Landtagswahl am 8. März:Baden-Württemberg: Wahl im Schatten der Wirtschaftskrise
von Max Schwarz
Droht das "Musterländle" zum Sorgenkind zu werden? Die Wirtschaftskrise ist das zentrale Thema zur Wahl in Baden-Württemberg. Wie ist die Lage und was schlagen die Parteien vor?
In Baden-Württemberg wird in gut zwei Monaten ein neuer Landtag gewählt. Seit 15 Jahren regieren dort die Grünen. Momentan erscheint es fraglich, ob das so bleibt. Ein wichtiges Thema: Wirtschaft.
09.02.2026 | 1:56 minPeter Hodapp ist ein Mann der klaren Worte. Der Unternehmer ist überzeugt: Aktuell stehe der Wohlstand Baden-Württembergs auf dem Spiel. "Viele Mittelständler investieren nur noch im Ausland oder verkaufen ihre Unternehmen, weil sie in Deutschland keine Zukunft mehr sehen", so Hodapp.
Das Familienunternehmen fertigt im badischen Achern Sicherheitstüren aus Stahl. Viele Jahrzehnte lieferten sie auch die Tore für die Werke von Mercedes oder Porsche. Doch die bestellen laut Hodapp nicht mehr: "Wir spüren, wie die Automobilindustrie von China überschwemmt wird. Das holen wir nicht mehr auf."
Die Zeiten, in denen hier jeder dritte Arbeitsplatz vom Auto abhängig war, sind vorbei. Wir müssen umdenken.
Peter Hodapp, Geschäftsführer HODAPP GmbH
Deutschlands Automobilindustrie steckt tief in der Krise: Tausende Beschäftigte bei Herstellern und Zulieferern verlieren ihren Arbeitsplatz.
11.11.2025 | 6:10 minStellenabbau und Sparprogramme
In Baden-Württemberg ist das schon jetzt sichtbar. Sparprogramme, Stellenabbau und Verlagerungspläne seien in vielen Industriebetrieben bitterer Alltag, berichtet die baden-württembergische IG-Metall Chefin gegenüber ZDFheute.
Das verunsichert und belastet die Beschäftigten. Die Menschen haben Sorge um ihre Arbeitsplätze und die Zukunft des Industriestandorts Baden-Württemberg.
Barbara Resch, Bezirksleiterin IG Metall Baden-Württemberg
Lange Zeit galt Baden-Württemberg als wirtschaftlicher Musterschüler. Über Jahrzehnte boomte die Autoindustrie. Kleine und mittlere Unternehmen mischten mit innovativen Produkten auf den Weltmärkten mit. Das Bundesland profitierte wie kaum ein anderes von der Globalisierung.
Das schlagen die Parteien vor:
- Überprüfung aller Maßnahmen durch einen Rat der Wirtschaftsweisen
- Gründung einer volldigitalen Universität für Künstliche Intelligenz
- Bürokratieabbau: "Verfallsdatum" für neue Normen
- Förderung der Elektromobilität z.B. durch Ausbau der Ladeinfrastruktur und klimafreundliche Mobilität
- Förderung von Schlüsseltechnologien: Robotik, KI, Batterien
- Programme zur regionalen Wirtschaftsentwicklung
- "Buy BW": Verpflichtung für Behörden verstärkt regionale Produkte, z. B. Autos, zu beschaffen
- Energierabatt für Baden-Württemberg
- vollständige Digitalisierung der Verwaltung
- Abschaffung der CO2-Flottengrenzwerte und des Verbrenner-Aus
- Verwaltungsreform: schrittweise Abschaffung der Regionalverbände und Regierungspräsidien
- jede fünfte Verwaltungsstelle durch Digitalisierung einsparen
- staatliche Hilfen nur noch für Unternehmen, die sich zum Standort Baden-Württemberg bekennen und Arbeitsplätze erhalten
- Beteiligungen des Landes an innovativen Unternehmen
- Transformationsmilliarde für die Industrie
- Transformation der Autoindustrie hin zur Mobilitätsindustrie: Autohersteller- und Zulieferer sollen z. B. Straßenbahnen oder Elektrobusse produzieren
- 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
- Mindestlohn für Baden-Württemberg von 17 Euro pro Stunde
Warum Baden-Württemberg besonders betroffen ist
Diese Abhängigkeit vom Export und von der Industrie macht Baden-Württemberg aber jetzt zu schaffen. "Gerade der Maschinenbau und die Automobilindustrie sind von der Transformation und den geopolitischen Spannungen besonders betroffen", erklärt der Ökonom Achim Wambach. Deshalb seien die wirtschaftlichen Probleme hier stärker als in anderen Bundesländern.
