Handel fordert verkaufsoffene Sonntage:Öfter am Sonntag einkaufen: Wie Geschäfte profitieren können
von Richard Luttke und Patrick Käseberg
In vielen EU-Ländern sind Geschäfte auch sonntags geöffnet. Dies fordert der Handelsverband nun auch für Deutschland. Hilft das dem Einzelhandel wirklich auf die Sprünge?
Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels fordert die Erlaubnis für Öffnungszeiten an Sonntagen. Hauptgeschäftsführer Genth sagte, Öffnung an Sonntagen würden Innenstädte attraktiver halten.
06.07.2026 | 0:23 minBlauer Himmel, alle haben frei, doch die Stadt ist leer. Während Onlinehändler ihre Produkte rund um die Uhr verkaufen können, schließen die meisten Geschäfte in Deutschland am Samstagabend ihre Türen und bleiben sonntags geschlossen.
Das soll sich ändern, geht es nach dem Handelsverband Deutschland (HDE). Die Forderung: mehr Flexibilität, Rechtssicherheit und vor allem mehr verkaufsoffene Sonntage im Jahr.
Handelsplattformen sorgen mit extrem billigen Waren für eine Paketflut. Jetzt werden drei Euro pro Artikelgruppe fällig – für die Händler. Es könnte sich auch auf Kunden auswirken.
02.07.2026 | 2:09 minOnlinehandel setzt stationären Einzelhandel unter Druck
Immer mehr Menschen bestellen in Onlineshops wie Amazon, während Innenstädte durch Leerstand und Schließungen zunehmend unattraktiver werden. Laut Handelsverband stieg beispielsweise der Umsatz mit Kleidung zwischen 2019 und 2024 im Onlinehandel um 41 Prozent, während er im stationären Handel um knapp 17 Prozent fiel. Allerdings fällt in diesen Zeitraum auch die Corona-Pandemie.
Laut einer Analyse entgehen dem deutschen Einzelhandel jährlich 2.5 Milliarden Euro Umsätze durch chinesische Onlinehändler. Bereits 40.000 Arbeitsplätze sollen dadurch weggefallen sein.
23.04.2026 | 0:35 minSonntagsöffnung soll für vollere Innenstädte und mehr Umsatz sorgen
Eine Öffnung am Sonntag könnte laut Handelsverband hier Abhilfe schaffen. Ziel seien bundesweit zehn bis zwölf verkaufsoffene Sonntage pro Jahr.
Wir versprechen uns natürlich eine Attraktivität für die Innenstädte.
Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE)
Denn dort, wo verkaufsoffene Sonntage möglich seien, "haben wir auch Erfolg", sagt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE. Die Idee: Am Wochenende haben viele Menschen Zeit, in den Städten zu verweilen und entsprechend Geld auszugeben.
Daher sieht auch Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung (IFH) in der Sonntagsöffnung durchaus Potenzial: "In den allermeisten Onlineshops ist der Sonntag der stärkste Tag der Woche. Insofern ist natürlich die Hoffnung, dass dann entsprechende Umsätze, die sonst im Onlinehandel gelandet wären, in den stationären Handel hineinfließen."
Deutsche Einzelhändler haben 2025 einen Höchststand bei Diebstählen verzeichnet. Die Schäden durch Kunden beliefen sich auf mehr als drei Milliarden Euro.
23.06.2026 | 0:21 minAuch Urlauber, die nur am Wochenende zu Gast sind, könnten Geld in die Kassen spülen. Voraussetzung dafür sei jedoch ein attraktives Gesamtangebot zusammen mit der Gastronomie. Gleichzeitig schränkt Hudetz ein: "Inwieweit diese zusätzlichen Umsätze dann auch tatsächlich realisiert werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen."
Da der Sonntag im Grundgesetz als Ruhetag definiert ist, müssen Verkaufsstellen an Sonn- und Feiertagen grundsätzlich geschlossen bleiben. Ausnahmen von dieser Regelung gelten unter anderem für Bahnhofs- und Flughafengeschäfte, Tankstellen, Apotheken sowie für verkaufsoffene Sonntage.
Die rechtliche Grundlage bildet in Deutschland das Bundes-Ladenschlussgesetz. Seit der Föderalismusreform 2006 sind jedoch die Bundesländer für die Ladenöffnungszeiten zuständig.
Unterschiede gibt es vor allem bei der Anzahl an verkaufsoffenen Sonntagen oder bei Sonderregelungen für Orte mit sehr hohem Tourismusaufkommen. Besonders strenge Vorschriften gelten in Bayern, während Länder wie Berlin liberaler sind.
Verkaufsoffener Sonntag: Gewerkschaften lehnen Ausweitung ab
Ebenso offen scheint auch, wie gut die Pläne überhaupt in der Bevölkerung ankommen. Eine aktuelle, repräsentative YouGov-Umfrage mit 4.022 Teilnehmern zeigt ein geteiltes Bild: Die Hälfte aller Befragten ist eher gegen eine häufigere Öffnung von Geschäften an Sonntagen, etwas weniger würden dies befürworten.
Ganz entschieden dagegen sind in jedem Fall die Gewerkschaften. Verdi-Fachbereichsleiterin Silke Zimmer hebt die zentrale gesellschaftliche Rolle des Sonntags als Zeit für Familie und Erholung hervor.
Außerdem betont sie gegenüber ZDFheute: "Wir haben von Montag bis Samstag quasi rund um die Uhr geöffnet. Da hat man viele Gelegenheiten, einkaufen zu gehen und deswegen ist es gut, dass die Beschäftigten einen Tag in der Woche haben, wo sie planbar frei haben."
Online einkaufen geht schnell, der Widerruf oft nicht – das soll sich ändern. Ab dem 19. Juni wird ein sogenannter Widerrufsbutton Pflicht, die Rückgaben deutlich erleichtert.
18.06.2026 | 0:32 minPersonalbeschaffung könnte zur Herausforderung werden
Für die Inhaber verursacht ein zusätzlicher offener Tag darüber hinaus auch Kosten für Energie und Personal. Außerdem könnten laut Michael Oberfichtner, Professor für Betriebliche Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, insbesondere Betriebe im ländlichen Raum Schwierigkeiten haben, ausreichend Beschäftigte für Arbeitsschichten am Sonntag zu finden. Gleichzeitig müsse Sonntagsarbeit nicht zwangsläufig unattraktiv sein.
Es gibt Personen, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter ist, wenn der Großteil der Arbeitszeit am Wochenende stattfindet. Und insbesondere, wenn Zuschläge gezahlt werden, kann dies ein attraktives Angebot sein.
Michael Oberfichtner, Forschungsbereichsleiter "Betriebe und Beschäftigung", Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung
Ladenschlussgesetz in Deutschland besonders streng
Im EU-Vergleich ist Deutschland mit seinen Gesetzen zur Ladenschließung am Sonntag eher restriktiv. In Tschechien dürfen beispielsweise alle Läden geöffnet sein, Ausnahmen gelten nur für Feiertage. Auch in Schweden gibt es bereits seit 1972 keine gesetzlichen Vorgaben zur Öffnung von Geschäften mehr. In der Schweiz sind die Gesetze mit maximal vier offenen Sonntagen pro Jahr hingegen sogar noch strikter als bei uns.
Richard Luttke ist Redakteur im ZDF-Team Wirtschaft und Finanzen.
Hohe Konsum- und Mehrwertsteuern trieben die Niederländer in den letzten Jahren zum Einkauf nach Deutschland. Eine Initiative fordert von der neuen Regierung nun eine Begrenzung der Steuersätze.
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