Die Linke im Wahljahr 2026:"Guter Populismus" und ein altes Problem
von Andrea Maurer
Die Linke will an ihren Erfolg von 2025 anknüpfen, mit einem Anti-AfD-Kurs und ein bisschen Populismus. Ein Problem aus dem vergangenen Jahr begleitet die Partei auch 2026.
Die Linkspartei stellt nach ihrer Klausurtagung die finanziellen Sorgen vieler Bürger in den Vordergrund. Mieten, Lebensmittelpreise, öffentlicher Nahverkehr müsse für alle bezahlbar bleiben.
09.01.2026 | 1:29 minBad Saarow, Thermenstadt in Brandenburg. Zwei Tage hatte sich die Linke hier in einem 5-Sterne-Ressort zur Klausur zurückgezogen, um sich aufzustellen für 2026. Ein Jahr, von dem Parteichef Jan van Aken sagt:
Das Jahr ist gerade mal wenige Tage alt, es ist schon so viel passiert - und es wird noch so viel mehr passieren.
Jan van Aken, Linke
Er meint vor allem: Die US-Militäraktion in Venezuela. Davon, dass "viel passiert", will und könnte die Linke auch 2026 weiter profitieren.
"Guter Populismus"
Ein "guter Populist" will Jan van Aken bekanntermaßen sein. Entsprechend markig tritt er auf. Genauso die linke Fraktionschefin Heidi Reichinnek, die mit einer Sprechgeschwindigkeit von 275 Wörtern pro Minute deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegt.
Wir werden nicht einfach hinnehmen, dass die Menschen aus Verzweiflung die AfD wählen, wir wollen, dass sie aus Hoffnung die Linke wählen.
Heidi Reichinnek, Linke
Die Zuspitzung und die Fokussierung auf prägnante Themen wie Mieten, Preise, Anti-Faschismus, die 2025 für die Linke so erfolgsversprechend waren, gehen also auch 2026 weiter.
Das Rentenpaket sei "bei weitem nicht genug", sagt Reichinnek, aber man wolle nicht dabei zusehen, wie noch mehr Rentnerinnen und Rentner in Armut fallen.
05.12.2025 | 3:19 minErneuertes Grundsatzprogramm
"Es ist kalt in diesem Land", sagt Reichinnek, und fügt an, sie meine die soziale Kälte. Der Slogan ihrer Partei für 2026 sei "bezahlbares Leben für alle". Heißt: Kostenfreies Essen in Kitas und Schulen, Rückkehr zum 9-Euro-Ticket, gerechte Löhne und gerechte Renten.
Schon in der nächsten Woche wird die Linke zwei Anträge in den Bundestag einbringen: "Mieterinnen und Mieter besser schützen - Erste Mietrechtsnovelle sofort umsetzen" und "Das Gesundheitswesen bleibt zivil - Kriegsprävention statt Militarisierung."
Ein altes linkes Problem bleibt auch 2026
Eines der größten Probleme der Linken im Jahr 2025 bleibt auch eines der größten im Jahr 2026: der Antisemitismus in den eigenen Reihen.
Das Jahr begann damit, dass das Haus des brandenburgischen Antisemitismus-Beauftragten Andreas Büttner, Mitglied der Linkspartei, mit einem roten Kreuz beschmiert wurde - dem Symbol der Terrororganisation Hamas.
Ungeklärt ist bislang, von wem. Büttner war in den vergangenen Monaten ins Fadenkreuz von Rechtsextremen geraten - hatte aber auch immer wieder Hassbotschaften von Mitgliedern der Linken erhalten.
Im ZDF-Interview nimmt Schwerdtner zu Antifa-Aktionen Stellung, erläutert den Deal mit der Union und setzt sich vehement für Palästina und gegen Antisemitismus ein.
24.08.2025 | 2:43 minParteichefs wirken machtlos
Schon im August 2025 war Büttner gegenüber ZDFheute mit seiner Partei hart ins Gericht gegangen: "Man kann ein Problem nicht einfach weg argumentieren, das gäbe es nicht und wir seien eine Partei, die keinen Antisemitismus hat." Und weiter:
Doch: Es gibt linken Antisemitismus. Und wenn man damit offen umgeht, dann kann man das Problem auch angehen. Viel schwieriger ist es, wenn man es verschweigt.
Andreas Büttner, Linke
Die linken Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Jan van Aken haben sich in einem Statement nun klar positioniert: "Mit großer Sorge sehen wir, dass einige unserer Genoss*innen gerade massiv angegriffen und zum Teil mit regelrechten Kampagnen überzogen werden." Machtlos erscheinen sie trotzdem.
Die Linke im Superwahljahr
Seit der Bundestagwahl, bei der die totgesagte Linke mit 8,8 Prozent ins Parlament einzog, geht es für die Partei bergauf. Zum ersten Mal könnte sie im März in einem süddeutschen Flächenland in den Landtag kommen: In Baden-Württemberg steht sie in aktuellen Umfragen bei sieben Prozent.
Besonders wichtig aber sind für die Linke die beiden Wahlen im Osten, auf die auch die anderen Parteien wahlweise mit Sorge (CDU, SPD, Grüne) oder mit Selbstbewusstsein (AfD) schauen. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt die AfD deutlich vorne. In Sachsen-Anhalt könnte sie mit 40 Prozent stärkste Kraft werden.
Keinen profilierten Kandidaten, kein Konzept gegen die AfD: Ohne Ministerpräsident Haseloff könnte die CDU in Sachsen-Anhalt bei den Landtagswahlen nächstes Jahr eine herbe Niederlage kassieren.
14.09.2025 | 4:21 minLinke plus CDU gegen AfD?
Hier ist Eva von Angern Spitzenkandidatin der Linken. Dass CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff nun überraschend zurückzieht, um CDU-Kandidat Sven Schulze ins Amt zu bringen, nennt von Angern ein "angstgetriebenes Manöver im Rahmen der Wahlkampfstrategie."
"Ob das Erfolg hat, das mag ich nicht zu sagen, was aber Fakt ist: Es wird keine Stimme der Linken für die Wahl für Sven Schulze als Ministerpräsident geben", sagt sie ZDFheute.
Gesprächen mit der CDU aber wird man sich wohl nicht verweigern, wenn es darum geht, eine AfD-Regierung zu verhindern.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff will wohl sein Amt früher als geplant an CDU-Wirtschaftsminister Schulze übergeben. Wulf Schmiese ordnet die Reaktionen aus Berlin ein.
08.01.2026 | 2:19 minLinke Bürgermeisterin in Berlin?
In Berlin wiederum, wo auch im September 2026 gewählt wird, will die Linke 2026 stärkste Kraft werden und mit Elif Eralp die Regierende Bürgermeisterin stellen. Vorbild ist New York, wo überraschend der Sozialist Zohran Mamdani die Bürgermeisterwahl gewann.
Aktuell liegt die Linke in der Hauptstadt bei 18 Prozent, auf Platz 2. "Das Comeback der Linken geht weiter", kündigt van Aken an, "wir sind noch lange nicht da, wo wir hin wollen."
Politisch groß denken, innerparteiliche Probleme klein reden - das scheint die Strategie der Linkspartei für 2026 zu sein.
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