Pakistan und der Iran-Krieg: Bauern leben in Armut

Iran-Krieg verschärft Lage in Pakistan:"Unter diesen Umständen kann eine Familie nicht überleben"

von Lea Scholz

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Für die Bauern in der pakistanischen Provinz Punjab sollte mit der Ernte eigentlich die beste Zeit des Jahres beginnen - doch nun kämpfen viele ums Überleben.

Ein Mann steht in einem Getreidefeld. Er trägt weite beige-braune Kleidung und hat die Hände in die Hüften gestemmt. Vor ihm liegen zwei Getreidebündel.

Pakistan steckt in einer tiefen Krise. Wirtschaftlich am Abgrund, in Konflikten mit Afghanistan und Indien und nun auch mit neuer Eskalationsgefahr an der Grenze zum Iran.

15.04.2026 | 7:55 min

Die Sonne steht im Zenit, in der flirrenden Hitze wiegen die Ähren im Wind. Es ist Erntezeit in Punjab, der Kornkammer Pakistans. Hier in der Tiefebene werden rund 80 Prozent des Getreides in Pakistan angebaut. Für viele der knapp 130 Millionen Einwohner ist es die einzige Lebensgrundlage. Bisher lief die Saison für die Bauern in Punjab eigentlich gut, sehnsüchtig hatten sie die Erträge ihrer Ernte erwartet - doch dann kam der Krieg im Golf.

Seither steht Qaiser Abbas' Leben auf dem Kopf. Abbas ist erst seit kurzem wieder in Punjab. Als Gastarbeiter war er nach Erbil in den Irak gegangen und arbeitete dort auf dem Bau, um seine Familie aus der Ferne mit Geld zu versorgen. Die Bedingungen dort seien gut gewesen, erzählt er. Monatlich habe er umgerechnet bis zu 600 Euro verdient.

Bis vor wenigen Wochen der Krieg im Golf ausbrach. "Viele Gastarbeiter wurden aus Sicherheitsgründen zurück nach Pakistan geschickt. Es gab viele Bombardierungen, die Lebensumstände wurden immer schwieriger", sagt er, während er über das Getreidefeld seiner Familie in Punjab streift.

Das Leben wurde teurer, wir hatten tagelang nichts zu essen. Dann wurden wir gekündigt und aus dem Land geschmissen.

Qaiser Abbas, Gastarbeiter

Zwei Euro Verdienst am Tag - gekocht wird mit Kuhfladen

Zurück bei seiner Familie in Pakistan ist die Lage prekär. Die Preise für Energie und Dünger sind seit Beginn des Krieges in die Höhe geschnellt und kaum zu stemmen. Denn statt 600 Euro im Irak verdient Abbas nun nur noch höchstens 60 Euro im Monat - das sind gerade einmal zwei Euro am Tag. Wie mehr als 100 Millionen Pakistaner lebt Abbas damit unterhalb der internationalen Armutsgrenze.

Die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa (r), spricht neben der Kommunikationsdirektorin des IWF, Julie Kozack, auf einer Pressekonferenz während der Frühjahrstagung von Weltbank und IWF am Hauptsitz des IWF in Washington.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds warnen vor den Folgen des Iran-Kriegs: Die Zahl der von Hunger bedrohten Menschen könnte durch den Krieg um 20 Prozent steigen.

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"Wir sind verzweifelt, wir haben schlicht nichts mehr, um uns zu versorgen", sagt Abbas' Mutter Bilqees Mai. Mit den bloßen Händen sammelt sie frischen Kuhmist auf und legt ihn zum Trocknen in die Sonne. Die getrockneten Kuhfladen werden verbrannt, die Wärme wird zum Kochen gebraucht. Einen Zugang zum Stromnetz hat Familie Abbas nicht, wie geschätzt 40 Millionen Pakistaner.

Ein Land am Abgrund

Wie tief Pakistan in der Krise steckt, zeigt sich nun wie unter einem Brennglas. Schon seit Jahren droht Pakistan von seinen Schulden erdrückt zu werden. Die Finanzkrise braut sich mit der dramatischen Energiekrise zu einem perfekten Sturm zusammen, erklärt Muhammad Badar Alam, Energie-Experte der pakistanischen Denkfabrik PRIED.

Denn dass nun immer mehr Gastarbeiter wie Abbas zurück in ihre pakistanische Heimat gehen, belastet auch den Staat. Die über 10 Millionen Pakistaner, die im Ausland leben und arbeiten, hatten nämlich bisher jährlich umgerechnet etwa 38 Milliarden US-Dollar zurück zu ihren Familien geschickt. Das ist fast doppelt so viel wie die gesamten Devisenreserven des Staates.

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi (rechts) begrüßt den pakistanischen Armeechef Asim Munir am Mittwoch, den 15. April 2026, in Teheran.

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Jeder US-Dollar, der nun nicht mehr ins Land fließt, fehlt nun dort, wo er so dringend benötigt würde, weiß Energieexperte Alam.

Es wird für uns zunehmend schwieriger, auf den internationalen Märkten Energie zu kaufen. Wir haben nicht genügend US-Dollar in der Kasse, um die hohen Preise zu zahlen.

Muhammad Badar Alam, Energie-Experte - Denkfabrik PRIED

Zwischen Perspektivlosigkeit und letztem Hoffnungsschimmer

Um an der Energieknappheit wirtschaftlich nicht zugrunde zu gehen, versucht sich Abbas' Familie zu helfen, wo es noch geht. Das Geld reichte noch für eine Solaranlage neben dem Feld. Nun kann Qaiser Abbas das Grundwasser mit Sonnenenergie auf die Felder seiner Familie pumpen. Eine Entscheidung, die sich angesichts der exorbitanten Energiepreise schnell rechnet, und doch bleibt es nicht mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

PAKISTAN-WAR-IRAN-US-ISRAEL-ENERGY-SOLAR

Weil Energie in Pakistan unbezahlbar wird, bauen die Menschen auf eigene Faust. Millionen setzen auf Solar und sichern so ihr Überleben, auch gegen Krisen wie den Iran-Krieg.

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"Bei der Ernte erwarten wir hohe Verluste, wir haben einfach keine Lösung", sagt Abbas. Denn während die Kosten für den Getreideanbau in die Höhe schießen, fällt der Verkaufspreis. Das bisher lukrative Exportgeschäft mit den Nachbarstaaten Iran und Afghanistan ist weitgehend zum Erliegen gekommen und auch die staatlichen Subventionen wurden mittlerweile auf Anweisung des Internationalen Währungsfonds mit dem Argument der Marktverzerrung eingedampft.

Eine Perspektive für sich und seine Familie sieht Qaiser Abbas auf dem kleinen Bauernhof in Punjab nicht.

Unter diesen Umständen kann eine Familie einfach nicht überleben.

Qaiser Abbas, Gastarbeiter

Abbas will so schnell wie möglich wieder ins Ausland gehen: "Meine Familie erwartet das von mir, damit ich ihr Geld nach Hause schicken kann." Bis dahin bleibt Abbas nur der letzte Funke Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges im Golf.

Über dieses Thema berichtete das auslandsjournal am 15.04.2026 in dem Beitrag "Vermittler und Verlierer" ab 22:15 Uhr.

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