Blockade der Straße von Hormus:Kerosin wird knapper: Fallen bald Flüge aus?
In Europa steigt wegen der Blockade der Straße von Hormus die Sorge vor Engpässen bei Kerosin. Laut Internationaler Energieagentur reicht Flugbenzin noch für etwa sechs Wochen.
Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus sorgt in der Luftfahrtbranche für Nervosität. (Symbolbild)
Quelle: ImagoDas Risiko eines Engpasses an Flugzeugbenzin steigt mit jedem weiteren Tag, an dem die Straße von Hormus blockiert bleibt. Wie lange es dauert, bis die Kerosinvorräte wirklich zur Neige gehen, ist fraglich. Das Risiko eines Mangels ist in Asien am höchsten, in Europa etwas niedriger - aber die Länder beider Weltteile sind von dem Öl und den Raffinerien in Nahost abhängig.
Die Situation könne binnen der "nächsten drei, vier Wochen systemisch" werden, warnte der Ökonom Claudio Galimberti von der Analysefirma Rystad Energy am Dienstag.
Es könnte also schon im Mai und Juni zu erheblichen Flugkürzungen kommen.
Claudio Galimberti, Ökonom
Durch den Iran-Krieg sind die Treibstoffpreise für Flugzeuge über 80 Prozent gestiegen. Die Reisebranche steht wegen den höheren Kosten enorm unter Druck.
11.04.2026 | 1:36 minEU-Kommission hält Versorgungsengpässe bei Kerosin für möglich
Galimberti zufolge wurden bereits Flüge wegen Kerosinengpässen gestrichen - eine Sprecherin der Europäischen Kommission hingegen sagte am selben Tag, es gebe bisher keine Hinweise auf Treibstoffmangel. Sie räumte allerdings auch ein, dass es "insbesondere bei Flugkraftstoffen in der nahen Zukunft zu Versorgungsengpässen" kommen könne.
Der europäische Dachverband für Flughafenbetreiber (ACI Europe) schrieb in der vergangenen Woche an die EU-Kommission, dass ab Anfang Mai eine Kerosinknappheit eintreten könnte, wenn Tanker nicht vorher wieder durch die Straße von Hormus fahren.
Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar ist sie de facto durch die iranischen Revolutionsgarden weitgehend gesperrt. Normalerweise verläuft rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports durch die Schifffahrtsstraße.
IEA warnt vor Flugstreichungen
Auch der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte, dass die Vorräte an Flugbenzin vielleicht noch für etwa sechs Wochen reichten. Falls die Meerenge von Hormus gesperrt bleibe und weitere Lieferungen ausblieben, müssten womöglich schon bald Flüge gestrichen werden, sagte Birol am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP.
Wenn die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet wird, werden wir in Europa bald die Nachricht hören, dass einige Flüge von Stadt A nach Stadt B wegen Treibstoffmangels gestrichen werden könnten.
Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur
Der Iran-Krieg treibt die Kerosinpreise stark nach oben – seit Ende Februar hat sich der Preis etwa verdoppelt. Das wirkt sich auf die Kosten der Flugtickets aus.
09.04.2026 | 2:36 minEine allgemeine Einschätzung der Lage zu treffen, ist schwierig: Japan beispielsweise ist äußerst abhängig von Importen, hat aber zugleich erhebliche Reserven aufgebaut. In Europa sind einige Länder schneller betroffen: Österreich, Bulgarien und Polen verfügen über größere Vorräte. Anders sieht es etwa in Großbritannien, Island und den Niederlanden aus.
Die Auswirkungen werden sich auch je nach Flughafen und Airline unterscheiden. "Kleinere Flughäfen im Landesinneren werden in einer schwächeren Position sein als die großen Drehkreuze", sagte der Ökonom Rico Luman von der ING-Bank.
Es wird nicht zu einem vollständigen Stillstand kommen, sondern zu teilweisen Ausfällen bei einigen Airlines und Flughäfen.
Rico Luman, Ökonom
Höchstpreise bei Kerosin und Sprit durch die Blockade des Seewegs zeigen Europas Energieabhängigkeit. Auch nach Freigabe der Meerenge könnten die Kosten hoch bleiben, Raffinerien sind beschädigt.
08.04.2026 | 2:05 minBranchenorganisation fordert Echtzeitinformationen
Die Fluglinien wiederum haben wenig Überblick, um ihr Flugprogramm zu planen. Die Branchenorganisation Airlines for Europe (A4E), zu der neben dem niederländisch-französischen Konzern Air France-KLM und der irischen Billigfluglinie Ryanair auch die Lufthansa gehört, drang bei der EU darauf, Echtzeitinformationen über Treibstoffvorräte an den Flughäfen verfügbar zu machen. Diese Daten müssen aber von den Kraftstofflieferanten kommen - die wiederum nicht begeistert von der Aussicht sind, sensible Geschäftsdaten an ihre größten Kunden weiterzugeben.
Der französische Energiekonzern TotalEnergies warnte bereits, nicht alle seine Kunden beliefern zu können, sollte das Öl aus der Golfregion noch im Juni dort blockiert sein. Konzernchef Patrick Pouyanne sagte am Montag:
Sollten dieser Krieg und diese Blockade länger als drei Monate andauern, werden wir bei einigen Produkten wie Flugbenzin mit ernsthaften Versorgungsproblemen konfrontiert sein.
Patrick Pouyanne, Energiekonzern TotalEnergies
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