Übergewinn: So viel Profit machen Ölkonzerne durch den Iran-Krieg

Exklusiv

Analyse zu Übergewinnsteuer:So viel Profit machen Ölkonzerne durch den Iran-Krieg

von Julia Klaus, Salim Sadat & Christian Salewski

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Die Spritpreise klettern im Zuge des Iran-Kriegs. Laut Greenpeace-Analyse verdienen Mineralölkonzerne mit. Statt einer Übergewinnsteuer setzt die Koalition auf den Tankrabatt.

Autos in einem Stau auf der Autobahn

Die Bundesregierung senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um je 17 Cent – befristet auf zwei Monate. Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie von 1.000 Euro zahlen.

13.04.2026 | 2:42 min

Mineralölkonzerne hätten seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich höhere Gewinne erzielt, kritisiert die Umweltorganisation Greenpeace. Das geht aus einer Analyse hervor, die der Energieexperte Steffen Bukold im Auftrag von Greenpeace durchgeführt hat und ZDF frontal exklusiv vorliegt. Sie zeigt, dass die Preise an den Zapfsäulen weit stärker gestiegen sind als die Rohölpreise.

Zusätzliche Gewinne in Höhe von 1,18 Milliarden Euro

Den Greenpeace-Berechnungen zufolge machten die Mineralölkonzerne in Deutschland zwischen dem 2. März und dem 12. April zusätzliche Gewinne in Höhe von 1,18 Milliarden Euro. Grund für die hohen Spritpreise sei vor allem der mangelnde Wettbewerb. Nur fünf Konzerne würden den Markt und damit die Preise in Deutschland bestimmen.

"Und da muss man einfach sehen, dass gerade in Deutschland diese Übergewinne besonders hoch sind. Weil die Konzerne (...) die Gelegenheit nutzen und schamlos zuschlagen", sagt Matthias Lambrecht von Greenpeace.

Lars Klingbeil

Finanzminister Klingbeil (SPD) will in der aktuellen Krise die Tankpreise senken und ungerechtfertigte Gewinne der Mineralölkonzerne kartellrechtlich stärker verfolgen.

13.04.2026 | 7:09 min

Übergewinne der Ölkonzerne? Branchenverband kontert

Seit Beginn der Waffenruhe in Iran am 8. April seien die Übergewinne der Ölkonzerne noch einmal täglich im Schnitt von 27 Mio. auf 36,9 Mio. Euro angestiegen. Als Übergewinne werden zusätzliche Gewinne verglichen mit den Vorkriegsmonaten bezeichnet.

Der Branchenverband Fuels & Energie weist die Vorwürfe zurück. Der Markt in Deutschland sei transparent und die Tankstellenpreise nicht allein vom Rohölpreis abhängig. "Es gibt gar kein Unternehmen, das in Deutschland den Preis bestimmen könnte. Den Preis bestimmen am Ende auch bei diesem hohen Niveau die Tankkundinnen und Tankkunden", erklärt ihr Sprecher Alexander von Gersdorff.

Friedrich Merz als Bild ausgeschnitten und mit einem Bild einer Tankstelle hinter sich.

Tanken soll günstiger werden und Arbeitgeber können eine steuerfreie Prämie auszahlen. Die Bundesregierung hat ihr Hilfspaket vorgestellt. ZDFheute live analysiert, was die Maßnahmen bringen.

13.04.2026 | 23:30 min

Wirtschaftsweise: Mangelnder Wettbewerb unter Mineralölkonzernen

Die Ökonomin und Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sieht hingegen mangelnden Wettbewerb unter den Mineralölkonzernen. "Wir haben auf dem Markt auf jeden Fall nicht viel Wettbewerb, denn es gibt nur einige wenige Anbieter. Man spricht hier von einem Oligopol", sagt sie.

Das heißt, die Frage ist immer, wie Wettbewerb auf diesem Markt funktioniert. Er funktioniert nicht so gut wie auf anderen Märkten.

Monika Schnitzer, Ökonomin und Wirtschaftsweise

Auslöser der rapiden Preissteigerung war der Angriff Israels zusammen mit den USA gegen Iran. Erste Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sind am Wochenende in Islamabad gescheitert. Die vereinbarte Waffenruhe gilt jedoch weiterhin. Seitdem sind die Preise an den Tankstellen leicht gesunken. Aktuell kostet der Liter Benzin 2,14 Euro, für Diesel zahlt man 2,34 Euro.

In der Bundesregierung ist über den Umgang mit den hohen Benzinpreisen vorübergehend ein Streit entbrannt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) spricht sich für eine Übergewinnsteuer aus. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Mir geht es darum, dass wir maßlose Krisenprofite abschöpfen und den Bürgerinnen und Bürgern zurückgeben."

Spritpreis

ZDFheute Infografik

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Pläne der Bundesregierung gegen hohe Benzinpreise

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erteilte dem Vorschlag prompt "eine klare Absage" und warnte vor Eingriffen in den Markt. Der SPD diagnostizierte sie zudem, "Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig sind".

Geeinigt hat sich die Koalition am Sonntag auf einen neuen Tankrabatt: Die Energiesteuer soll für zwei Monate um 17 Cent pro Liter gesenkt werden. Den Staat soll das 1,6 Mrd. Euro kosten. Ob die Mineralölkonzerne den Rabatt vollständig an die Kunden weitergeben, ist unklar. Der Ökonom Marcel Fratzscher hält das jedoch für unwahrscheinlich. Die Maßnahmen der Regierung seien eher kontraproduktiv.

Es muss uns bewusst sein, dass ein Teil dieser 17 Cent nicht an die Autofahrerinnen und Autofahrer fließen wird, sondern in die Taschen der Mineralölkonzerne, die eben eine erhebliche Marktmacht haben.

Marcel Fratzscher, Ökonom DIW

Auf eine Übergewinnsteuer konnte sich Schwarz-Rot nicht einigen. Das Instrument wird auf Drängen von Klingbeil zusammen mit Amtskollegen aus Italien, Österreich, Portugal und Spanien nun auf EU-Ebene geprüft.

Bayern, München: Spritpreise auf einer Anzeigetafel.

SPD-Chefin Bärbel Bas fordert eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Wegen der hohen Spritpreisen an den Tankstellen wirft sie den Konzernen vor, zu "zocken".

18.03.2026 | 0:23 min

Über dieses Thema berichteten am 13.04.2026 mehrere Sendungen, unter anderem das heute journal ab 21:45 Uhr, ZDFheute live ab 12:30 Uhr und das ZDF-Morgenmagazin ab 05:30 Uhr.

Mehr zum Thema

  1. Pressestatement zu den Ergebnissen des Koalitionsausschusses mit dem Parteivorsitzenden der CSU, Dr. Markus Soeder MdL, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundesministerin fuer Arbeit und Soziales und Parteivorsitzenden der SPD, Baerbel Bas und Lars Klingbeil (SPD), Bundesfinanzminister am 13.04.2026 im Kanzleramt in Berlin.
    Analyse

    Senkung der Energiesteuer beschlossen:Drei Erkenntnisse aus den Maßnahmen der Koalition

    von Johannes Lieber
    mit Video23:30

  2. SPD-Chef und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) bei einem Statement im Deutschen Bundestag am 27.03.2026.

  3. Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

    SPD-Chefin kritisiert Ölkonzerne:Bärbel Bas für Übergewinnsteuer bei hohen Spritpreisen

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  4. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil
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    Regierung beschließt Entlastungspaket:Klingbeil verteidigt Maßnahmen: "Wir helfen gerade Pendlern"

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