Und Thomas Bürkle vom Verband der Unternehmer Baden-Württemberg ergänzt: "Durch Technologiesprünge ist vielfach der jahrzehntelang erarbeitete Vorsprung dahingeschmolzen, der Wettbewerb insbesondere aus Asien hat sich deutlich intensiviert."
Am 8. März startet in Baden-Württemberg das deutsche Superwahljahr. Umfragen sehen die CDU vorne, viele wünschen sich jedoch Cem Özdemir als Ministerpräsidenten.
07.02.2026 | 2:51 minHinzu kämen hausgemachte Probleme wie hohe Steuern und Sozialabgaben, hohe Energiepreise, zu viel Bürokratie, teils marode Infrastruktur und Fachkräftemangel.
All das sorgt dafür, dass wir hierzulande kaum noch wettbewerbsfähig wirtschaften können.
Thomas Bürkle, Präsident der Unternehmer Baden-Württemberg
Was kann eine Landesregierung verbessern?
Viele Reformen müssten auf europäischer und nationaler Ebene umgesetzt werden, erklärt der Ökonom Achim Wambach gegenüber ZDFheute.
Die Landesregierung ist aber eine wichtige Stimme in Berlin und Brüssel und kann dort ihr Gewicht einbringen. Aber auch vor Ort kann sie dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort attraktiver zu machen.
Prof. Achim Wambach, Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
Drei Vorschläge dazu vom Verband der Unternehmer Baden-Württemberg:
- Bürokratieabbau, Digitalisierung der Verwaltung und Beschleunigung von Verfahren. z. B. durch ein Beschleunigungsgesetz zum Ausbau der Energieinfrastruktur
- Unternehmen in der Transformation durch eine leistungsfähige Infrastruktur und eine wettbewerbsfähige Energieversorgung noch zielgenauer unterstützen, etwa durch eine Harmonisierung der Klimaziele auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene
- Bildung und Wissenschaft als Kernbereich der Landespolitik für eine mutige Innovationsstrategie
Am 8. März ist in Baden-Württemberg Landtagswahl. Cem Özdemir möchte Kretschmann als Ministerpräsident folgen. In Umfragen liegt jedoch CDU Spitzenkandidat Manuel Hagel aktuell vorn.
12.01.2026 | 2:01 minGewerkschaft fordert Bürokratie-Abbau
Auch die IG Metall fordert einen schnelleren Abbau von Bürokratie und kritisiert die schleppende Umsetzung vieler Maßnahmen. Zudem brauche es gezielte Programme zur Beschäftigungssicherung und Qualifizierung.
Damit können Fachkräfte in der Transformation im Land gehalten und neue Perspektiven geschaffen werden. Das stärkt den Standort, vor allem aber gibt es den Beschäftigten wieder Sicherheit und Zuversicht.
Barbara Resch, Bezirksleiterin IG Metall Baden-Württemberg
Peter Hodapp erhofft sich von der Landtagswahl vor allem klare politische Verhältnisse. Und eine Stimmung, bei der Unternehmer nicht mehr die "Buhmänner" in Baden-Württemberg sind.
Max Schwarz ist Reporter im ZDF-Landesstudio Baden-Württemberg.
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