Sinkender Export, wachsende Inflation:Chinas Dilemma mit dem Iran-Krieg
von Elisabeth Schmidt
China verhandelt an einem Frieden in der Golfregion mit. Gleichzeitig unterstützt es Irans Kriegskasse erheblich. Auf welcher Seite steht Peking in diesem Krieg?
China kritisiert die US-Blockade der Straße von Hormus. Droht eine neue Eskalation zwischen den Mächten? ZDFheute live analysiert
14.04.2026 | 22:30 minChina hat viel investiert in den Nahen und Mittleren Osten. Nicht nur Iran, auch Saudi-Arabien, die Arabischen Emirate, Ägypten, Kuwait oder Katar sind Teil von Pekings Infrastruktur-Projekt "Neue Seidenstraße". Fast die Hälfte der chinesischen Rohöl-Importe kommt aus der Golfregion.
China ist Hauptabnehmer des iranischen Öls - Schätzungen zufolge kauft die Volksrepublik dort mehr als 80 Prozent des Rohöls und unterstützt damit erheblich die Kriegskasse Irans.
Spritpreise auch in China gestiegen
Für China selbst macht das iranische Öl nur etwa zwölf Prozent der Ölimporte aus. Hauptöllieferant Chinas ist Russland. China verfügt zudem über große Ölreserven, sie reichen etwa drei bis vier Monate länger als die anderer asiatischer Länder wie etwa Japan. Im Moment ist das ein strategischer Vorteil für die Volksrepublik.
"China unterstützt die iranische Kriegskasse massiv - durch den Kauf von Rohöl", berichtet ZDF-Korrespondentin Elisabeth Schmidt aus Peking.
14.04.2026 | 3:31 minAus Pekings Sicht ist allerdings die komplette Region durch den Iran-Krieg aus den Fugen geraten. Chinas Nationale Entwicklungs- und Reformkommission sah sich gezwungen, die Benzin-Preise bereits mehrmals anzupassen.
Ein Liter Super 95 kostet zurzeit etwa 20 Prozent mehr als vor Ausbruch des Krieges. Das ist viel in einem Land, in dem die Einkommen deutlich geringer sind als in Deutschland. Und einige chinesische Airlines haben bereits Flüge gestrichen, um Kerosin zu sparen. Chinas Exporte sind im März zudem deutlich weniger stark gewachsen als zu Beginn des Jahres.
Noch 2025 erreichte China einen Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar. Die Exporte stiegen vergangenes Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent.
14.01.2026 | 0:30 minPeking in Sorge vor sinkender Exportnachfrage
"Die chinesische Regierung und die Öffentlichkeit sind sich der Auswirkungen immer stärker bewusst", sagt Xu Qinduo, Kommentator des chinesischen Staatssenders CGTN. Als größte Handelsmacht der Welt blicke Peking mit großer Sorge auf die US-Blockade der Straße von Hormus. Die Auswirkungen seien global.
In China kippe gerade eine jahrelange Deflation in eine Inflation - die Menschen können für den gleichen Geldbetrag weniger kaufen als zuvor. "Das hat zur Folge, dass chinesische Exporte an den Rest der Welt weniger nachgefragt werden. Das wird sich auf China auswirken, die Wirtschaftsleistung schwächen", so Xu.
Deswegen ist China zutiefst besorgt und drängt Iran und die USA, an ihrer Waffenruhe festzuhalten.
Xu Qinduo, Kommentator chinesischer Staatssender CGTN
Für China sei der Iran-Krieg ein ernster Konflikt und das chinesische Interesse an einer offenen Straße von Hormus elementar, sagt China-Experte Professor Sebastian Heilmann.
14.04.2026 | 7:28 minChinas Wirtschaft ist auf Exporte angewiesen. Aus diesem Grund denkt China in diesem Konflikt vor allem an China.
Chinesische Waffen und Kriegsgüter für den Iran?
US-Berichte, Peking bereite Lieferungen von Flugabwehr-Systemen an Iran vor, schmetterte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums als "Verleumdungen und böswillige Unterstellungen" ab. Allerdings gilt unter Forschenden mittlerweile als sicher, dass China - wie auch im Ukraine-Krieg an Moskau - seit langem Dual-Use-Güter und Baustoffe für Kriegsgerät an Teheran liefert.
Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) berichtet, China habe im Februar 2025 rund 1.000 Tonnen Sodium-Perchlorad an Iran geliefert - eine essentielle Zutat, um Treibstoff für Flugraketen herzustellen.
Dass China allerdings direkt in den Iran-Krieg eingreift, etwa Marine-Schiffe an den Golf schickt, halten Experten für nahezu ausgeschlossen. China sei vor allem eine Handelsnation, sagt Xu Qinduo.
Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und China summierte sich 2025 auf mehr als 250 Milliarden Euro.
20.02.2026 | 0:22 minXis Vier-Punkte-Vorschlag für Friedensförderung
Bislang hält sich die Staatsführung in Peking auffällig zurück mit klaren Positionen in der Öffentlichkeit. Staats- und Parteichef Xi Jinping verkündete am Dienstag nach einem Treffen mit dem Kronprinzen von Abu Dhabi einen "Vier-Punkte-Vorschlag zur Förderung von Frieden und Stabilität im Nahen Osten".
Wir können nicht zulassen, dass die Welt zum Gesetz des Dschungels zurückkehrt.
Xi Jinping, Staats- und Parteichef Volksrepublik China
Xis vier Punkte sind vage: Verpflichtung zum Prinzip der friedlichen Koexistenz, Einhaltung des Grundsatzes der nationalen Souveränität, Verpflichtung zum Prinzip der Herrschaft des internationalen Rechts sowie Koordinierung von Entwicklung und Sicherheit. "Der Plan sagt eigentlich nichts Neues", erläutert Julia Gurol-Haller vom German Institute for Global and Area Studies (GIGA).
Eine ganz zentrale Motivation für China in diesem Konflikt ist es, die eigenen wirtschaftlichen Kosten und Risiken zu minimieren und zu ermöglichen, dass eben wieder bequemer Öl geliefert werden kann.
Julia Gurol-Haller, GIGA-Institut Hamburg
Im geopolitischen Wettlauf mit den USA spielt der Iran-Krieg Peking in die Karten. Die Staatsführung kann dieser Tage beobachten, wie die USA international an Glaubwürdigkeit verlieren. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise im eigenen Land und dem Angewiesensein auf Exporte schrillen in Peking dennoch die Alarmglocken. Aus Pekings Sicht ist der Iran-Krieg ein Krieg, in dem Peking wenig zu gewinnen und viel zu verlieren hat.
Elisabeth Schmidt ist Ostasien-Korrespondentin im ZDF-Studio Peking.
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