Was die Partei zur Landtagswahl plant:AfD in Sachsen-Anhalt: Freundlicher Ton, radikales Programm
von Hagen Mikulas
In Umfragen liegt die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem geltende AfD vor der Landtagswahl bei knapp 40 Prozent. Nun steht ihr Wahlprogramm fest.
Die AfD hat ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beschlossen. Begleitet wird der Parteitag von mehreren Hundert Protestierenden.
11.04.2026 | 2:36 min"Alles ist möglich, wir müssen es nur machen", sagt der 35-jährige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in seiner Rede zu Parteitagsbeginn. Es gebe keinen Grund für einen rechtschaffenen Bürger, Angst vor einer AfD-Regierung zu haben: "Hier rollt doch nicht der Bulldozer durchs Land und macht alles nieder."
In knapp vier Stunden sind die rund 150 Seiten des Wahlprogramms diskutiert, geändert und verabschiedet. Für das in Teilen radikale Programm gibt es unter den 226 Delegierten in Magdeburg nur eine Gegenstimme.
AfD Sachsen-Anhalt fordert weniger "kulturfremde Fachkräfte"
Bei ihrem zentralen Thema "Migration" will die AfD das Grundrecht auf Asyl in Sachsen-Anhalt abschaffen und etwa die Abschiebehaft-Kapazitäten des Landes massiv ausweiten.
Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt solle auf "kulturfremde Fachkräfte" verzichten, stattdessen solle es ein "Rückkehrprogramm für ausgewanderte deutsche Fachkräfte" geben.
Jedes vierte Unternehmen in Deutschland sucht Personal. Experten erwarten durch den demografischen Wandel wieder mehr Engpässe – besonders in ländlichen Regionen, etwa im Gesundheitssektor.
12.03.2026 | 1:45 minSachsen-Anhalt hat mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren die älteste Bevölkerung in Deutschland. Deshalb sei die Wirtschaft in hohem Maß auf Zuwanderung angewiesen, entgegnet Reint Gropp, Wirtschaftsforscher und Präsident vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): "Es ist ein Fehler, sich aus irgendeinem Grund auf nur Deutsche im Ausland zu konzentrieren."
Man sieht es zum Beispiel an den Syrern, die 2015 gekommen sind, die inzwischen zum großen Teil sehr gut in den Arbeitsmarkt integriert sind, sehr viel beitragen, Steuern zahlen, Sozialabgaben zahlen.
Reint Gropp, Präsident vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)
Nicht nur in Sachsen-Anhalt wird gewählt: Bei der kommenden Landtagswahl im September will die AfD auch in Mecklenburg-Vorpommern zum ersten Mal stärkste Kraft werden.
11.04.2026 | 1:33 minPartei schlägt Kurswechsel in Kultur- und Bildungspolitik vor
In der Kultur- und Bildungspolitik, in der Landesregierungen großen Gestaltungsraum haben, plant die AfD, Freiheiten einzuschränken.
Allein die Lehrer sollen laut Parteiprogramm eine verbindliche Schullaufbahnempfehlung geben und das Gymnasium soll demnach "von nicht mehr als 25 Prozent eines Jahrgangs besucht werden". Eine Aufweichung der Schulpflicht und die Abschaffung von Inklusionsklassen an Schulen sind ebenfalls geplant.
Der Streit um den Beamtenstatus für Lehrkräfte spitzt sich zu. Sachsens Kultusminister Clemens verweist auf hohe Pensionskosten. Kritiker warnen vor Folgen für Sicherheit und Schulqualität.
26.03.2026 | 0:22 minIn der Kulturpolitik fordert das Programm eine Wende, "wie sie Ungarn unter Viktor Orban vollzieht". Angeblich gäbe es auf den Bühnen in Sachsen-Anhalt "so gut wie keine deutschen Stücke mehr". Es fehle an Werken von Schiller, Kleist und Goethe. Deshalb möchte die AfD "vorwiegend solche Kunst fördern, die einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet".
