Wahlen 2026:Was Online-Tools vor den Landtagswahlen bieten
von Luise Reinke
Fünf Landtagswahlen, viele Fragen: Wahltools können helfen, Parteiprogramme zu vergleichen, ersetzen die eigene Entscheidung aber nicht. Wie sie funktionieren - ein Überblick.
Seit zehn Jahren regiert die SPD mit einer Ampelkoalition Rheinland-Pfalz. Das könnte sich bei der Landtagswahl im März ändern, denn laut Umfragen liegt die CDU aktuell vorne.
21.02.2026 | 2:30 minEs ist Superwahljahr in Deutschland. Rund 16 Millionen Menschen sind bei Wahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Doch für welche Partei?
Tools wie der Wahl-O-Mat sind oft der erste Schritt, um sich über Programme zu informieren. Es gibt aber weitere, spezialisierte Tools, die tiefer einsteigen und unterschiedliche Zugänge bieten.
Party-Check: Expertendaten aus Potsdam
Party-Check versteht sich als wissenschaftlich fundierte Alternative zum Wahl-O-Mat. Das Tool wurde von Politikwissenschaftler Jan Philipp Thomeczek an der Universität Potsdam entwickelt. Nutzerinnen und Nutzer beantworten rund 15 bis 18 Fragen und schätzen ihre Positionen auf einer Zustimmungsskala ein. Danach zeigt das Tool, wie stark sie mit den wichtigsten Parteien übereinstimmen.
Die Positionen werden dabei nicht von den Parteien selbst geliefert, sondern von Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern auf Basis von Expertenbefragungen zur Europa-, Bundes- und seit 2024 auch zu Landtagswahlen eingeschätzt. Seit der Bundestagswahl wurde Party-Check technisch und inhaltlich weiterentwickelt, für die Landtagswahlen 2026 entstehen eigene Versionen mit spezifischen Fragen.
Am 8. März wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag. In Umfragen liegt CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagen vorn, doch Grünen-Politiker Cem Özdemir holt weiter auf.
23.02.2026 | 3:00 minWahlSwiper: Politik mit Wischgeste
Der WahlSwiper setzt stärker auf Gamification und erinnert in der Handhabung an die Dating-App "Tinder". Nutzerinnen und Nutzer beantworten politische Fragen per Wischgeste: rechts für Zustimmung, links für Ablehnung. Dazu liefert das Tool zu den jeweiligen Fragen Erklärtexte oder -videos.
Anschließend berechnet die App Prozentwerte der Übereinstimmung mit den Parteien. Diese haben zuvor denselben Fragenkatalog beantwortet. Ein Team der Universität Freiburg um Politikwissenschaftler Uwe Wagschal begleitet das Tool wissenschaftlich, indem es zusätzlich "Wahlprogramme scannt und mediale Debatten verfolgt", so die Entwickler.
Wahl-O-Mat zur Landtagswahl am 8. März:Wahl in Baden-Württemberg: Wer vertritt Ihre Interessen?
wahl.chat: KI-Chatbot fürs Wahlprogramm
Mit wahl.chat kommt ein neues Format hinzu: ein KI-Chatbot, der Fragen zu Parteien und Wahlthemen beantwortet. Entwickelt wurde das Programm von fünf Münchner Studierenden im Rahmen eines Forschungsprojektes zu KI an der Universität Cambridge.
Grundlage sind Wahl- und Grundsatzprogramme, Positionspapiere sowie Daten zum Abstimmungsverhalten im Bundestag. Alle Antworten werden mit Quellen belegt, auf Wunsch können auch Programmversprechen mit früheren Abstimmungen abgeglichen werden. Nutzerinnen und Nutzer können außerdem mehrere Parteien direkt im Chat vergleichen.
Um typische KI-Fehler zu vermeiden, stützt sich das System bei der Antwortgenerierung strikt auf vorher gefundene Textstellen aus den Dokumenten. Wenn es zu einem Thema keine Informationen gibt, soll das transparent gemacht werden.
In wenigen Wochen wird in Rheinland - Pfalz gewählt. Der amtierende SPD - Ministerpräsident Schweitzer hofft auf einen Sieg. In den Umfragen liegt allerdings der CDU Kandidat Schnieder vorn.
14.02.2026 | 3:49 minWarum Wahltools helfen, aber nicht entscheiden
Politikwissenschaftler Stefan Marschall beschäftigt sich in seiner Forschung mit Wahlprogrammtools und ist auch an der Entwicklung des Wahl-O-Mat beteiligt.
Diese Tools sind nicht in der Lage, eine definitive Wahlentscheidung zu geben. Denn die ist ja hochkomplex und es spielen noch ganz andere Sachen eine Rolle, beispielsweise, welche Personen zur Wahl antreten.
Stefan Marschall, Politikwissenschaftler
Aus der Forschung sei aber bekannt, dass die Tools Menschen mobilisieren können. Sie könnten dazu anregen, sich weiter zu informieren, mit anderen über Politik zu sprechen und Unterschiede zwischen Parteien bewusster wahrzunehmen.
Gerade, wer erkennt, dass Programme nicht austauschbar sind, ist eher motiviert, überhaupt zur Wahl zu gehen.
Stefan Marschall, Politikwissenschaftler
In Baden-Württemberg wird in gut zwei Monaten ein neuer Landtag gewählt. Seit 15 Jahren regieren dort die Grünen. Momentan erscheint es fraglich, ob das so bleibt. Ein wichtiges Thema: Wirtschaft.
09.02.2026 | 1:56 minGleichzeitig betont Marschall, dass die Tools nicht alle Themen abbilden könnten. Das zeigt auch die Nutzerperspektive: Eine Wählerin berichtet ZDFheute, sie habe zwar den Wahl-O-Mat genutzt, entscheide aber "nach inneren Werten". Ein anderer nutzt Wahltools vor allem als "Double-Check", um seine bereits gefällte Wahlentscheidung zu überprüfen und nicht, um sie komplett zu bestimmen.
Politikwissenschaftler Marschall empfiehlt deshalb, mehrere Angebote zu testen und genau hinzuschauen, wer hinter einem Tool steht, ob es wissenschaftlich begleitet und transparent ist. Dann könnten Online-Wahlhilfen ein sinnvoller Einstieg in die eigene Wahlentscheidung sein.
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