Hoher Ölpreis:So versucht Russland den Westen und die Ukraine zu entzweien
von Sebastian Ehm
Putin profitiert von gestiegenen Ölpreisen. Doch ukrainische Angriffe setzen Moskau zu. Jetzt versucht der Kreml, der Ukraine eine Teilschuld an der globalen Energiekrise zu geben.
Über den hohen Ölpreis profitiert Russlands Wirtschaft vom Iran-Krieg. Die Preisaufschläge gleichen die Verluste durch Sanktionen nahezu aus. Der Kreml sieht sich gut aufgestellt.
26.03.2026 | 3:00 minDer Rauch, der vom Hafen in Ust-Luga aufsteigt, ist pechschwarz. Es waren wohl ukrainische Drohnen, die die russischen Industrieanlagen an der Ostsee in Mitleidenschaft gezogen haben.
Am finnischen Meerbusen, etwa 100 Kilometer westlich von St. Petersburg, verschifft Moskau einen beträchtlichen Teil seines Öls in Richtung Weltmärkte. Auch der Hafen von Primorsk weiter nördlich wurde getroffen. Genau wie ein Eisbrecher in Wyborg.
Russische Einnahmen verdoppelt
Hinter den Attacken Kiews dürfte stecken, dass Russland seit Beginn des Iran-Kriegs seine Einnahmen aus dem Öl-Export nahezu verdoppeln konnte. Weil die Straße von Hormus blockiert ist und Tanker feststecken, stieg der Ölpreis immer weiter an.
Auch die russische Rohölmarke Urals schaffte es zuweilen über die 100-Dollar-Marke. Bloomberg meldet, dass Moskaus Exporte sich auf rund 270 Millionen Dollar pro Tag belaufen. Im Januar waren es noch rund 135 Millionen.
Der Kreml hatte diese Finanzspritze mehr als nötig. Zu Beginn des Jahres mehrten sich die Anzeichen, dass Moskaus Staatshaushalt wegen der niedrigen Ölpreise und der Sanktionen in Schieflage geraten sei.
Der Angriffskrieg in der Ukraine verschlingt gewaltige Mengen und die Rücklagen aus besseren Zeiten sind fast aufgebraucht.
Nur wenige Öl- und Gastanker passieren derzeit die von Iran blockierte Straße von Hormus. US-Präsident Trump fordert Unterstützung aus Europa, doch viele Staaten stellen sich gegen seinen Kurs.
17.03.2026 | 2:18 minExperte: Terminals sind Nadelöhr
Wirtschaftsexperte Wladislaw Inosemzew ist ein ehemaliger Berater Wladimir Putins und lebt jetzt im Exil. Für ihn sind die Attacken der Ukraine auf russische Ölhäfen eine logische Konsequenz der vergangenen Wochen.
Beschädigte Terminals lassen sich nicht in einem Tag reparieren. Selbst im besten Fall dauert es Wochen. Und gerade jetzt, in einer Phase hoher Ölpreise kann es passieren, dass dadurch die Verladung gestört wird. Das ist ein echtes Nadelöhr.
Wladislaw Inosemzew, Wirtschaftsexperte
Nach einem Bericht von Reuters habe die Ukraine mindestens 40 Prozent der russischen Erdölkapazitäten lahmgelegt. Das wäre, sollte die Zahl stimmen, ein gewaltiger Erfolg für die ukrainischen Angriffe.
Doch russische Wirtschafts-Experten ziehen die von Reuters gemeldete Zahl stark in Zweifel. Ökonom Dmitri Nekrassow nannte die Meldung erst "amüsant" und später eine "Informationsverzerrung".
Im Donbass muss sich die Ukraine gegen Russlands startende Frühjahrsoffensive verteidigen und kontert mit Angriffen auf die russische Öl-Industrie. ZDFheute live analysiert.
26.03.2026 | 44:29 minBotschaft des Kreml an den Westen
Dass die Ukraine der russischen Erdöl-Industrie Schaden zugefügt hat, bestreitet Putins Wirtschaftsberater Kirill Dmitrijew übrigens nicht. Auf dem russischen Unternehmertag in Moskau schickte er aber eine Botschaft Richtung Westen.
Russland befindet sich derzeit in einer sehr starken Position. Die Angriffe der Ukraine führen jedoch zu vorübergehenden Schwierigkeiten, die wiederum zu noch höheren Preisen und einer noch größeren und schnelleren Krise führen könnten, auch in der Europäischen Union und in Großbritannien.
Kirill Dmitriew, Putins Wirtschaftsberater
Unterstützung für die Ukraine bedeuten höhere Spritpreise für die Europäer und eine noch schwächere Wirtschaft, so die Botschaft aus Moskau. Da müsse eben jeder selbst wissen, wen er unterstütze.
Das Narrativ des Kreml ist also, der Ukraine eine Teilschuld an der globalen Energiekrise zu geben. Wladimir Putin mimte heute auf dem Wirtschaftstag in Moskau übrigens den Mahner und gab sich staatstragend. Keine Spur von Freude über die hohen Ölpreise.
Er rief die russischen Unternehmen dazu auf, Vernunft zu bewahren. Denn die hohen Einnahmen könnten nur von kurzer Dauer sein.
Sebastian Ehm berichtet als Korrespondent über Russland, Zentralasien und den Kaukasus.
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