100-Tage-Programm für Landtagswahl:Was Sachsen-Anhalts AfD plant - und wem das Sorge bereitet
von Hassan Rascho, Hagen Mikulas
Die AfD hat ein 100-Tage-Programm bei einem Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt vorgestellt. Die radikalen Pläne würden das Land verändern - und stoßen schon jetzt auf heftigen Widerspruch.
Rund zwei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt verunsichern die hohen Umfragewerte der AfD viele Migranten. Sie fragen sich, welche Folgen ein AfD-Wahlsieg für sie hätte.
11.07.2026 | 2:58 minAuf ihrem Landesparteitag in Magdeburg hat die AfD ihr Programm für die ersten 100 Tage einer möglichen Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt vorgestellt. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund präsentierte die geplanten Maßnahmen vor 243 Delegierten.
Zu den zehn Punkten gehören Maßnahmen wie die Einführung einer Landeskampagne unter dem Motto #deutschdenken sowie das Hissen von Deutschlandflaggen anstelle von Regenbogenflaggen. "Für jede Regenbogenflagge, die diese Landesregierung aufgehängt hat, hissen wir später zehn Deutschlandflaggen", sagte Siegmund.
Hans-Thomas Tillschneider, bildungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion und maßgeblicher Autor des Wahlprogramms, wurde mit 86 Prozent erneut zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. In seiner Rede zur Kandidatur sagte er: "Eines kann man uns nicht vorwerfen: Dass wir nicht sagen, was wir vorhaben."
AfD will Sonderklassen und Verringerung von Ministerien
Vor diesem Hintergrund sind auch die weiteren Vorhaben des 100-Tage-Programms zu sehen: "Abschieben ab Minute eins!", die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags sowie die Streichung von Landesmitteln für Demokratieprojekte. Auch in ihrem Wahlprogramm kündigt die AfD eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive" an.
Eine AfD-geführte Landesregierung werde die Aufnahme von Menschen in Sachsen-Anhalt verweigern, die illegal aus einem sicheren Drittland eingereist seien, heißt es. Die Partei will auch das Kirchenasyl unterbinden, mehr Abschiebehaftplätze aufbauen und das Grundrecht auf Asyl abschaffen.
In ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt kündigt die AfD eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive" an. Viele Migranten machen sich Sorgen um ihre Zukunft im Bundesland.
11.07.2026 | 5:07 minVon den insgesamt 56 AfD-Forderungen zur Migrationspolitik seien 21 ausschließlich auf Bundes- oder Europaebene umsetzbar, so eine im "Verfassungsblog" veröffentlichte Analyse von Lukas Bornschein und Mark Niklas Cuno vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale).
Im 100-Tage-Programm plant die AfD Sachsen-Anhalt zudem unter anderem Sonderklassen für Kinder, deren Eltern eine befristete Aufenthaltserlaubnis besitzen. Außerdem will sie die Zahl der Ministerien verringern und einen Corona-Untersuchungsausschuss einsetzen.
Harzklinikum: 100 von 300 Ärzte aus dem Ausland
Die Umfrageerfolge der AfD haben für Sachsen-Anhalter mit Migrationsgeschichte bereits Konsequenzen. Mamad Mohamad, Co-Geschäftsführer des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt, sagt:
Wir erleben das bereits jetzt: Pro Woche ziehen schon zehn Familien weg.
Mamad Mohamad, Co-Geschäftsführer des Landesnetzwerks der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt
Mohamad kandidiert erstmals selbst bei der Landtagswahl für Bündnis90/Die Grünen.
Die AfD Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. Würde sie den nächsten Innenminister stellen: Hätte sie Zugang zu geheimen Informationen?
18.06.2026 | 3:08 minDie Pläne der AfD hätten auch Folgen für die Wirtschaft, wie sich etwa am Harzklinikum zeigt. 100 der rund 300 Ärzten hier stammen aus dem Ausland.
Dr. Ayman Alyoussef kam 2014 wegen des Krieges in Syrien nach Deutschland. Nach mehreren beruflichen Stationen ist er heute Oberarzt der Kardiologie am Harzklinikum in Quedlinburg. "Wenn die an die Macht kommen - wie gesagt, ich habe schon mit meiner Frau darüber gesprochen -, dann muss man die Lage prüfen", sagt Dr. Ayman Alyoussef.
Wenn Hass verbreitet wird, dann müssen wir vielleicht auch eine andere Lösung finden.
Ayman Alyoussef, Oberarzt
In Sachsen-Anhalt wird in drei Monaten ein neuer Landtag gewählt – der Wahlkampf läuft bereits. Im Mittelpunkt stehen die wirtschaftliche Lage des Bundeslandes und sein demographischer Wandel.
17.06.2026 | 2:32 minAfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft
Mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren habe Sachsen-Anhalt bundesweit die älteste Bevölkerung und sei auf die Zuwanderung junger Menschen angewiesen, sagt Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle.
Das heißt, Sachsen-Anhalt ist darauf angewiesen, hochqualifizierte, möglichst junge Menschen nach Sachsen-Anhalt zu holen. Und daher muss man für diese Menschen attraktiv sein.
Reint Gropp, Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle
Die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD gibt sich beim Parteitag in Magdeburg siegessicher. In ihrem 100-Tage-Programm spielen die demografische Entwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung keine hervorgehobene Rolle.
Hassan Rascho und Hagen Mikulas berichten aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt.
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