"Ich mache mir Sorgen", sagt Dorotty Szalma, die das Theater der Altmark in Stendal leitet. Die Intendantin stammt aus Ungarn, hat Familie dort und kennt die Folgen von Orbans Kulturpolitik. "Die Verträge gelten überhaupt nicht mehr. Wenn jemand nicht passt, wird das Arbeitsverhältnis einfach beendet, ob Intendant oder Künstler."
Am Sonntag wird in Ungarn gewählt, dann fällt auch die Entscheidung über den Regierungschef. Viktor Orbán führt das Land seit 16 Jahren. Sein Rivale liegt in den Umfragen vorne.
10.04.2026 | 3:04 minUlrich Siegmund: Spitzenkandidat mit "Schwiegersohn"-Image
Neben radikaler Programmatik verfolgt die AfD in Sachsen-Anhalt die Strategie der Normalisierung. Ihr Spitzenkandidat, der 35-jährige Familienvater Ulrich Siegmund, hat damit nicht nur auf seinen Social-Media-Kanälen Erfolg.
Ein Bürgerabend der AfD-Fraktion in der Kleinstadt Salzwedel, im Nordwesten Sachsen-Anhalts: Vor und nach der Veranstaltung im Kulturhaus machen Dutzende Besucher Fotos mit dem Spitzenkandidaten und Co-Fraktionschef Siegmund.
Die AfD wettert gegen Vetternwirtschaft, doch intern brodelt es: In Brandbriefen ist sogar von einem "korrupten System", "mafiösen Strukturen" und einer "mutmaßlichen Veruntreuung" die Rede.
03.03.2026 | 16:56 minDie jüngsten Skandale um Überkreuzbeschäftigungen bei AfD-Abgeordneten in Bund und Land sind hier kein Thema. Stattdessen gibt es bei den 800 Zuhörern viel Sympathie und Zustimmung zum Spitzenkandidaten und zu den Forderungen der rechtsextremen Landespartei.
AfD-Ton verfängt: "Klingt alles nicht nach Extremismus für uns"
Eine 24-jährige Lehrerin beklagt, dass sie für ihre Sympathie zur AfD in ihrer Schule kritisiert werde. "Sie sind nicht so extrem, wie sie dargestellt werden. Wenn man ihn reden hört, klingt das alles nicht nach Extremismus für uns."
"Also ich finde, Herr Siegmund ist nicht ein Nazi und schon gar nicht rechtsextrem", ergänzt ihre Mutter, die neben ihr sitzt. "Das, was er vertritt, sind die normalen Meinungen der Bürger. Ich arbeite in der Physiotherapie, ich habe viel Publikumsverkehr und ich höre solche Meinungen jeden Tag."
Wählerstimmen, Populismus und die AfD: Ein Blick auf den Parteiaufstieg inmitten der Flüchtlingskrise und die internen Machtkämpfe.
19.08.2025 | 43:33 minAfD Sachsen-Anhalt zwischen Radikalisierung und Selbstverharmlosung
Diese bewusste Doppelstrategie, die zusätzliche potenzielle Wähler erreichen soll, verfängt offenbar. Die Elemente: Radikalisierung und Selbstverharmlosung. Politikwissenschaftler Benjamin Höhne analysiert:
Diese tragen eben dazu bei, dass sich die AfD, anders als rechtsextreme Parteien wie die NPD oder die DVU, die Republikaner, nicht mehr in der stigmatisierten rechten Ecke befindet, sondern bis in die Mitte der Gesellschaft hinein ausstrahlt.
Benjamin Höhne, Politikwissenschaftler TU Chemnitz
Die AfD in Sachsen-Anhalt hat Personal und Programm aufgestellt. Knapp fünf Monate sind es noch bis zur Landtagswahl.
Hagen Mikulas ist Reporter im ZDF-Landesstudio Sachsen-Anhalt.
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