Deutschland: Trübe Wachstumsprognose, Rezession unwahrscheinlich

Deutsche Aussicht bei IWF-Tagung:Getrübte Wachstumsprognose - Rezession aber unwahrscheinlich

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Der Krieg in Iran und seine Folge dürften die deutsche Wirtschaft nachhaltig beschäftigen. Das machen Bundesbank-Chef und Finanzminister bei einer Tagung des IWF klar.

IWF-Frühjahrstagung

Auf der Frühjahrstagung des IWF wird mit einem Voranschreiten der Energiekrise gerechnet. Außerdem hagelt es indirekt Kritik für deutsche Entlastungen wie die Einmalprämie.

16.04.2026 | 2:36 min

Laut Bundesbankchef Joachim Nagel wird der Ölpreisschock auf die deutsche Konjunktur durchschlagen, aber wohl keine Rezession auslösen. Die Wirtschaft sei zwar "respektabel ins Jahr gestartet", sagte er am Donnerstag in Washington am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank vor der Presse. Doch der Iran-Krieg und seine Folgen auf die Region seien eine Wachstumsbremse. 

Rezession zunächst unwahrscheinlich

Nagel verwies darauf, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für 2026 und 2027 um jeweils 0,3 Prozentpunkte nach unten korrigiert habe. Deutschland kann demnach 2026 nun noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent rechnen, 2027 dann von 1,2 Prozent.

Es müsste sehr, sehr viel passieren, dass man jetzt in die Rezession gehen würde.

Joachim Nagel, Chef der Bundesbank

Nagel nannte die Meerenge - die Straße von Hormus - die "Achillesferse der Weltwirtschaft". Deutschlands lockerere Finanzpolitik im Zuge des Sondervermögens mit hohen Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung stabilisiere die Lage aber.

SGS Sievers Schmiese

Der Kanzler macht ein Angebot zur Sicherung der Straße von Hormus – doch nur unter bestimmten Bedingungen, so Wulf Schmiese: Davor müsste es ein Ende der Kampfhandlung geben.

16.04.2026 | 2:10 min

Klingbeil: "Wir brauchen Reformen"

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sagte, die Lage in Nahost werde Deutschland noch sehr lange beschäftigen: "Wir brauchen Reformen", fügte er hinzu. Wegen der schwächeren Konjunktur sei der Handlungsbedarf offenkundig.

In vielen asiatischen Staaten gebe es schon Engpässe bei Energielieferungen, in ärmeren Ländern dürften die gestiegenen Düngemittelpreise zu mehr Hunger führen. Zuhause müsse die Koalition alles tun, um Deutschland wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

München: Benzinpreise werden an der Anzeigetafel einer Tankstelle in der bayerischen Landeshauptstadt angezeigt.

Die Bundesregierung will einen Tankrabatt als Reaktion auf die gestiegenen Spritpreise. Von der Opposition wird diese Entlastung als zu gering kritisiert.

16.04.2026 | 1:32 min

Steuererhöhungen nicht ausgeschlossen?

Klingbeil zufolge sind aber auch Steuererhöhungen zur Konsolidierung des Haushalts nicht ausgeschlossen. Der SPD-Chef verwies darauf, dass die Koalition gerade beschlossen habe, die Tabaksteuer schon 2026 und damit früher zu erhöhen.

Das ist für mich eine Steuererhöhung, die wir da jetzt verabredet haben.

Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister

Damit sei auch die Grundsatzfrage beantwortet. Die Union - zuletzt vor allem CSU-Chef Markus Söder - hat jeder Form von Steuererhöhung eine Absage erteilt. Klingbeil und die SPD wollen in der Einkommensteuer ärmere Bevölkerungsschichten spürbar entlasten. Dazu sollen einkommensstärkere Gruppen mehr Steuern zahlen.

Friedrich Merz als Bild ausgeschnitten und mit einem Bild einer Tankstelle hinter sich.

Tanken soll günstiger werden und Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie auszahlen. Die Bundesregierung hat ihr Hilfspaket vorgestellt. ZDFheute live analysiert, was die Maßnahmen bringen.

13.04.2026 | 23:30 min

Pessimistische Einschätzung der Bundesbank

Die Wirtschaft ist nach Einschätzung der Volkswirte der Bundesbank ohne Schwung ins Jahr gestartet. Nach dem Wachstum von 0,3 Prozent im Schlussvierteljahr 2025 dürfte das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März demnach stagnieren. Nach wie vor sei die Kapazitätsauslastung in der Industrie gering, was die privaten Investitionen dämpfe, heißt es im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank.

Der Krieg im Nahen Osten dürfte die privaten Haushalte und die Unternehmen demnach zusätzlich belasten, insbesondere über höhere Energiepreise. Dies trübe auch den Ausblick für das zweite Quartal.

Quelle: Reuters
Über dieses Thema berichtete das heute journal am 16.04.2026 ab 21:45 Uhr.

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