Folgen des Iran-Kriegs in Deutschland:Benzin und Diesel: Folgt nach dem Preishoch die Knappheit?
von Frank Bethmann
Die Bundesregierung greift wegen hoher Spritpreise zu Steuerentlastungen. Doch die reine Fokussierung auf den Preis könnte an anderer Stelle zu Problemen führen.
Im Supermarkt und an der Zapfsäule steigen die Preise. Was ist da los? MrWissen2go Mirko Drotschmann erklärt, wie die hohen Preise in Deutschland mit dem Iran-Krieg zusammenhängen.
16.04.2026 | 9:52 minAls erstes europäisches Land hat Frankreich in den vergangenen Wochen akute Lieferengpässe bei Kraftstoff gemeldet, bis hin zu leeren Zapfsäulen. Für Deutschland gibt die Bundesregierung Entwarnung, allerdings mit Einschränkungen.
Das Bundeswirtschaftsministerium geht aktuell nicht von einer physischen Mangellage aus. Öl- und Benzinexperte Steffen Bukold vom Hamburger Branchendienst Energycomment erklärt: "Die Mineralölwirtschaft in Deutschland produziert über 100 Prozent des Benzinbedarfs und über 90 Prozent des Dieselbedarfs in inländischen Raffinerien. Im Moment kann sie sogar nicht nur Benzin, sondern auch Diesel exportieren."
Die Steuern auf Diesel und Benzin sollen für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter gesenkt werden. Nun bringt die Koalition den Gesetzentwurf im Bundestag ein.
16.04.2026 | 1:17 minDeutschlands Problem sind steigende Preise, nicht leere Tanks
Zusätzlich bieten strategische Reserven Puffer: Deutschland lagert rund zwei Milliarden Liter Benzin sowie deutlich mehr Diesel in Speichern. Das ist ausreichend, um auch längerfristige Importausfälle zu überbrücken.
Das Wiener Supply Chain Intelligence Institute hat in einer Studie berechnet, wie sehr die Energieversorgung einzelner Länder durch die Blockade der Straße von Hormus gefährdet ist: "Deutschland spürt die Krise an den Preisen, nicht an der Verfügbarkeit."
Nach Iran blockiert jetzt das US-Militär die Straße von Hormus. So wollen die USA alle Schiffe und die Meerenge selbst kontrollieren. Was Trump damit bezwecken will – ZDFheute live.
13.04.2026 | 29:26 minBei vielen Bürgern aber bleibt die Sorge, ob die Vorräte auch reichen, wenn sich der Konflikt in der Golfregion weiter zuspitzt. Das Problem: Die Tanker, die aufgrund der Hormus-Blockade nicht ausgelaufen sind, brauchen vier bis sechs Wochen, um Europa zu erreichen.
Der Direktor der Internationalen Energieagentur IEA, Fatih Birol, bringt es auf den Punkt: Europa habe bislang von Vorkriegslieferungen gezehrt. Der tatsächliche Lieferausfall würde sich erst jetzt bemerkbar machen. Der April könnte deutlich schlechter werden als der März.
Sinkende Spritpreise bergen Risiko
Genau hier liegt das Dilemma der aktuellen Regierungspolitik. Die schwarz-rote Koalition hat am 13. April beschlossen, die Energiesteuer auf Benzin und Diesel für zwei Monate um rund 17 Cent pro Liter zu senken. Die Absicht ist klar: Entlastung für die Verbraucher, soziale Härten abfedern.
Der Bundestag debattiert erstmals einen Gesetzentwurf zur Senkung der Energiesteuern. Geplant ist eine Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel um 17 Cent zur Entlastung der Verbraucher.
16.04.2026 | 1:45 minDoch die Logik des Marktes dreht diese Rechnung um. Denn hohe Preise haben eine Bedeutung, sie senden ein Signal: Knappheit. Sie zwingen zur Verhaltensänderung: weniger unnötige Fahrten, Fahrgemeinschaften, Umstieg auf Bus und Bahn.
Wer den Preis künstlich deckelt oder senkt, nimmt genau diesen Anreiz aus dem Markt. Unnötige Fahrten werden nicht eingespart, der Verbrauch bleibt hoch, während die globale Versorgung knapper wird. Ökonomen wie Clemens Fuest, Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. (ifo), betrachten Rabatte deshalb als volkswirtschaftlich problematisch, weil sie die sparfördernde Wirkung hoher Preise abschwächen.
Kalte Temperaturen und hoher Verbrauch lassen die Gasspeicher deutlich schneller schrumpfen als im Vorjahr. Die Versorgung gilt dennoch als gesichert, vor allem dank LNG-Importen.
09.01.2026 | 0:26 minDas eigentliche Teuerungsrisiko: Gas, nicht Benzin
Sehr viel prekärer als bei Benzin und Diesel ist die Versorgungslage beim Flüssiggas. Der Preis des LNG (Liquefied Natural Gas) stieg in den ersten vier Kriegswochen um drei Viertel. Anders als beim Öl gibt es bei Flüssiggas nur geringe Reserven. Die eigentliche Herausforderung komme daher im Sommer, wenn es darum gehe, die Speicher für den Winter 2026/27 zu füllen, erklärt Argus Media, ein weltweit operierender, unabhängiger Preisinformationsdienst für die Energie- und Rohstoffmärkte.
Der durchschnittliche Haushaltpreis liegt 2026 bei rund elf Cent pro Kilowattstunde.
Ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlt damit rund 2.200 Euro allein fürs Heizen. (Quelle: BDEW-Gaspreisanalyse und evm)
Wer 10.000 Kilometer im Jahr fährt und sieben Liter auf 100 Kilometer verbraucht, gibt für Treibstoff bei einem Literpreis von zwei Euro rund 1.400 Euro aus.
Die Fokussierung auf den Spritpreis ist erklärbar. Der Preis leuchtet an jeder Ecke auf. Die Gasrechnung dagegen kommt still mit der Post und landet oft ungelesen in der Ablage. Dabei verstecken sich hier die größeren Teuerungsrisiken.
Frank Bethmann ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
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