Gegenseitige Angriffe trotz Waffenruhe:Israel und Hisbollah: Konflikt spitzt sich zu
Die Hisbollah greift Ziele in Israel an, Regierungschef Netanjahu kündigt ein härteres Vorgehen gegen die Miliz im Libanon an. Trotz Waffenruhe spitzt sich der Konflikt weiter zu.
Israelischer Luftangriff auf den südlibanesischen Ort Nabatieh - auch die Hisbollah greift Ziele in Israel an.
Quelle: AFPIsraels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat am Montagabend eine nochmalige Verstärkung der Militäroffensive gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon angekündigt. Diese wiederum griff nach eigenen Angaben mehrere Militäreinrichtungen im Norden Israels an.
Netanjahu kündigt "Zerschlagung" von Hisbollah an
"Ich habe eine noch größere Beschleunigung unserer Operationen befohlen", sagte Netanjahu in einer auf der Onlineplattform Telegram veröffentlichten Videobotschaft.
Wir werden unsere Angriffe verstärken, unsere Feuerkraft vermehren, und wir werden sie zerschlagen.
Benjamin Netanjahu, Israels Regierungschef
Die israelische Armee hatte bereits zuvor ihre Luftangriffe im Süden des Libanon verstärkt. Ihre Angriffe richteten sich gegen Ziele in den Orten Tyrus und Nabatieh sowie in weiteren Orten, wie die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete. Mindestens drei Menschen seien getötet worden.
Aus Sorge vor einer israelischen Offensive flohen libanesischen Sicherheitskreisen zufolge zahlreiche Menschen aus den südlichen Vororten der Hauptstadt Beirut.
Israel und der Libanon haben sich auf eine Verlängerung der Waffenruhe verständigt. Doch schon heute gab es erneut Angriffe, auch auf die Pufferzone im Süden des Libanons.
16.05.2026 | 1:28 minIsrael und Hisbollah werfen sich gegenseitig Bruch der Waffenruhe vor
Netanjahu begründete seine Entscheidung zur nochmaligen Verstärkung des Militäreinsatzes mit anhaltenden Angriffen durch die Hisbollah. Die Miliz greife Israel mit Drohnen an, darunter seien auch Glasfaserdrohnen, die resistenter gegen elektronische Störungen seien. Jedoch arbeiteten israelische Teams bereits an "Gegenmaßnahmen" gegen diese Drohnenangriffe, versicherte der Regierungschef.
Auch am Montag griff die Hisbollah nach eigenen Angaben erneut Israel an. Es seien im Norden des Nachbarlandes drei Armee-Kasernen und ein Militärstützpunkt ins Visier genommen worden, erklärte die pro-iranische Miliz. Auch sie begründete ihre Angriffe mit "Verstößen gegen die Waffenruhe" durch die Gegenseite.
Libanons Präsident Aoun fordert Israels Militär zum Rückzug aus dem Süden des Landes auf. Gleichzeitig verschärft sich die Lage vor Ort. Israel und die Hisbollah brechen die Waffenruhe.
25.05.2026 | 0:29 minWaffenruhe zwischen Israel und dem Libanon gilt seit Mitte April
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ali Chamenei feuerte die von Teheran unterstützte Hisbollah-Miliz Raketen vom Libanon aus auf Israel ab. Israel flog daraufhin massive Angriffe auf Ziele im Süden des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.
Seit Mitte April gilt eine von den USA vermittelte Waffenruhe zwischen Israel und dem libanesischen Staat. Diese wird allerdings von der Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist und auf die der Libanon nur bedingt Einfluss hat, nicht anerkannt. Die Miliz lehnt zudem die direkten Gespräche zwischen der libanesischen Regierung und Israel ab.
In Washington haben sich Israel und der Libanon auf eine Verlängerung der Waffenruhe um 45 Tage geeinigt. Kurz nach Bekanntgabe der Feuerpause gingen die gegenseitigen Angriffe aber weiter.
16.05.2026 | 1:27 minNetanjahu innenpolitisch unter Druck
Netanjahu steht in dem Konflikt unter massivem innenpolitischen Druck: Zwei rechtsextreme Minister seines Kabinetts forderten am Montag vehement ein härteres Vorgehen: Es sei an der Zeit, dass Netanjahu gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump "eine entschlossene Haltung einnimmt und ihm mitteilt, dass Israel wieder in den Krieg im Libanon eintritt", erklärte Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir im Onlinedienst X.
Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich forderte Angriffe auf die libanesische Hauptstadt Beirut, um den Drohnenangriffen der Hisbollah entgegenzuwirken. "Es ist dringend notwendig, der Bedrohung durch die Sprengstoffdrohnen der Hisbollah ein Ende zu setzen", erklärte Smotrich auf Telegram. "Für jede Sprengstoffdrohne müssen in Beirut zehn Gebäude einstürzen."