschend, hatte doch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erst gestern in einem Pressestatement Klingbeil und Reiche dazu aufgefordert, gemeinsame Vorschläge für Entlastungen zu unterbreiten.
Dieser sei "ökonomisch verkehrt", so Wirtschaftsweisin Schnitzer. Es wäre "eine gute Stunde" um ein Mobilitätsgeld einzuführen. Die gesetzlichen Voraussetzungen seien geschaffen.
07.04.2026 | 5:31 minEine "Abschöpfung" von Gewinnen könne es laut Merz nur geben, wenn das Bundeskartellamt einen Missbrauch feststelle. Kurzfristige Entlastungen stellte der Kanzler aber nicht in Aussicht.
Nachdem sich danach Klingbeil auf Instagram erneut für die Übergewinnsteuer und einen Preisdeckel für Kraftstoffe ausgesprochen hatte, folgt jetzt der Konter von Reiche.
Bundesfinanzminister Klingbeil trifft sich mit Vertretern aus Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energie-Gipfel. Thema sind Maßnahmen gegen die hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs.
10.04.2026 | 0:27 minStatement parallel zu Arbeitsgespräch von Klingbeil
Die Pressekonferenz von Ministerin Reiche fand parallel zu einem Arbeitsgespräch von Finanzminister Klingbeil statt. Der hat Vertreter aus der Wirtschaft und der Gewerkschaften in sein Haus geladen. Aus dem Wirtschaftsministerium ist nur die Teilnahme von zwei Abteilungsleitern angekündigt.
Bundesfinanzminister Klingbeil kommt mit Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Energie-Gipfel zusammen. Wer sich für welche Maßnahmen aussprechen wird, berichtet ZDF-Korrespondent Bohnsack.
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