Nach Reichinnek-Äußerung über Migräne :Wie Politiker mit gesundheitlichen Problemen umgehen
von Jan Henrich und Christiane Hübscher
Die Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek hatte sich zuletzt zu ihrer Migräne geäußert, ihr Parteikollege Sören Pellmann spricht über seinen Herzinfarkt. Wie belastend ist Politik?
Migräne oder Herzinfarkt: Erste Politiker sprechen über ihre Erkrankungen. ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Christiane Hübscher erklärt, warum das bisher ein Tabu war.
09.12.2025 | 1:47 minAls die Linken-Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek im April in der Sendung von Markus Lanz zum Thema Mietendeckel gefragt wird, antwortet sie überraschend kurz angebunden. Sie habe die Zahl nicht parat, leide unter Migräne und könne diese "Schulabfrage" deswegen jetzt nicht beantworten.
Es war einer der kurzen und seltenen Momente, in denen eine Politikerin gesundheitliche Schwäche eingesteht. Ihr Co-Fraktionsvorsitzender Sören Pellmann erlebte im Sommer einen Herzinfarkt und mahnt heute zu mehr Offenheit im politischen Betrieb im Umgang mit Erkrankungen.
Verständnis nach Offenheit über Herzinfarkt
Die habe ihn anfänglich Überwindung gekostet, berichtet Pellmann ZDFheute. Gesundheitliche Probleme seien häufig ein Tabu-Thema in der Politik.
Man nimmt immer noch an, dass man angreifbar werden könnte, wenn der politische Konkurrent weiß, er oder sie ist gesundheitlich gezeichnet.
Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag
Letztlich habe sich die Offenheit allerdings für ihn ausgezahlt, so Pellmann. Er habe sich dadurch während der Krankheit aber auch danach nicht verstecken müssen und Verständnis erhalten.
Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse sind zwei Drittel der Deutschen zumindest manchmal gestresst. Stressfaktor Nummer Eins: zu hohe Ansprüche an sich selbst.
26.11.2025 | 1:33 minPellmann: Ruhepausen gelten in der Politik als überbewertet
Nach seinem Herzinfarkt habe er Konsequenzen gezogen. Häufig werde in der Politik gesagt, dass Ruhepausen überbewertet seien, so Pellmann. Das stimme aber nicht.
Der Tag hat 24 Stunden, aber wenn man in den Terminplan schaut, müsste er eigentlich 30 Stunden haben.
Sören Pellmann, Vorsitzender der Linksfraktion im Bundestag
Heute nehme sich der Linken-Politiker bewusst Zeit für Erholung. Anderen rät er, frühzeitig auf Warnsignale zu hören. Dass Politiker häufig erst dann gesundheitliche Probleme zugeben, wenn gar nichts mehr geht, sieht man an anderen Beispielen.
Der damalige SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert hatte im Oktober 2024 überraschend seinen Rücktritt erklärt und diesen damit begründet, dass er gesundheitlich nicht mehr in der Lage sei, die erforderliche Kraft für sein Amt aufzubringen. Der SPD-Außenpolitiker Michael Roth hatte sich 2022 wegen mentaler Erschöpfung aus der Politik zurückgezogen.
"Mir wurde die Härte der Auseinandersetzung und, dass es auch persönlich wurde, zu viel", so Michael Roth (SPD), ehemaliger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und Autor.
30.09.2025 | 6:25 minHelmut Kohl hielt Erkrankung lange Zeit geheim
Selbst Regierungschefs fällt der offene Umgang mit gesundheitlichen Problemen offensichtlich schwer. Helmut Kohl (CDU) hielt während seiner Amtszeit lange eine Erkrankung mit Prostata-Krebs geheim. Kurz vor einem Parteitag der CDU im September 1989 litt er unter starken Schmerzen und sollte eigentlich schnellstmöglich operiert werden.
Aus Angst, seine parteiinternen Gegner hätten seine Schwäche oder Abwesenheit ausnutzen können, fuhr er dennoch zum Parteitag. Eine Absage wäre für ihn undenkbar gewesen.
Jan Henrich und Christiane Hübscher berichten aus dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.
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