Energie-Debatte bei "Lanz":Ökonom rechnet vor: So teuer wird der Iran-Krieg für uns
von Felix Rappsilber
Wie hart treffen die Folgen des Iran-Kriegs Deutschland? Bei "Markus Lanz" warnt Ökonom Schularick vor "hässlichem Gegenwind" - sieht ein "Horrorszenario" aber noch weit entfernt.
Sehen Sie hier die Sendung "Markus Lanz" vom 26. März 2026 in voller Länge.
26.03.2026 | 76:51 minJeder Ölpreis-Schock ist für Moritz Schularick eine Erinnerung daran, dass wir "immer, wenn wir fossile Energien importieren, Abhängigkeiten von instabilen Regionen haben". Das sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft bei "Markus Lanz".
Die derzeitigen Ölpreise seien im Vergleich zum Jahresanfang um 30, 40 Dollar pro Fass gestiegen. Schularick erklärte: "10 Dollar beim Ölpreis kosten uns 0,1 Prozentpunkte bei der Konjunktur. Wenn wir jetzt 40 Dollar Anstieg haben, dann sind das 0,4 Prozentpunkte. Statt mit einem Prozent würden wir dieses Jahr nur noch mit 0,6 Prozent wachsen."
Schularick: "Hässlicher Gegenwind" für Konjuktur, aber von "Horrorszenarien" weit entfernt
Der aktuelle Preisanstieg sei zwar ein "hässlicher Gegenwind für die Konjunktur", aber nicht "richtig hässlich" wie die Einbrüche des Bruttoinlandsprodukts um vier, fünf Prozent während der Corona-Pandemie und der globalen Finanzkrise. Von diesen "Horrorszenarien" seien "wir, jedenfalls aktuell, noch weit entfernt". Aber:
Mit jedem Tag, den wir länger in diesem hohen Ölpreis-Regime und auch Gaspreis-Regime sind, wird es für uns teurer.
Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft
Deutschland importiere Öl und Gas zwar nicht aus Iran, sondern aus anderen Regionen. Weil es aber einen Weltmarktpreis gebe, würden wir derzeit "für das Gleiche mehr bezahlen". Das mache uns ärmer, während Öl-Exporteure wie die USA und Russland reicher würden.
Kemfert: "Fundamentale fossile Energiekrise"
Auch Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warnte bei "Markus Lanz" vor den Konsequenzen des Iran-Kriegs: "Wir sind in einer fundamentalen fossilen Energiekrise und diese (...) hat dramatische Auswirkungen."
Jenseits des Leids führe der Krieg zu "enormen Preissteigerungen für fossile Energie", sagte die Ökonomin. Diese hätten ungeahnte, volkswirtschaftliche Konsequenzen. Aus energiewirtschaftlicher Sicht sei der Iran-Krieg eine "wirkliche Katastrophe".
Mit Blick auf die blockierte Straße von Hormus, die Lieferausfälle Irans und die Angriffe auf Gasfelder - sowohl gegen als auch duch Iran - sagte Kemfert:
Wir haben einen zweifachen Öl-Schock und einen Gas-Schock.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Dabei kritisierte Kemfert auch die Energiepolitik von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU):
Und wir setzen auch noch auf mehr Gas, noch mehr Gaskraftwerke bauen, dann auch noch die Heizung weiter mit Gas betreiben - und das in einer fundamentalen Energiekrise.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Iran reagiert mit Gegenschlägen auf Angriffe auf seine Gasanlagen. Der Ölpreis steigt deutlich, während die USA mit weiteren Angriffen drohen.
19.03.2026 | 2:18 minSchularick warnt vor Spritpreisbremse
Obwohl infolge des Ölpreis-Schocks die Spritpreise in Deutschland stärker als in anderen europäischen Ländern gestiegen seien, sprach sich Schularick gegen eine staatliche Spritpreisbremse aus:
Wenn man Benzin in seinen Tank packt, dann gibt es immer ein Risiko, (...) dass dieser Preis auch mal steigt.
Moritz Schularick, Ökonom
Schularick sprach von geopolitischen Risiken, weil genau jene "Länder, die nicht zum engeren Freundeskreis gehören", Öl exportieren würden. Er betonte: "Es wäre falsch für den Staat (...), zu kommen und zu sagen: 'Ach ne, ist alles nicht so schlimm. Wir nehmen euch das Risiko ab.'" Der Ökonom weiter: "Wenn sich dieses Risiko realisiert, dann soll der mündige Bürger dafür auch die Kosten tragen."
Die Angriffe auf Energieanlagen nehmen zu, dazu kommt die Blockade in der Straße von Hormus. Worauf müssen sich Märkte und Verbraucher einstellen? Dazu Valerie Haller.
19.03.2026 | 1:13 minKemfert: Wenige Konzerne kontrollieren Wertschöpfung
Kemfert kritisierte mit Blick auf die Spritpreise die sogenannte "oligopolistische", also "extrem stark konzentrierte Marktstruktur" in Deutschland: "Hier ist es so, dass wenige Konzerne die gesamte Wertschöpfungskette kontrollieren, von der Förderung (...), bis hin zum Handel, Raffinerie, bis hin zum Endkunden."
Nur eine Preiserhöhung täglich, Bußgelder bis 100.000 Euro und mehr Kontrolle: Das neue Kraftstoffpaket soll Preise begrenzen, Senkungen bleiben jederzeit möglich.
26.03.2026 | 1:52 minImmer wieder werden Preis-Absprachen zwischen den deutschen Öl-Konzernen vermutet. Kemfert sagte:
Man konnte noch nicht feststellen, dass da wirklich Absprachen stattfinden, aber das Kartellamt guckt sich das regelmäßig an.
Claudia Kemfert, Ökonomin
Sehr auffällig sei, dass die Margen in Deutschland "sehr viel höher sind als im europäischen Ausland": "Wenn die Preise steigen, steigen auch die Margen überproportional." Hierzulande gebe es am Tag in der Regel bis zu fünfzig Preisänderungen an einer Tankstelle:
Zumindest darf man [jetzt] nur noch ein Mal am Tag die Preise erhöhen, aber man kann sie öfter senken.
Claudia Kemfert, Ökonomin
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