Dax und Dow Jones im Sinkflug:Wie und wann könnten sich die Märkte erholen?
von Stephanie Barrett
Trumps Zollschock schickt die Aktienmärkte weltweit auch zu Wochenbeginn auf Talfahrt. Wann und mit welchen Instrumenten eine Einigung herbeigeführt werden könnte.
Für Anleger deutscher Aktien war es ein historischer Montag: Wenige Minuten nach Handelsbeginn stürzte der Dax gleich um zehn Prozent in die Tiefe. Ein Börsenbeben, wie man es zuletzt bei der Lehman-Pleite oder zur Corona-Krise erlebt hatte.
Bereits in Asien begann die Woche mit einem Schock und massiven Verlusten. Kein Wunder, ein drohendes Ende des globalen Freihandels hat Ängste vor einer Weltwirtschaftskrise geschürt. Ein globaler Abschwung würde die Kurse nochmal nach unten treiben. Auch an der Wall Street setzte sich nach Handelsbeginn der Ausverkauf der vergangenen Woche fort.
Zuvor hatte die US-Regierung deutlich gemacht, dass sie an ihrer drastischen Wirtschaftspolitik mit hohen Extrazöllen auf Importe aus der ganzen Welt festhalten will. Daran ändert auch die von Donald Trump signalisierte Gesprächsbereitschaft mit den betroffenen Ländern nichts.
Historische Verluste schon in der vergangenen Woche
Trumps Zollpaket hatte die Börsen bereits in der vergangenen Woche weltweit auf Talfahrt geschickt. Der Dax verbuchte ein Wochenminus von mehr als acht Prozent und damit seinen größten Verlust in einer Handelswoche seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Frühjahr 2022.
In New York addierten sich die Verluste beim Dow Jones auf mehr als acht Prozent und markierten die verlustreichste Börsenwoche seit Jahren.
EU-Strategie entscheidend für weitere Entwicklung
Ob das Börsenbeben weitergeht, hänge auch von der künftigen Strategie der EU ab, sagt Chris-Oliver Schickentanz von der Capitell Vermögens-Management AG: Die EU könne beispielsweise "etwas anbieten, um Trump am besten in eine Ecke zu manövrieren" - etwa eine Freihandelszone mit den USA, also die Abschaffung aller Zölle.
Für diesen Vorschlag warb am Wochenende bereits Elon Musk. Die EU hätte in diesem Fall zwar erstmal weniger Einnahmen, käme aber weitaus billiger weg als mit teuren Stabilisierungsmaßnahmen für die europäische Wirtschaft. Und Donald Trump müsste die Zollpläne fallen lassen, um sein Gesicht zu wahren.
Und tatsächlich scheint sich die EU in diese Richtung zu bewegen: Zwar hat sie am Montag nach einem Treffen der Handelsminister ihrer Mitgliedstaaten keine Abschaffung aller Zölle, zumindest aber die Abschaffung der Zölle auf Industriegüter auf beiden Seiten vorgeschlagen.
Härteres Vorgehen gegen US-Digitalkonzerne?
Wichtig sei laut Schickentanz außerdem, dass die EU eine geschlossene Haltung einnehme und "eine wirksame Drohkulisse" aufbaue, die US-Unternehmen auch tatsächlich schaden könnte.
Dazu zählt etwa eine Digitalsteuer auf Dienstleistungen von US-Techkonzernen.
Chris-Oliver Schickentanz, Capitell Vermögens-Management AG
Doch statt Geschlossenheit herrscht in diesem Punkt Uneinigkeit unter den EU-Staaten. Während Deutschland und Frankreich ein härteres Vorgehen gegen US-Digitalkonzerne zumindest in Erwägung ziehen, bremst Irland. Dort haben Großkonzerne wie Apple, Google und Meta ihre Europa-Zentralen. Andere Staaten sprechen sich für eine gemäßigte Antwort aus. Ob eine Einigung möglich wäre, ist offen.
Anlagestratege: "Trump verfolgt politische Agenda"
Schickentanz rechnet jedoch ohnehin nicht mit einer schnellen Einigung im Zollstreit - und das hat einen Grund: "Trump verfolgt ja auch eine politische Agenda. Er will im Mai seine Haushalts- und Steuersenkungspläne im US-Kongress durchbringen, und dazu braucht er jeden Cent", so der Experte.
Wenn er zwei bis drei Wochen kräftige Zolleinnahmen verbuchen kann, dann steigert das seine Position für die Gegenfinanzierung seiner Steuersenkungen.
Chris-Oliver Schickentanz, Capitell Vermögens-Management AG
Für diese Strategie Trumps spricht auch eine Aussage von Trumps wichtigstem Berater Peter Navarro. Die Zolleinnahmen der USA werden nach seinen Worten die geplanten Steuersenkungen möglich machen. Die Zölle würden die größten Steuererleichterungen in der Geschichte der USA finanzieren.
Danach könnte sich Trump in Sachen Zöllen wieder kompromissbereiter zeigen. Bis dahin, also bis Mai, rechnet man deshalb weiter mit größeren Kursschwankungen.
Zollpolitik: Hoffnung auf Deal besteht
Immerhin besteht Hoffnung, dass ein Deal zustande kommt. Er habe am Wochenende mit vielen führenden Politikern aus Europa, Asien und der ganzen Welt gesprochen, brüstete sich Trump, bevor er aus dem Wochenende nach Washington zurückkehrte: "Sie brennen darauf, einen Deal zu machen."
Laut Schickentanz spreche vieles dafür, "dass wir in dieser Woche wieder eine technische Kurserholung sehen werden, Privatanleger sollten deshalb Ruhe bewahren und nicht jeden Tag ins Depot schauen."
Nach zweieinhalb Jahren, in denen es steil nach oben ging, ist ein Rückschlag nicht überraschend. Allerdings dürfte es einige Zeit dauern, bis die Kurse wieder das zuletzt hohe Niveau erreichen.
Chris-Oliver Schickentanz, Capitell Vermögens-Management AG
Anleger brauchen also derzeit starke Nerven, ein Trost aber: Der Dax hat seit drei Jahren eine Rendite von weit über 30 Prozent erzielt. Und bisher haben sich die Märkte nach jedem Crash wieder stärker erholt.
Stephanie Barrett ist Reporterin in der ZDF-Wirtschafts- und Finanzredaktion.
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