Expertin: Russland profitiert vom Iran-Krieg trotz Verlusten

Interview

Sabine Fischer über Moskaus Interessen:Expertin: Russland profitiert vom Iran-Krieg trotz Verlusten

|

Der Krieg in Iran verändert Russlands Lage. Expertin Sabine Fischer erklärt, inwiefern Moskau wirtschaftlich und politisch profitieren kann - und wo Russland Einfluss verliert.

Sabine Fischer mit Christoph Wiesel-Lancé

"Natürlich verliert Russland auch viel durch diesen Krieg", sagt Sabine Fischer. Es gebe aber auch Bereiche, in denen Russland profitiere - etwa bei "Aufhebungen von Ölsanktionen".

13.03.2026 | 4:47 min

Welche Rolle spielt Iran für Russland? Im Zuge des Krieges verliere das Land viel, sagte Sabine Fischer, Osteuropa-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik, bei ZDFheute live am späten Donnerstagabend. Aber es gebe auch Bereiche, in denen Russland sehr profitieren könne.

Zum einen wirtschaftlich über den Ölpreis. Aber auch durch die Aufhebung von Sanktionen, die tatsächlich in der Nacht zu Freitag folgten [das Interview wurde vor der Maßnahme aufgezeichnet, Anm. d. Red.]. Die USA erlaubten angesichts des stark gestiegenen Ölpreises Ländern zeitlich befristet den Kauf von derzeit per Schiff transportiertem russischen Öl.

Der russische Präsident Wladimir Putin trifft sich am 10. März 2026 im Kreml in Moskau mit dem Chef der Volksrepublik Donezk, Denis Puschilin (nicht im Bild).

Der Iran-Krieg lässt die Ölpreise steigen und bringt Russland als großem Exporteur zusätzliche Einnahmen. Experten bezweifeln jedoch, ob der Effekt anhält.

13.03.2026 | 2:40 min

Expertin: Russland profitiert politisch, militärisch und wirtschaftlich

Russland gewinne durch Sanktionsaufhebungen aber auch politisch und propagandistisch auf globaler Ebene, sagte Fischer.

Russland profitiert immer, wenn westliche Staaten Völkerrecht verletzen.

Sabine Fischer, Osteuropa-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik

Ebenso könne Russland militärisch profitieren, je nachdem, wie lange dieser Krieg dauert. Als Beispiel nannte Fischer die Möglichkeit, dass die Zahl gelieferter Raketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme in die Ukraine weiter abnehmen könne. "Und das würde natürlich Russland massiv in die Hände spielen."

Iran-Krieg - Tanklager in Hamburg

Die durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise spielen Russland in die Karten. Als einer der weltweit größten Öl-Exporteure verdient Moskau trotz Sanktionen wieder mehr.

12.03.2026 | 1:50 min

Fischer: Substanzielle Partnerschaft, aber weniger Einfluss

Mit Blick auf die Partnerschaft zwischen Iran und Russland sagte die Expertin, dass diese durchaus als substanziell zu beschreiben sei - mit wirtschaftlichen, militärischen und politischen Kooperationen, die in den vergangenen Jahren ausgebaut worden seien. Allerdings sei es kein Verteidigungsbündnis.

Die iranische Flagge auf halbmast bei der iranischen Botschaft in Moskau.

Iran beschießt militärische Stellungen der USA in der Golfregion. Strategische Unterstützung kommt dabei auch aus Russland.

07.03.2026 | 1:51 min

Gleichzeitig verliere Russland "sehr stark an Einfluss weiterhin in der Gesamtregion", betonte Fischer. Das sehe man auch daran, dass das Land bei Vermittlungen, Gesprächen auf der politischen Ebene zum Iran-Krieg "so gut wie keine Rolle mehr spielt".

Die deutsche Politikwissenschaftlerin Sabine Fischer bei einer Kundgebung zum dritten Jahrestag des russischen Angriffskrieg in der Ukraine am Brandenburger Tor am 24.02.2025 in Berlin.
Quelle: picture alliance / Rainer Keuenhof

... ist Politikwissenschaftlerin und seit 2021 Senior Fellow bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Die Russland-Expertin beschäftigt sich seit 2014 besonders intensiv mit Russlands Krieg gegen die Ukraine.


Iran verliert an Bedeutung für Russland

Sollte Iran als Verbündeter nun wegbrechen, hätte das keine unmittelbare militärische Bedeutung für Russland, sagte Fischer. In den ersten zwei Jahren des Angriffskrieges auf die Ukraine sei Iran wichtig gewesen, weil es Drohnen lieferte. "Das hat sich verändert, weil Russland diese Drohnen mittlerweile selbst herstellt."

Grundsätzlich ist es natürlich für ein autokratisches Regime wie das russische kein gutes Signal, wenn befreundete Autokratien stürzen.

Sabine Fischer, Osteuropa-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik

Sowohl innenpolitisch als auch außenpolitisch wäre das ein sehr schlechtes Ergebnis dieses Krieges für Russland, so die Osteuropa-Expertin.

Quelle: ZDF
Über das Thema berichtete ZDFheute live im Beitrag "Für Putin geht es "nicht nur um den Ölpreis" am 13.03.2026 um 00:52 Uhr.

Mehr zu den Themen

  1. Ein Öltanker im russischen Öltanker liegt im Hafen von Noworossijsk.

    Reaktion auf hohe Ölpreise:USA erlauben kurzfristig Verkauf von russischem Öl

    mit Video1:50

  2. Schiffe warten in der Straße von Hormus
    Interview

    Asymmetrische Kriegsführung:Militärökonom: Irans stärkstes Druckmittel ist Öl

    mit Video22:39

  3. Ölförderanlage

    Internationale Energieagentur:Weltweite Ölreserven: 32 Länder geben Rekordmenge frei

    mit Video0:27

  4. Erdölförderung nahe des Dorfes Blagodatnaya im Bezirk Nischnekamsk in der russischen Republik Tatarstan, aufgenommen am 16.01.2023
    FAQ

    Auswirkungen des Iran-Kriegs:Hoher Ölpreis: Ein Geschenk für Russland?

    mit Video38:17